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Torsten Wappler faszinieren große und kleine Fossilien.

Grube Messel

Pilz macht Ameisen zu Zombies

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Grabungsleiter Torsten Wappler entdeckt in der Grube Messel Erstaunliches. Zusammen mit US-amerikanischen Kollegen weist er anhand von Funden eine bizarre Form von Parasitismus nach.

Als Torsten Wappler vor einem Dreivierteljahr wieder ans Hessische Landesmuseum nach Darmstadt kam, war dies für ihn wie ein Déjà-vu-Erlebnis. Denn dem promovierten Geologen, der seit Anfang Februar als Nachfolger von Norbert Micklich die Messel-Sammlung im Landesmuseum wissenschaftlich betreut und als Grabungsleiter in der Grube Messel fungiert, sind die Räume am Darmstädter Friedensplatz und die dort tätigen Mitarbeiter nur zu gut vertraut.

Schon früher arbeitete er im Landesmuseum: Nach seiner Promotion 2003 über fossile Insekten aus dem in der Südwesteifel gelegenen Eckfelder Maar absolvierte Wappler ein wissenschaftliches Volontariat an dem Museum und verfasste auch das Begleitheft zur Ausstellung „Messel unter der Lupe“ die dort 2005 gezeigt wurde.

Seit 2006 arbeitete Wappler dann in einem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt über Pflanzen-Insekten-Interaktionen mit dem Schwerpunkt Messel am Steinmann-Institut der Universität Bonn. Vor sieben Jahren habilitierte er sich dort für das Fach Paläontologie und ist seit 2011 an der naturwissenschaftlichen Fakultät als Privatdozent tätig.

Zusammen mit US-amerikanischen Kollegen hat der Wissenschaftler nachgewiesen, dass es vor 48 Millionen Jahren in Südhessen eine bizarre Form von Parasitismus gab, wie man ihn bisher nur aus asiatischen Regenwäldern kennt. Die Indizien für den wissenschaftlichen Befund stammen von einem fossilen Blatt aus der Grube Messel.

Wappler entdeckte zusammen mit US-amerikanischen Kollegen in der Versteinerung des Blattes charakteristische Mini-Löcher. Derartige Löcher findet man heute häufig in bodennahen Blättern im thailändischen Regenwald. Sie stammen von Ameisen, die von einem Pilz infiziert wurden.

Dadurch verwandeln sich die Insekten zu willenlose Zombies, die ihr Nest in den Baumwipfeln verlassen, um nach unten zu krabbeln. Etwa zwei Handbreit über dem Boden suchen sich die Ameisen dann ein Blatt aus, verbeißen sich an der Unterseite und sterben dann. Der Pilz nutzt die Ameise auf diese Weise als Transportmittel, weil 25 Zentimeter über dem Boden ideale Lebensbedingungen für ihn herrschen.

Mit seinen Forschungen an fossilen Insekten- und Blattfunden will Wappler unter anderem herausfinden, wie sich das Klima und infolgedessen auch die Fauna und Flora im Verlauf von mehreren Millionen Jahren verändert haben.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten war der Wissenschaftler immer wieder in der Grube Messel, um Funde für das Museum zu bergen. Anfang November konnte er zwei frisch präparierte „Urpferdchen“ der Öffentlichkeit präsentieren, die 2015 und 2016 noch während der Amtszeit seines Vorgängers in Messel gefunden worden waren. Das Hessische Landesmuseum führt dort seit Mitte der 1960er Jahre planmäßig eigene wissenschaftliche Grabungen durch.

Derzeit arbeitet Wappler an der Erstellung eines Insektenstammbaums und bereitet zusammen mit anderen Museumsabteilungen zwei neue Ausstellungen für das kommende Jahr vor.

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