Die Stangenpyramide bei Dreieich
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Die Stangenpyramide bei Dreieich

Radeln in der Region

Unterwegs zu Pyramiden und Pflanzentunneln

FR-Redakteur Alexander Kraft hat auf seinem Tourenrad die ganze Region kreuz und quer durchstreift und viele spannende Ziele gefunden. Die und die passenden Wege dorthin hat er in sein neuestes Buch mit 33 Radtouren im Rhein-Main-Gebiet gepackt – eine davon stellen wir vor.

Tour 21: Im Bann der Dreieich – zum Gut Neuhof

Diese kleine Runde im alten Wildbann der Dreieich verkörpert fast schon idealtypisch die Idee des Regionalpark Rhein-Main. Von Neu-Isenburg geht es schnell hinaus ins Grüne, den Hegwald. Einen ersten Stopp lohnt die Villenkolonie Buchschlag, bevor ein uriger Pfad entlang der Dreieicher Ringlandwehr führt. Langen lässt der Radler rechts liegen, um gleich in den lichten Hainer Wald zu gelangen. Auf Höhe der Sühnekreuze biegt die Route nach Norden und nähert sich schnell Dreieichenhain – die herausgeputzte Altstadt samt Burg ist eine Augenweide.

Danach wartet mit der Stangenpyramide ein dramatisch inszeniertes Stück Landschaftskunst auf die Radler, bevor Gut Neuhof zu stilvoller Rast einlädt. Durch die Reste des einst riesigen Dreieich-Waldes, immer wieder stimmungsvoll unterbrochen von Freiflächen wie der Seibertswiese, gelangt man zurück nach Isenburg. Bansapark, der alte Kern der Hugenottenstadt und der Waldspielpark Tannenwald markieren den Schlusspunkt.

Besichtigungsstopps

Ringlandwehr Dreieich und Pflanzentunnel Landwehren begegnen einem häufig in Rhein-Main – aber ob Sachsenhäuser, Bornheimer oder Dreieicher: In der Regel wundert sich der heutige Mensch über den Begriff. Doch beim Ring um Dreieich wird die Sache klarer und Geschichte fassbar. Städte hatten es seit jeher einfach: Um sich zu schützen, errichteten die Bewohner eine Mauer. Aber so etwas auf viele Kilometer in Feld und Wald bauen? Das konnten nur die Römer mit dem Limes. Die Herrscher im Mittelalter sicherten ihre Territorien durch eine Mischung aus künstlichem und natürlichem Hindernis. Das bestand aus einem oder mehreren Gräben sowie einem Wall, bepflanzt mit einer undurchdringlichen, stacheligen Hecke. Die Dreieicher Landwehr ist seit 1348 bezeugt; sie umfriedete Dreieichenhain, Götzenhain, Langen, Offenthal und Sprendlingen. Bis ins 16. Jahrhundert wurde sie unterhalten, danach machten die aufkommenden Feuerwaffen diese Art der Verteidigung zunehmend nutzlos. Eine Ahnung, wie bitterbös zu durchdringen solche Dornröschenhecken waren, erhält der Interessierte, wenn er bei 12,6 km den Abstecher zum Pflanzentunnel, einem Schlehengebüsch, unternimmt.

Altstadt Dreieichenhain So ein geschlossenes Ortsbild wie dieses ist selten in der Region. Entsprechend stolz vermarktet es die Stadt und kann bei Burgfestspielen und Märkten nicht über mangelnde Besucher klagen. Und doch: Die vielen mittelalterlichen Fachwerkhäuser, die komplett erhaltene Stadtmauer sowie die imposante Burg mögen mächtig etwas hermachen – verglichen mit dem, wofür der Ort einst stand, ist das wenig. Im Namen klingt es an, es geht um den Wildbann Dreieich. In so einem Wildbannforst besaß nur der Kaiser Jagdrecht, und der Wildbann der Dreieich war gigantisch. Er reichte von Rüsselsheim bis Aschaffenburg, von Vilbel bis zur Neunkircher Höhe im Odenwald! Um 950 wurde ein königlicher Jagdhof errichtet, im 11. Jahrhundert setzten sich die Herren von Hagen mit einer Turmburg, der Burg Hayn, dort fest. Durch geschickte Politik erwarben sie sich als von Hagen-Münzenberg (s.S. ....) die Gunst der Krone und mit dem Amt des Reichskämmerers einen hohen Posten. In der Dreieich wuchs neben der Burg eine Siedlung, die 1256 erstmals als Stadt erwähnt wird. Der 1080 auf einer Insel im Hengstbach erbaute Wohnturm besaß fünf Stockwerke. Das Untergeschoss wies 2,80 m dicke Mauern auf bei einer Fläche von 12,50 x 13,20 m. Von diesem ältesten Teil steht heute noch ein 22 m hohes Stück; es gilt als einer besterhaltenen Profanbauten der Salierzeit in Deutschland.

Stangenpyramide Dieses bizarre Stück Landschaftsgestaltung ist auf dem besten Wege, zum Inbegriff dessen zu werden, was den Regionalpark eines Tages auszeichnen könnte. Die Fakten: 456 verleimte Rundhölzer auf einer Fläche von rund 600 qm bilden ein begehbares Kunstwerk. Platziert an einem Ort, der schon früher ein Aussichtspunkt war, konzentriert die längs durch die Skulptur verlaufende Sichtachse den Blick auf Messeturm und Taunus. Im Grunde genommen ist es ein sinnfreies Ding, das die Neu-Isenburger Landschaftsarchitekten Ipach und Dreisbusch da erschaffen haben – und genau das ist der Witz! Die im Götzenhainer Gewann "Auf der Hub" errichtete Skulptur vereint spielerisch die Region: die kraftvolle Metropole, umgeben von erstaunlich viel Grün, kunstsinnig, aber stets mit einem Ziel. Sollte man da noch erwähnen, dass im Rücken des Betrachters die Antennenanlage der Deutschen Flugsicherung steht und oben drüber die Flieger rauschen?

Die Hugenottenstadt Neu-Isenburg wurde am 24. Juli 1699 gegründet durch protestantische Glaubensflüchtlinge. Wie so viele ihrer Leidensgenossen aus Frankreich geflohen, fand diese Gruppe bei Graf Johann Philipp von Isenburg-Offenbach eine neue Heimat. Ihm zu Ehren wurde der Ortsname ausgesucht. Siedlungsland wies er ihnen an der Stelle zu, wo im Mittelalter die Wallfahrtskapelle Zum Heiligen Kreuz im Dreieichwald stand. Der quadratische Grundriss der Stadt mit dem Markt im Zentrum war typisch für die Planstädte des 17. und 18. Jahrhunderts

Streckencharakter

Die Tour verläuft auf gut zu fahrenden Forststraßen und in den Orten auf Radwegen oder ruhigen Nebenstraßen. Lediglich ein Stück an der Dreieicher Landwehr kommt als schmaler Naturpfad daher. Wenige, mäßig hohe Hügel sind zu erklimmen. Auch die Beschilderung (mit vielen Erläuterungen) macht es leicht: Die Route bleibt praktisch komplett auf Wegen des Regionalparks.

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