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Phase zwei der Platanenrettung in Darmstadt

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Von: Annette Schlegl

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Ein schützender Holzzaun umgibt die Bestandsbäume im Platanenhain, damit sie bei den Bauarbeiten keinen Schaden nehmen.
Ein schützender Holzzaun umgibt die Bestandsbäume im Platanenhain, damit sie bei den Bauarbeiten keinen Schaden nehmen. © Rolf Oeser

Auf der Mathildenhöhe in Darmstadt wird wieder gebaggert, damit die fast 200 Jahre alten Bäume im Platanenhain mehr Luft und Wasser bekommen.

Weiter mit Phase zwei. Nach diesem Motto wird aktuell den Platanen auf der Mathildenhöhe in Darmstadt geholfen. Der Boden, auf dem sie stehen, ist zu sehr verdichtet, die Bäume bekommen nicht genug Luft und Wasser. Vor einem Jahr begann die Sanierung des Platanenhains auf der Westseite, die in der ersten Phase bis Februar dieses Jahres dauerte. Im zweiten Sanierungsabschnitt geht es nun im östlichen Teil des 5000 Quadratmeter großen Hains bis Juni kommenden Jahres weiter.

Platanen haben nicht nur dicke Wurzeln, die den Baum im Boden halten, sondern auch fast zerbrechlich anmutende Feinwurzeln, mit denen sie Nährstoffe aufnehmen. Deshalb wird der Hain mit einer wurzelschonenden Methode aufwendig saniert: Saugbagger heben Gräben aus und werden dabei von Kleinbaggern unterstützt. Diese Verfahrensweise wurde eigens für den Platanenhain entwickelt und kommt deutschlandweit erstmals zum Einsatz.

Um die Bäume zu schonen, wurden die Eingriffe auf zwei Vegetationsruhezeiten verteilt. In den zwei Sanierungsabschnitten wird ein Grabenraster durch den Platanenhain gezogen. In die Gräben, die 60 Zentimeter breit und 1,20 Meter tief sind, werden 160 senkrecht stehende Belüftungsrohre verlegt; sie sorgen dafür, dass Sauerstoff wieder bis an die Baumwurzeln gelangt. An zehn Stellen im Hain werden außerdem Sensoren in die Rohre eingebaut, die die Wasserspeicherkapazität im Boden messen. Entlang der ausgehobenen Gräben wird in 40 Zentimeter Tiefe eine Tröpfchenbewässerung eingebaut, die im Abstand von 2,5 Metern vollständig jeden Baumstamm umringt. So gelangt das Wasser zielsicher an die Wurzeln und verdunstet nicht mehr an der Oberfläche.

Im Herbst 2021 begann der erste Sanierungsabschnitt mit dem Aushub von drei West-Ost-Gräben im Hain, die mit sogenanntem überbaubaren Substrat gefüllt wurden. In der zweiten Sanierungsphase werden nun vier weitere Längsgräben von West nach Ost gezogen sowie Quergräben von Nord nach Süd. So entsteht das Grabenraster.

Platanenhain

Der Platanenhain gehört zum Ensemble der Darmstädter Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe.

Das rechteckige Areal unter dem Hochzeitsturm, das 125 Meter lang und 40 Meter breit ist, wurde 1833 angelegt.

Die kleine Parkanlage besteht aus 178 halbhohen, in gleichmäßigen Abständen gepflanzten Platanen, die regelmäßig beschnitten werden. ann

Im Vorgriff mussten Anfang Oktober 35 „nicht zukunftsfähige“ Platanen gefällt werden. Ein Baumgutachter hatte die Bäume 2018 untersucht und teilweise gravierende Stammschäden, teilweise starke Zweigrisse oder auch ein einseitiges Kronengerüst festgestellt. Ursprünglich waren 40 Fällungen geplant, am Ende mussten „nur“ 35 Bäume weichen.

Sie werden schon bald durch neue Platanen ersetzt, die bereits vier bis fünf Meter hoch sind und einen Stammumfang von rund 35 Zentimetern haben. Sie werden seit Winter 2019 extra für das Darmstädter Kleinod in der Baumschule Baum & Bonheur in Nettetal am Niederrhein gezogen.

Die Stadt weist darauf hin, dass der Platanenhain während des zweiten Sanierungsabschnitts für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. ann

Tiefe Gräben durchziehen aktuell den Platanenhain in Darmstadt.
Tiefe Gräben durchziehen aktuell den Platanenhain in Darmstadt. © Jens Joachim

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