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Wie genau funktioniert so ein Glücksspiel-Automat eigentlich?

Frankfurt

Ein Selbstversuch in der Spielhalle

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Ein FR-Redakteur versucht sich an einem Spielautomaten und scheitert auf ganzer Linie.

Ein A ist nicht besonders viel Wert. Obwohl A ja eigentlich für Ass stehen müsste, was ja nun keine schlechte Karte ist, aber es ist eben nur ein A. Drei J zählen auf jeden Fall mehr. Also, natürlich nur, wenn sie hintereinander vorkommen. Sonst sind drei J (vermutlich die Abkürzung für Buben) ein ziemlicher Reinfall. Aber hintereinander, da könnte was gehen, da kann man dann einen der beiden Risikoknöpfe drücken, um sein Punktekonto zu erhöhen, sofern man bei der 50:50-Chance erfolgreich ist.

Sie verstehen rein gar nichts? Schön, dann geht es Ihnen wie mir.

Frankfurter Westen, Dienstagmittag. Das Pressegespräch von Deutscher Automatenwirtschaft und Hessischem Münzautomaten-Verband ist vorbei. Ich habe viel gehört über Gesetze und unwirksame Abstandsregelungen. Was ich nicht erfahren habe: Wie funktioniert so ein Spiel am Automaten eigentlich. Also ab zum Selbstversuch in die Spielhalle.

Zunächst erwartet mich genau das, was Michael Wollenhaupt vom Münzautomatenverband beschrieben hatte. Ich kann den Laden nicht einfach betreten, sondern muss am Tresen meinen Ausweis zeigen. Ein Mitarbeiter stellt fest, dass ich seit fast 27 Jahren alt genug zum Spielen und auch nicht gesperrt bin. Danach müsste er mir eigentlich eine Spielerkarte geben, die ich ans Gerät halte, damit ich eben nur an einem Automaten spielen kann. So hatte Wollenhaupt das angekündigt, die sogenannte Verordnung über Spielgeräte und andere Spiele mit Gewinnmöglichkeit sehe das jetzt vor. Doch als ich danach frage, murmelt der Mann nur: „Geht einfach so.“

In dem Raum stehen rund zehn Automaten, zumeist zwei nebeneinander. Als ich mich hinsetzen will, fährt mich mein Nachbar rüde an:

„Hier spiele ich.“

„Wieso, Sie spielen doch dort.“

„Und hier.“

„Geht das denn?“

„Vielleicht spielt hier auch meine Mutter. Mach dich fort.“

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An einem anderen Automaten werde ich nicht weggeschickt, doch auf den ersten Blick erkenne ich: Früher, in der Imbissbude in Sachsenhausen, war die Bedienung der Geräte einfacher. Da gab es Walzen mit Kirschen und anderen Früchten, und wenn man drei gleiche Obstsorten hatte, hatte man entweder eine Mark gewonnen oder man setzte diese Mark wieder und konnte daraus bis zu 64 machen. Dafür musste man aber Glück haben, denn immer, wenn man den gewonnenen Betrag verdoppeln wollte, bestand eine 50-prozentige Chance, dass man alles verliert.

Heute muss man sich erst einmal entscheiden, welches von rund zehn verfügbaren Videospielen auf den Automaten geladen werden soll. Ich wähle „Book of Ra“, weil alle in der Branche sagen, das müsse man unbedingt spielen. Ich werfe zwei Euro ein, und dann geht alles ganz schnell. Dutzende Symbole tauchen auf dem Bildschirm auf. Ein Pharao, ein lila Käfer, ein Mann mit Hut, das A, das K... und so weiter. Die virtuellen Walzen rotieren, offenbar habe ich verloren, jedenfalls schwindet mein Guthaben. Ich soll wieder auf den Bildschirm drücken, die drei J erscheinen, ich habe etwas gewonnen, was genau, weiß ich nicht, ist aber auch egal, denn das Geld ist eh wieder weg, weil ich ohne jede Not den Risikoknopf drücke und mich zwischen rot und schwarz entscheiden muss. Ich sage „schwarz“, aber die nächste der Spielkarten, die plötzlich auf dem Schirm auftauchen, war wohl rot, exakt weiß ich das aber nicht, denn der ganze Ablauf geht viel zu schnell für mich und überfordert mich total. Auf jeden Fall ist danach das ganze Geld weg.

Zwei Euro verspielt in fünf Minuten. Angeblich soll der durchschnittliche Verlust bei elf Euro pro Stunde liegen. Sagt zumindest eine Studie. Nun gut, dann war mein Ergebnis wohl überdurchschnittlich. Statistisch gesehen müsste davon jemand anderes profitieren. Zum Beispiel der Mann, der mich vorher weggescheucht hat. Auch er spielt „Book of Ra“. Auf seinem Gerät werden soeben drei Pharaonen angezeigt. In einer Reihe. Und nebeneinander.

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