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Schlüsselübergabe für das Gallileo-Hochhaus im Jahr 2003: Fritz Novotny (2. v. l.) neben Petra Roth und Gerhard Schröder.

Fritz Novotny

Der Moderne verpflichtet

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Der Architekt Fritz Novotny ist im Alter von 89 Jahren gestorben. Mit Arthur Mähner hatte er 1959 in Offenbach das gleichnamige Büro gegründet und viele Erfolge gefeiert.

Fritz Novotny ist tot. Der renommierte Architekt hat nicht nur das Aussehen Offenbachs mit der Feuerwache, dem Klinikhochhaus aus dem Jahr 1974, dem City-Tower und dem Omega-Haus am Kaiserleikreisel maßgeblich mitgeprägt. Er hat auch auch die Frankfurter Skyline mit eigenwilligen Bauten wie dem Turm der Helaba, dem Gallileo-Wolkenkratzer oder dem Trianon bereichert. Es sei kein Gnadenakt der Frankfurter, einen Offenbacher bei sich bauen zu lassen, hatte Oberbürgermeisterin Petra Roth einst angemerkt.

Der Architekt, der als Lehrbeauftragter an der Gesamthochschule Kassel und als Honorarprofessor tätig war und drei Jahre die Bundesarchitektenkammer leitete, ist bereits am 17. Dezember 2018 im Alter von 89 Jahren gestorben. Dies war einer Traueranzeige der Familie vom vergangenen Samstag zu entnehmen. Man habe im engsten Familien- und Freundeskreis Abschied genommen, heißt es darin. Novotny war 1929 im böhmischen Leitmeritz geboren worden und mit der Familie nach dem Krieg nach Hessen übergesiedelt. In Darmstadt studierte er von 1948 an gemeinsam mit dem ebenfalls aus Böhmen stammenden Arthur Mähner an der Staatsbauschule und anschließend an der Technischen Hochschule.

1959 eröffneten Novotny und Mähner, die eine lebenslange Freundschaft verband, in Offenbach das gleichnamige Büro, das zeitweise bis zu 250 Mitarbeiter beschäftigte und damit zu den größten Planungsgesellschaften von Architekten in Deutschland gehörte. Wer mit Bauen zu tun hatte, kannte das Büro, das zahlreiche Projekte im In- und Ausland realisierte. Die Zunahme an Aufträgen führte 1973 zur Assoziierung mit anderen Architekten.

Der Erfolg hatte sich früh abgezeichnet. Schon in den 1960er Jahren wurden von rund 100 Wettbewerbsentwürfen allein 70 mit Preisen oder Ankäufen ausgezeichnet. Novotny fühlte sich, ob beim Bau von Schulen, Krankenhäusern oder Bürotürmen, der Moderne verpflichtet. Seine Vorbilder waren Le Corbusier und Mies van der Rohe.

1969 entschlossen sich Novotny und Mähner, im Zentrum Offenbachs das N+M-Haus zu bauen, das auch Platz für die weitere Unternehmensentwicklung bieten sollte. Ihren Initialen verdankt es seinen Namen. 2015 wurde das Gebäude als „bedeutendes Zeugnis der Epoche“ (gemeint war die Orientierung am Beton-Brutalismus) unter Denkmalschutz gestellt.

2004 musste das Büro Insolvenz anmelden. Als Grund wurden die Wirtschaftslage, mangelndes Controlling der Bauvorhaben und die schlechte Zahlungsmoral der Auftraggeber genannt. Der Geschäftsbetrieb ging weiter, 2009 kam es zur Fusion mit ATP, Österreichs größtem Architekten- und Ingenieurbüro. 2007 gründete Novotny sein eigenes Büro, später arbeitete er mit Partner Nikolaus Bader weiter in „seinem“ N+M-Haus.

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