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Ergotherapie wird auch von dem neuen Gesetz betroffen sein. 

Schulgeld

Physio-Schule wird in Hessen kostenfrei

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Hessen schafft auch das Schulgeld in sieben anderen Gesundheitsberufen ab. Dazu gehören Logopäden und Ergotherapeuten. Andere Bundesländer haben das schon früher getan.

Gute Nachricht für angehende Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten: Vom nächsten Schuljahr an müssen sie kein Schulgeld mehr bezahlen, ebenso wie der Nachwuchs in fünf anderen Gesundheitsberufen. Bisher fielen je nach Ausbildungsberuf und Schule bis zu 16 000 Euro für die dreijährigen Ausbildungen an.

Die schwarz-grüne Koalition bringt den entsprechenden Gesetzentwurf in dieser Woche in den Hessischen Landtag ein. Das berichteten die Sozialpolitiker Claudia Ravensburg (CDU) und Marcus Bocklet (Grüne) am Montag in Wiesbaden. Hessen folgt damit dem Beispiel anderer Bundesländer (siehe Kasten).

Vom Schulgeld befreit werden Ausbildungen in Diätassistenz, Ergotherapie, Logopädie, Medizinisch-Technischer Assistenz, Orthoptik, Pharmazeutisch-Technischer Assistenz, Physiotherapie und Podologie. „Wir hoffen, dass dadurch die Berufe attraktiver werden“, sagte Bocklet. Einen Fachkräftemangel gebe es nicht nur bei Ärzten.

Bis zu fünf Millionen Euro

Hessen stellt dafür in diesem Jahr 1,5 Millionen Euro bereit. In den nächsten Jahren soll diese Summe auf bis zu fünf Millionen Euro anwachsen. Sozialminister Kai Klose (Grüne) muss das Gesetz noch per Erlass umsetzen. Das soll bis Sommer geschehen.

In anderen Ländern

Viele Bundesländerhaben das Schulgeld für die Ausbildung in Gesundheitsfachberufen bereits abgeschafft. Dazu gehören nach Angaben des Evangelischen Pressedienstes (epd) Schleswig-Holstein, Bayern, Bremen, Hamburg, Berlin und Niedersachsen.

Nordrhein-Westfalengewährt den Ausbildungsschulen rückwirkend zum 1. September 2018 je Ausbildungsplatz einen Zuschuss von 70 Prozent. 

Insgesamt 41 Schulen für diese Gesundheitsberufe gibt es in Hessen. An 20 davon wird schon kein Schulgeld mehr erhoben, da sie mit Krankenhäusern verbunden sind. Hier tragen die Krankenkassen zur Finanzierung bei.

Eigentlich sollte das Schulgeld in ganz Deutschland fallen. Doch die dafür eingesetzte Arbeitsgruppe von Bund und Ländern ist noch nicht fertig geworden. Nun handelt Hessen, hat aber die Hoffnung auf eine gemeinsame Regelung nicht aufgegeben. „Unser Ziel ist nach wie vor eine bundeseinheitliche Regelung“, sagte die CDU-Abgeordnete Ravensburg. Durch die Vorstöße anderer Bundesländer, die das Schulgeld abgeschafft hatten, müsse Hessen jedoch reagieren.

„Endlich sind wir der Schulgeldfreiheit ein Stück näher“, kommentierte die Vorsitzende des Landesverbands für Physiotherapie Hessen, Yvonne Massuger. Sie äußerte sich in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit der SPD-Abgeordneten Daniela Sommer.

Die Sozialdemokraten fordern seit Jahren, das Schulgeld abzuschaffen. Das hatten CDU und Grüne bisher abgelehnt, weil sie eine bundesweite Regelung abwarten wollten.

Sommer sprach von einer „Kehrtwende“ der Regierung. Die SPD habe dafür „lange und hartnäckig“ gekämpft, gemeinsam mit den Verbänden sowie Schulen und Auszubildenden. Auch der FDP-Abgeordnete Yanki Pürsün urteilte: „Endlich hat die schwarz-grüne Koalition eingesehen, dass eine Schulgeldfreiheit in den Gesundheitsfachberufen dringend erforderlich ist.“

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