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Das Bad wartet mit Baustellen-Flair und schrägem Programm auf.
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Das Bad wartet mit Baustellen-Flair und schrägem Programm auf.

Friedberg

Pippo Pollina im Hallenbad

  • VonKlaus Nissen
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Nicht nur der italienische Sänger sollte ein Grund sein, im neuen Jahr nach Friedberg zu fahren. Auch Jo van Nelsen, Gankino Circus, das Modern Classix Trio und viele andere Künstler gastieren bis Juni in dem sehenswerten Jugendstil-Gebäude.

Schrägheiten bietet das Friedberger Alte Hallenbad in mehrerer Hinsicht. Ganz konkret das leicht abfallende, blau gekachelte Schwimmbecken, das jetzt einen Betondeckel hat und möglichst bald zu einer Underground-Bar werden soll. Schräg ist auch so manche der 21 Veranstaltungen im nagelneuen Halbjahres-Programm. Beispielsweise ein gewisser Ilja Richter, der vor ein paar Jahrzehnten als gelockter Jüngling die ZDF-Version des Beat Club moderierte („Licht aus! Whoom! Spot an! Jaaa …!“). Nun trägt er graue Haare, Federschmuck und huldigt am 12. Mai in Friedberg einem gewissen Karl May. 

Das Kulturzentrum an der Friedberger Haagstraße ist weder staatlich noch privat. Es wurde 1909 als Schwimmbad mit Spenden Friedberger Bürger eröffnet. Genau 100 Jahre später übernahmen wieder Friedberger Bürger das seit 1980 ungenutzte Gebäude. Seit knapp acht Jahren bauen sie nun in unbezahlter Eigenleistung mit Spenden und mit Zuschüssen der Hessischen Denkmalbehörden das Gebäude zum Kulturtempel um.

Aus dem Kesselhaus machten sie einen Zweit-Saal für Kleinkunst und Feiern. Der Schwimmsaal mit der umlaufenden Galerie hat jetzt eine Bühne – und demnächst auch eine Heizung. Im Frühjahr wollen sie die große Ost-Terrasse benutzbar machen, sagt der Fördervereins-Vorsitzende Uli Lang. Das Publikum kann dort mit einem Premium-Blick auf den Roten Turm flanieren. Außerdem soll das ehemalige Zentral-Foyer wieder hergerichtet werden. Zum Beispiel für Ausstellungen. Von dort kann ab 2019 der alte Haupteingang in den Saal wieder geöffnet werden.

Parallel zum Umbau bewältigt die etwa zwölfköpfige Kultur-AG unbezahlt und frei von programmatischen Beschränkungen 50 Veranstaltungen pro Jahr. Zu Neujahr erschien ihr grüner Halbjahresflyer. Auf der Titelseite segelt der Kulturtaucher – ein unbekannter Badegast aus Schwimmbad-Zeiten – elegant ins Becken. Die weiteren Seiten bieten Hinweise auf Kindertheater, Krimis, Poetry Slam, Blues – und Pippo Pollina, der am 30. Mai drei Singer-Songwriterinnen aus Sizilien mitbringt. 

Ganz anders und besonders für Wiesbadener interessant ist der Saisonstart. Am 4. Februar ab 16 Uhr lesen Uta Eckhardt und Rolf Birkholz von der Theatercompagnie Die Tagträumer aus Feldpostbriefen. Am Klavier von Georg Klemp begleitet, erzählen sie die Liebesgeschichte der Wiesbadener Kaltmamsell Hedwig und des in Leningrad sitzenden Kochs Fritz Winkler aus den Jahren 1942 bis 1944. 

Einen Bezug zu Darmstadt hat der Fritz-Usinger-Nachmittag am 4. März. Der Friedberger Dichter wirkte in den 1920er Jahren in der südhessischen Residenzstadt. „Wir wollen zeigen“, sagt Andrej Seuss vom Alten Hallenbad, „welchen kulturellen Reichtum das Rhein-Main-Gebiet schon vor den Weltkriegen hervorgebracht hat.“ So habe die Hesselbach-Familiensaga aus der Feder des Friedbergers Wolf Schmidt auch tiefgründige philosophische Exkurse in die witzigen Episoden eingebaut. Kostproben gibt der Schauspieler und Sänger Jo van Nelsen am 18. Februar, 18. März und 15. April. 

„Rabauken on Tour“

Noch neu im Alten Hallenbad sind die von Alexa Busse organisierten Kindertheater-Vormittage. Am 25. Mai holt die Gruppe Marabu die antiken Flieger Ikarus und Dädalus mitten in die Zuschauer und lässt sie mit Akkordeonbegleitung nach dem Weg suchen. Vier Tage später sind Musiker der Alten Oper Frankfurt in Friedberg und lassen als „Rabauken on Tour“ Kita-Kinder auf Schatzsuche gehen. 

Erwachsene mit musikalischem Interesse dürfte die Gruppe Caro Kiste Kontrabass aus Kassel ansprechen: Am 20. April singt die Frontfrau Caro Wendel über den alltäglichen Wahnsinn und die Liebe zum Anderssein – begleitet von Ukulele, Cajon, Banjo und Didgeridoo. 

Das hr2-Radio-Live-Theater gastiert am 13. Mai mit dem Edgar-Wallace-Hörspiel „Der Hexer von London“. Die Truppe um Wolfgang Vater und das Stimm-Wunder Klaus Krückemeyer inszeniert die Mördersuche des Inspektors Yale als Live-Hörspiel. Ebenfalls ins Krimi-Fach spielt das Helden Theater am 10. März mit der Premiere von „8 Frauen“ nach Robert Thomas. 

Weitere Auftritte bestreiten die Tagträumer am 8. April mit einem Alma-Werfel-Nachmittag und am 4. Mai mit dem Stück „Die Stumme“ über ein im iranischen Gefängnis sitzendes Mädchen. Peter Spielbauer wird am 21. April seine finale Erkenntnis „Alles ist eine Bürste“ erklären. Die Poetry Slammer Andreas Arnold, Thorsten Zeller und Dominik Rinkart treten am 28. April als „Rat Pack“ auf, und am 19. Mai kraulen die musikalischen „Freischwimmer“ Bastian Korff und Florian Ludewig auf die Bühne. Im Juni kommen die Weltenwanderer von Tango Transit, die Burkhard Mayer Bluesband, die Streicher von Bartolomey Bittmann, der Kabarettist Martin Zingsheim.

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