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Kai Klose im Hessischen Landtag

Gesundheitsspolitik

Perspektive der hessischen Patienten im Visier

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Der neue Sozial-Minister Klose will Versorgung der Kinder verbessern. Den Kliniken verspricht er mehr Geld.

Die hessische Koalition will die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung künftig mit einem anderen Blick gestalten: „Wir wollen aus der Perspektive der Patienten denken“, sagt Kai Klose am Mittwoch im Rhein-Main-Congress-Center in Wiesbaden. Es ist die erste Rede des neuen Grünen Sozialministers zur Gesundheitspolitik. Im Saal sitzt ein kritisches Publikum. Gastgeber ist der Verein Klinikverbund Hessen, der die rund 150 kommunalen Krankenhäuser vertritt, die die Hälfte aller Patienten im Land versorgt. Die mit Fachkräftemangel in allen Gesundheitsberufen kämpfen, mit großen Finanzierungslücken und ausuferndem „Prüfungwahnsinn“ des Medizinischen Dienstes der Krankenkasse, so Steffen Gramminger von der Hessischen Krankenhausgesellschaft. Statt mit Patienten sei das Personal tagelang mit Bürokratie beschäftigt.

Klose umreißt die großen Vorhaben. Da ist der Perspektivwechsel bei der Therapie: „Wir wollen rausfinden, was der Patient individuell fühlt und welchen Zustand er am Ende erreichen will.“ Der stärkere Fokus solle auf „Hilfe zur Selbsthilfe“ liegen. Eigentlich, sagt er, führe er ein „echtes Lebensministerium von der Geburt bis zum Tod“. Bei den Jüngsten will er die ersten gesundheitspolitischen Akzente seiner Amtszeit setzen. Mit einem „Runden Tisch zur Hebammenhilfe“. Und einer Offensive für eine bessere Versorgung. „Überall muss es Zugang zu einem Kinderarzt geben“, sagt er. Und: „Viele Kinderkliniken sind am Limit, vor allem im Intensivbereich“. Die zweite Patientengruppe sind die chronisch Kranken an. Ziel ist hier eine „vernetzte und sektorenübergreifende“ Versorgung, die die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzt.

Lobby für Patienten

Die Grenzen zwischen ambulant und stationär sollen auch bei der Notfallversorgung fallen. Die Koalitionäre wollen, dass das Modellprojekt am Klinikum Frankfurt-Höchst flächendeckend in Hessen eingeführt wird. Patienten kommen an eine Anmeldung und werden je nach Schweregrad in die Klinik geschickt, oder zu einem Kassenarzt. Was die Klinikvertreter aber besonders gern hören ist, dass die Investitionsförderungen „deutlich erhöht“ werden. Zum Schluss kündigt Klose einen „Patientensicherheitsbeauftragten“ für jede Klinik an. Noch in diesem Jahr soll das passieren.

Nicht alle Ideen stoßen auf Begeisterung. Manche auch auf Skepsis, etwa bei den Kommunen. Die wollen nicht, dass sie am Ende für die höheren Investitionsförderungen zur Kasse gebeten werden müssen. Der Marburger Oberbürgermeister Thomas Spies (SPD) drängt im Namen der Kommunalen Spitzenverbände auch darauf, dass bei der Finanzierung darauf geachtet wird, dass Krankenhäuser nicht nur für den Normalbetrieb gerüstet sein müssen. Die Grippewelle im vergangenen Jahr habe gezeigt, wie schnell es zu Kapazitätsengpässen kommen könne.

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