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Ein Höhepunkt: "Story Water" von Emanuel Gat Dance und Ensemble Modern.

Tanzfestival Rhein-Main

Konventionen aushebeln

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Das Tanzfestival in Darmstadt, Wiesbaden und Frankfurt vom 2. bis 18. November will die Leute noch mehr für Tanz begeistern.

Das Ziel des Tanzfestival Rhein-Main ist groß: „Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, noch mehr Menschen aus dem Rhein-Main-Gebiet für den Tanz zu interessieren“, heißt es im sogenannten Mission Statement des Festivals. Im vergangenen Jahr waren es immerhin 6500 Besucher, also potentiell Tanz-Begeisterte. An 17 Tagen bei drei Uraufführungen, vier Deutschlandpremieren und acht Gastspielen sollen es in diesem Jahr noch mehr werden.

Als Indiz, wie gut das Festival in Wiesbaden, Darmstadt und Frankfurt angenommen wird, zieht Karsten Wiegand, Intendant des Staatstheater Darmstadt, ein ungewöhnliches Instrument heran: die Tiefgarage des Theaters. „An den Kennzeichen erkennen wir, von wie weit entfernt die Besucher extra zum Festival angereist kommen“, sagt er. Den Grund für den Erfolg sieht er in einer großen Sehnsucht nach Festivals. „Ich glaube zudem, die Leute haben einen große Sehnsucht, aus der Blase, aus dem Bekannten herauszutreten“, ergänzt Matthias Pees, Intendant des Mousonturm.

Möglichkeiten, Neues zu entdecken bietet das Festival zu genüge. Ein Beispiel dafür: das Werk „Dis_Sylphide“ unter der Leitung von Sa?a Asentic. Die Grundlage dafür ist Tanzkennern zwar vertraut: „Hexentanz von Mary Wigman, „Kontakthof“ von Pina Bausch und „Self Unfinished“ von Xavier Le Roy, drei Schlüsselwerke des 20. Jahrhunderts. Doch Asentic und sein Team, das aus Menschen mit und ohne Behinderung besteht, kreieren daraus etwas ganz Neues: Sie hebeln Konventionen des (Tanz-)Körper aus. „Und wer schon immer mal selbst was von Bausch tanzen wollte, ist hier genau richtig“, sagt Dramaturgin Anna Wagner.

Ein vollkommen neues Genre zeigt Ayla Pierrot Arendt mit „Harmless Being“: eine Videochoreographie. Eine Tanz-Licht-Installation haben die Choreografin Meg Stuart und der indonesische Künstler Jompet Kuswidananto mit „Celestial Sorrow“ geschaffen.

Einer der Höhepunkt ist „Story Water“ von Emanuel Gat, das er auf Einladung des Ensemble Modern entwickelt hat. 15 Musiker und zehn Tänzer treffen dabei auf der Bühne zusammen und lösen tradierte Zuständigkeiten zwischen den Disziplinen auf. Ein Teil der Choreographie basiert auf Pierre Boulez’ „Dérive 2“ und Rebecca Saunders’ „Fury II“; für den dritten Part „Folk Dance“ schaffen die Tänzer und Musiker eine eigene Partitur, in der die Gesten der Klangerzeugung und des Tanzes ineinander übergehen.

Das Tanzfestival Rhein-Main findet vom 2. bis 18. November im Hessischen Staatstheater und Wartburg in Wiesbaden, im Künstlerhaus Mousonturm und LAB in Frankfurt sowie im Staatstheater Darmstadt statt. Tickets zu den einzelnen Veranstaltungen gibt es im Internet unter tanzplattformrheinmain.de und telefonisch unter 0 69 / 4 07 66 25 80.

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