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Die Evangelische Akademie auf dem Frankfurter Römerberg wurde gerade runderneuert und soll die Präsenz der Kirche in der Großstadt steigern. An anderer Stelle aber muss gespart werden. Andreas Arnold

Kirche

Pfarrhäuser in Hessen zu verkaufen

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Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau steuert auf einen massiven Sparkurs zu. Bis 2030 soll sich der Gebäudebestand halbieren.

Einhundert Millionen Euro jährlich will die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) bis zum Jahr 2030 weniger ausgeben. Eine stark rückläufige Zahl von Mitglieder macht dies nötig. Dafür sollen unter anderem Pfarrstellen abgebaut und zahlreiche Gebäude verkauft werden. Selbst Kirchen sind nicht sakrosant. Und auch Kitas könnten betroffen sein.

Zurzeit nimmt die EKHN, die (noch) rund 1,5 Millionen Mitglieder hat, 530 Millionen Euro an Kirchensteuern ein. Finanzdezernent Heinz Thomas Striegler rechnete am Freitag vor, dass damit rund 55 Millionen Euro fehlen, um alle Kosten zu decken – eingerechnet die Altersversorgung beispielsweise der Pfarrer. Bis zum Jahr 2030 werde sich die Lücke auf 100 Millionen Euro vergrößern, wenn nicht gespart werde. Bereits in den Jahren 2021 bis 2023 müssten die Ausgaben um 16 bis 25 Millionen Euro jährlich verringert werden. „Das geht nicht mit einfachem Nachjustieren der Stellschrauben“, so Striegler.

Zur Disposition stehen mehrere Tagungshäuser, Pfarrhäuser und auch Kirchen. In einer Vorlage der Kirchenleitung an die Synode, die gerade in Frankfurt tagt, wird als Ziel die Halbierung des Gebäude- und Flächenbestands bis 2030 genannt. So sollen bis zu 300 Pfarrhäuser abgegeben werden. Unsicher ist auch die Zukunft des Bibelhauses in Frankfurt, über das die Synode am heutigen Samstag abstimmen will.

Außerdem stellt die EKHN die Sanierung und den Um- oder Neubau von Kindertagesstätten infrage. Deren Unterhaltung solle möglicherweise an die Kommunen abgegeben werden. Wo genau in den nächsten Jahren gespart wird, steht allerdings noch nicht fest. Auch darüber wird in der EKHN weiter beraten. Greifbare Ergebnisse soll es im Herbst 2020 geben.

Ziel des Sparkurses sei es, sich Spielräume zur Gestaltung zu erhalten, sagte der Präses der Synode, Ulrich Oelschläger. Kirchenpräsident Volker Jung nannte drei wesentliche Bereiche, in denen die EKHN investieren müsse.

Gebäude, die im Bestand der Kirche bleiben sollen, müssten energetisch saniert werden. Insgesamt beziffert die EKHN den Sanierungs- und Investitionsstau bei Immobilien auf 100 Millionen Euro. Personal und Geld würden außerdem benötigt, um die Digitalisierung voranzutreiben. Außerdem will Jung die Kommunikation mit den Mitglieder deutlich verbessern. Eine Studie hatte der Kirche einen Mitgliederschwund um 50 Prozent bis zum Jahr 2060 prognostiziert.

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