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Seit 1996 endet die Straßenbahnlinie 16 aus Frankfurt ziemlich unpraktisch an der Offenbacher Stadtgrenze.

Verkehr

Pendeln zwischen Frankfurt und Offenbach verbessern

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  • Fabian Scheuermann
    Fabian Scheuermann
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Viele pendeln aus Stadt und Kreis Offenbach nach Frankfurt. Damit mehr von ihnen Bahn statt Auto fahren, wird über eine Tram von Frankfurt in die Offenbacher Innenstadt und einen Schienenring diskutiert

Frankfurt ist, gemessen an der Einwohnerzahl, die deutsche Pendlerhauptstadt. 387 500 Beschäftigte fahren nach Angaben der Arbeitsagentur täglich zur Arbeit nach Frankfurt. Das sorgt in der Rushhour für Probleme: volle Bahnen, verstopfte Straßen, lange Parkplatzsuche, hohe Schadstoffwerte.

Die meisten Einpendler kommen aus dem Kreis Offenbach. 38 420 Beschäftigte fahren täglich nach Frankfurt. Die meisten mit dem eigenen Auto.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) will, dass mehr Pendler auf Tram und S-Bahn umsteigen. Der öffentliche Nahverkehr sollte ausgebaut werden, fordert die regionale Gruppe. „Wir brauchen ein attraktives Nahverkehrsnetz, das die Kommunen im Umland direkt, also ohne Umweg über Frankfurt verbindet“, sagte Henning Kühl von der Offenbacher Gruppe des VCD.

Als Möglichkeit biete sich eine Osttangente an – als Straßenbahn von Neu-Isenburg über den Hauptbahnhof in Offenbach bis nach Bad Vilbel. Haltestellen in Fechenheim und Bad Vilbel würden diese Osttangente mit der nordmainischen S-Bahn und der S6 verbinden.

Der S-Bahn-Tunnel durch Frankfurt ist mit 24 Zügen pro Stunde nämlich am Limit. Laut Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) fahren täglich 50 000 Menschen mit der S-Bahn zwischen Offenbach und Frankfurt. „Die erfreulich wachsende Fahrgastnachfrage und die zu erwartenden weiteren Steigerungen erfordern weitere Überlegungen zum Ausbau des ÖPNV“, sagte RMV-Sprecherin Vanessa Rehermann.

Neue Strecken sollen die Kapazitäten der S-Bahn erhöhen.

Ein Schienenring rund um Frankfurt, der neben der Regionaltangente West auch die Südtangente und die Osttangente umfasse, sei im Interesse des RMV. Ein solcher Ring würde den Frankfurter Hauptbahnhof entlasten und schnelle Verbindungen zwischen Frankfurter Flughafen und Offenbach ermöglichen.

Das Verkehrsprojekt mit dem stärksten Rückenwind ist derzeit die Verlängerung der Straßenbahnlinie 16 von Frankfurt nach Offenbach. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) hat eine Machbarkeitsstudie angestoßen und würde davon die Hälfte finanzieren. Die andere Hälfte sollen sich die Städte Frankfurt und Offenbach teilen.

Die Studie soll untersuchen, wie sich die Tramlinie 16 über die Haltestelle Offenbach Stadtgrenze hinaus verlängern lässt. Die Stadt Frankfurt stellt sich vor, die Linie 16 zum Marktplatz nach Offenbach fahren zu lassen – wohin sie bis 1996 fuhr – und als Ringbahn weiter über die Carl-Ulrich-Brücke nach Fechenheim zu führen.

Aus Sicht des RMV käme eine Anbindung des Offenbacher Hauptbahnhofs infrage, um den Offenbacher Hauptbahnhof als regionalen Verkehrsknoten zu stärken und den Südbahnhof in Frankfurt sowie die S-Bahn-Strecke zu entlasten.

Auch die Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft Traffiq sieht Bedarf für den Ausbau des ÖPNV. Täglich würden 1300 Fahrgäste an der Haltestelle Stadtgrenze Offenbach aussteigen, sagte Sprecherin Nora Pullmann. Dort halten die Linien 15 und 16. Eine Verlängerung der Tramlinie würde aller Voraussicht nach mehr Fahrgäste anziehen. Genaues soll die Studie ermitteln.

Für all diese Projekte ist in der Stadt Offenbach politische Unterstützung da. Mobilitätsdezernentin Sabine Groß (Grüne) betonte, dass die Verkehrsinfrastruktur der Stadt durch das schnelle Bevölkerungswachstum an ihre Grenzen gerate und ausgebaut werden müsse.

Zwar seien die Busverkehre in Offenbach zuletzt um ein Drittel ausgebaut worden, was zu engeren Takten und späteren Fahrten abends geführt habe. Doch nehme auch der Autoverkehr zu: Zwischen 2015 und 2019 seien in Offenbach 4475 Autos zusätzlich angemeldet worden, rechnet Groß vor. Zudem pendelten verhältnismäßig viele Menschen in die Stadt hinein und wieder hinaus.

Daher sei es in Offenbach weitgehend Konsens, dass die Stadt zusätzliche Schienenanbindungen brauche. Die Verlängerung der Tram von Frankfurt nach Offenbach – etwa zum Hauptbahnhof oder zum Hafen – und gegebenenfalls durch Offenbach hindurch bis nach Fechenheim sei „sehr wichtig“, sagte die Mobilitätsdezernentin.

Wie die Streckenführung genau aussehen werde, soll in einer Studie geklärt werden, die Groß zufolge „zeitnah“ beauftragt werden soll. Details wolle Groß noch mit dem Frankfurter Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling (SPD) besprechen. Ein „Knackpunkt“ bei den Varianten sei die Frage, ob die Carl-Ulrich-Brücke, die die Offenbacher Innenstadt mit Fechenheim verbindet, die Last eines Ausbaus samt Schienen und Straßenbahnen tragen könne.

Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) hofft, dass die „Ringschluss“-Variante von Oberrad über Offenbach nach Fechenheim „mit Weitblick und vielen Varianten“ geprüft werde. Vor allem einen Schienenanschluss des Hafengebietes hält er für wichtig.

Mit der nun auf dem Weg befindlichen Vereinbarung zu einer Studie werde „erstmals nicht nur über das Projekt geredet, sondern der erste Schritt Richtung Umsetzung getan“, freute sich Dezernentin Groß.

Auch zum Thema Südtangente – einer Direktverbindung von Hanau über den Offenbacher Hauptbahnhof durch den Süden Frankfurts zum Frankfurter Flughafen und darüber hinaus – stehe sie in Gesprächen mit Akteuren wie der Bahn, der IHK und dem Kreis Offenbach.

Eine weitere Schienenverbindung nach Frankfurt habe durch die hohe Auslastung des S-Bahn-Tunnels „für die gesamte Region Bedeutung“, sagte Groß. Ähnlich sieht das Schwenke, der die Tangente als eine „S-Bahn von Aschaffenburg bis Mainz“ umschreibt und sich eine Direktanbindung an das Terminal 1 des Flughafens wünscht – nicht eine Variante zum Terminal 3, die ebenfalls im Gespräch ist. Auch hier ist bei den Streckenvarianten noch alles offen.

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