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Personalmangel: Angespannte Lage an Schulen in Hessen

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Von: Georg Leppert, Meike Kolodziejczyk

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Regulären Unterricht abzuhalten, wird an vielen Schulen zunehmend schwierig.
Regulären Unterricht abzuhalten, wird an vielen Schulen zunehmend schwierig. © dpa

Viele Lehrkräfte und Kinder sind krank. Mancherorts feiert das Homeschooling ein Comeback.

Kavita ist genervt. Seit Montag hockt sie vormittags zu Hause an ihrem Schreibtisch und ackert sich durch einen Stapel Arbeitsmaterialien für Mathe, Deutsch und Sachkunde. Die Neunjährige ist weder in Quarantäne, noch hat sie irgendwelche Krankheitssymptome. Trotzdem erlebt die Viertklässlerin in dieser Woche die Rückkehr des Homeschoolings.

Weit mehr als ein Drittel der Schülerinnen und Schüler von Kavitas Grundschule im Taunus ist malad – und ein ungefähr genauso großer Anteil des Kollegiums. Am Samstagnachmittag schlugen die Lehrerinnen und Lehrer Alarm. Die Schule werde gerade „von einer Krankheitswelle überrollt“, schrieb die Direktorin in einer Nachricht, die eilends via E-Mail und über Whatsapp-Gruppen verbreitet wurde. Ein „nicht unerheblicher Teil“ der Fälle gehe dabei auf das Konto von Corona. Doch leider sind derzeit auch allerhand andere Viren und Keime unterwegs.

Um überhaupt noch Unterricht abhalten zu können, müssten Klassen zusammengelegt und ein „Notprogramm“ gefahren werden. Wenn möglich, sollten Eltern ihre Kinder doch bitte zu Hause betreuen. „Das wäre uns eine große Hilfe.“

Recht undramatisch schildert ein Sprecher des hessischen Kultusministeriums die Lage. Ja, es gebe krankheitsbedingte Ausfälle von Lehrkräften, sagt ein Sprecher auf FR-Anfrage. Allerdings unterscheide sich die Situation nicht wesentlich von den Zuständen im Spätherbst der vergangenen Jahre. Die Zahl der Corona-Infektionen liege bei Schüler:innen und Lehrer:innen auf niedrigem Niveau und sei außerdem rückläufig.

GEW: mehr Lehrkräfte

Homeschooling sei in Hessen nicht vorgesehen. Auch die Schule im Taunus ist nicht geschlossen, sondern bittet die Eltern lediglich, ihre Kinder daheim zu lassen. Das Kultusministerium räumt aber ein, dass es gerade an kleineren Grundschulen Probleme geben könne, wenn vier oder fünf Lehrkräfte ausfielen. Im Notfall dürften die Schulämter Lehrerinnen und Lehrer kurzfristig an Schulen versetzen, an denen Personal fehle.

Die GEW-Vorsitzende Maike Finnern verweist auf Anfrage der Frankfurter Rundschau auf die ohnehin bestehende Unterversorgung mit Lehrkräften an vielen Schulen. Bei der aktuellen Krankheitswelle sei dann vielerorts der Unterricht gefährdet.

Die GEW hat deshalb ein 15-Punkte-Programm gegen den Lehrkräftemangel aufgestellt. Darin fordert die Gewerkschaft etwa, Lehrerinnen und Lehrer nach der Tarifstufe A13 (Beamt:innen) oder E13 (Angestellte) zu bezahlen. Die Zahl der Studienplätze solle erhöht werden, zudem fordert die GEW eine bessere Ausstattung von Schulen gerade in schwieriger Umgebung.

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