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Immer mehr ausländische Pflegekräfte wollen in Hessen arbeiten. (Symbolbild).

Anwerbung von Pflegekräften

Pflegende sollen heimisch werden

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Um ausländische Mitarbeiter zu halten, muss man sie integrieren, sagt eine Praktikerin. Nach Hessen kommen vor allem Kräfte aus Serbien.

Immer mehr ausländische Pflegekräfte wollen in Hessen arbeiten. Knapp 2000 haben im vergangenen Jahr die Anerkennung ihrer Gesundheitsabschlüsse beantragt. Zehn Mal so viel wie im Jahr 2009. Mit Abstand Spitzenreiter seien Pflegekräfte aus Serbien, gefolgt von Bosnien-Herzegowina, teilt das für die Anerkennung zuständige Regierungspräsidium Darmstadt mit. Auf Rang drei folgen die Philippinen, die Rumänien auf Rang vier verdrängten. Für die Anwerbung philippinischer Krankenschwestern gibt es spezielle Vermittlungsabkommen, die eine Anerkennung vereinfachen.

Um die Vermittlung ausländischer Pflegekräfte hat sich ein Markt gebildet. Es gibt Agenturen, die Kandidaten in der Heimat mit Sprachkursen vorbereiten und Formalitäten erledigen. Im hessischen Sozialministerium sitzt die Anlaufstelle für Arbeitgeber und Pflegende namens ZIP Hessen. Sie bietet Informationen zur Anwerbung und Anerkennung, aber auch zur nachhaltigen Integration. Denn die sei wichtig, um die neuen Mitarbeiter auf Dauer an das Unternehmen zu binden, sagt Sabine Brase, Pflegedirektorin am Klinikum Darmstadt: „Einmal zusammen kochen reicht nicht aus.“

Manche hören desillusioniert wieder auf

Dass die Klinik auf von Agenturen vermittelte Kräfte aus Spanien und Brasilien setzte, ist schon einige Jahre her. „Die beste Erfahrung haben wir mit Einzelpersonen, die sich direkt bei uns bewerben“, sagt Brase. Die kommen vorbei und fragen, ob die Klinik ihnen beim Anerkennungsverfahren helfen kann. Dazu müssen sie ein Praktikum machen, eine theoretische und praktische Prüfung bestehen, Deutsch auf B2-Niveau vorweisen. „Sprache ist das A und O in der Pflege“, sagt Brase. 20 neue Pflegekräfte hat die Klinik in den vergangenen zwei Jahren auf diesem Weg gewonnen. Männliche wie weibliche. Sie stammen aus Bosnien-Herzegowina, Serbien, Kroatien und Mazedonien.

Wenn sich jemand eigenständig bemüht, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er dauerhaft bleibt, so die Erfahrung der Darmstädter. Wichtig sei auch, dass die Bedingungen bekannt seien, unter denen in Deutschland gearbeitet werde. In Spanien zum Beispiel wird Körperpflege der Patienten von weniger qualifiziertem Personal erledigt. Deshalb sind viele Spanier nach einigen Monaten desillusioniert zurückgekehrt.

Außerdem müssten sie sich heimisch fühlen, sagt Brase: „Wir brauchen Integrationskonzepte.“ Der Bedarf an ausländischen Pflegekräften werde wachsen und sie seien eine Bereicherung: „Sie liefern neue Impulse in das Unternehmen.“

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