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"Pferdeleute sind betriebsblind"

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Von: Jutta Rippegather

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Das Hessische Landgestüt Dillenburg ist das einzige Landgestüt in Hessen.
Das Hessische Landgestüt Dillenburg ist das einzige Landgestüt in Hessen. © Andreas Arnold

Das Landgestüt Dillenburg steht vor dem Aus. In der Kritik stehen nicht nur die hohen Defizite, sondern auch die nicht artgerechte Tierhaltung.

Für Maximilian Pick ist die Schließung des Landgestüts Dillenburg der richtige Weg. „Ein Pferd ist nicht nur ein Sportgerät“, sagt der Tierarzt, Sachverständige und Pferdeexperte. Auch aus einer anderen Ecke bekommt Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) Unterstützung. Der Betrieb eines Gestüts gehöre nicht zu den Kernaufgabe des Staates, meint der Bund der Steuerzahler Hessen. „Die Defizite sehen wir äußerst kritisch“, sagt Sprecher Moritz Venner auf Anfrage: „Wir haben in der Vergangenheit mehrfach Effizienzsteigerungen oder eine Privatisierung gefordert“. Doch vor Ort bleibt der Widerstand groß.

Am Donnerstag kamen die Stadtverordneten zu einer Sondersitzung zusammen. Einziger Tagespunkt: Verabschiedung einer Resolution an das Land. Damit möglichst viele Menschen daran teilnehmen konnten, wurde die Sitzung auf eine Leinwand in den Biergarten des Hofgartens übertragen. Zu sehen war sie außerdem als Livestream im Internet.

Scharfe Kritik an Pferdehaltung 

Die Schließungs-Ankündigung vor knapp einem Monat hat bundesweites Aufsehen erregt. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung hat jetzt ein Gutachten in Auftrag gegeben. Der Dillenburger CDU-Bürgermeister und Landgestüt-Vorsitzende Michael Lotz setzt große Hoffnung darauf, dass der touristische Anziehungspunkt damit doch noch gerettet werden kann. „Wir werden das Ergebnis sachkundig bewerten“, versichert Ministeriumssprecher Mischa Brüssel de Laskay. Aber es gebe viele Gerichtsurteile wonach die Tiere dringend Auslauf benötigten.

Maximilian Pick kennt Fälle, in denen Halter zu hohen Geldstrafen verurteilt wurden: „Die meisten Pferdeleute sind betriebsblind geworden“, sagt der Autor eines Buchs über artgerechte Haltung. „Die denken es reicht aus, wenn sie einmal am Tag in der Halle ihre Runden drehen.“ Ein Pferd habe großen Bewegungsdrang. „Die Weide ist ein Grundrecht“, sagt Pick, der im bayrischen Icking selbst einen Reiterhof betreibt.

Als der Fachtierarzt von dem Konflikt in Hessen las, hat er sich hingesetzt und einen Brief an Ministerin Hinz geschrieben. Das Schreiben liegt der FR vor. „Ihre Entscheidung zur Schließung des Landgestüts Dillenburg ist richtig“, teil er ihr mit. „Jede Pferdehaltung gleichgültig, ob privat oder staatlich, muss sich nach den gesetzlichen Vorgaben richten.“

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