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Niedergelassene Ärzt:innen und ihr Personal sollen früher gegen Corona geimpft werden.
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Niedergelassene Ärzt:innen und ihr Personal sollen früher gegen Corona geimpft werden.

Corona-Impfung

Kinderarzt in Hessen starb an Corona: Landesregierung will niedergelassene Ärzteschaft früher impfen

  • Jutta Rippegather
    VonJutta Rippegather
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Die Landesregierung in Hessen will die Priorisierung bei der Corona-Impfung korrigieren. Personal in hessischen Arztpraxen soll bald geimpft werden.

Wiesbaden – Die niedergelassene Ärzteschaft in Hessen erhält voraussichtlich für die nächsten Tage ein Impfangebot. Und auch ihr medizinisches Fachpersonal. Wie die Frankfurter Rundschau erfuhr, soll diese Gruppe auf der Prioritätenliste nach oben rutschen. Das hessische Sozialministerium bestätigte am Freitag (19.02.2021) auf Anfrage Gespräche dazu.

Der Druck auf die Landesregierung ist schon seit Wochen groß – und nahm nach dem Tod des Odenwälder Kinderarztes noch zu. Vor knapp zwei Wochen war der 62 Jahre alte Rainer Trumpfheller an den Folgen einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Angesteckt hatte er sich mutmaßlich im ärztlichen Bereitschaftsdienst.

Corona-Impfung in Hessen: Niedergelassene Ärzte haben keine höchste Priorität

Aktuell werden in Hessen jene Menschen geimpft, die zu der Gruppe mit der höchsten Priorität zählen. Das sind über 80-Jährige, Bewohner:innen und Personal der Alten- und Pflegeheime und jener Klinikabteilungen, die täglich mit dem Virus in Kontakt kommen. Die Belegschaft ambulanter Pflegedienste und der Rettungsdienste fällt ebenfalls in diese Kategorie. Nicht aber die niedergelassenen Ärzte. Es sei denn, sie beträten regelmäßig Einrichtungen der stationären Pflege, um dort Bewohner:innen zu versorgen, lautet die Auskunft aus dem Sozialministerium. Eine Regelung, die laut Hausärzteverband Hessen unterschiedlich interpretiert wird. Selbst wer in Heimen tätig sei, dem werde mancherorts eine Impfung verweigert, teilte der Verband mit.

Umgekehrt sind der FR Fälle bekannt, in denen Ärzte einen zeitnahen Termin erhielten, die überhaupt nicht in den Heimen verkehren, darunter auch Zahnärzte. Der Landkreis Fulda wollte Hausärztinnen und Hausärzte pauschal höchstpriorisiert impfen lassen. Ende Januar pfiff ihn das hessische Innenministerium zurück. „Dies ist nach der Coronavirus-Impfverordnung des Bundes leider nicht möglich“, teilte die dort angesiedelte Taskforce Impfkoordination mit.

Flickenteppich bei Corona-Impfungen in Hessen: Organisation in Städten uneinheitlich

Entstanden ist dieser Flickenteppich nach Ansicht von Experten dadurch, dass das Land die Organisation und Verantwortung für die Impfzentren den Landkreisen und kreisfreien Städten übertragen hat. Hessen liefert den Impfstoff und das notwendige medizinische Material. Die für die Zentren Zuständigen bestimmen, wer berechtigt ist. Nach Auskunft des Innenministeriums entscheiden sie auch darüber, wer die überzähligen Dosen erhält.

Dass es dabei zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein soll, sorgt bei den Niedergelassenen für zusätzlichen Verdruss. Der FR liegt ein Brief an Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) vor, in dem Vertreter des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte und des PädNetzes Südhessen ihrem Ärger Luft machen: Der Kollege Trumpfheller sei gestorben, obwohl Impfstoff zur Verfügung stehe, schreiben sie. „Wir fühlen uns von Seiten der Politik im Stich gelassen, da sich offensichtlich niemand in den höchsten Entscheidungsebenen darum bemüht, uns als unmittelbar exponierte Ärzte und die uns assistierenden medizinischen Fachangestellten adäquat zu schützen.“

Corona-Impfung: Nicht überall gleiche Prioritätensetzung wie in Hessen

Der hessische Hausärzteverband weist darauf hin, dass Niedersachsen und Bayern andere Prioritäten setzten. Mehr als 95 Prozent der gesamten medizinischen Kontakte fänden im niedergelassenen Bereich statt, das Gros bei den Hausärzt:innen. „Hier werden Patienten mit unkontrollierter Infektionslage auf eine Covid-Infektion regelmäßig untersucht und behandelt.“ Auch von der Opposition im Landtag hagelte es Kritik.

Dass nun Bewegung in das Thema gekommen ist, könnte auch damit zusammenhängen, dass plötzlich mehr Impfdosen als erwartet zur Verfügung stehen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung geht davon aus, dass spätestens Anfang März die Arztpraxen beim Impfen einspringen müssen. Das funktioniert wohl nur, wenn dessen Personal selbst geimpft ist. (Jutta Rippegather)

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