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Ida Kerkovius, fotografiert 1960, von Marta Hoepffner.

Ida Kerkovius

Zauberin der Farbe

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Großteils aus Privatbesitz stammen die farbenprächtigen Gemälde von Ida Kerkovius, die das Stadtmuseum Hofheim in einer Sonderausstellung zeigt.

Die Farbe ist mir angeboren, hat mir niemals eine Schwierigkeit gemacht“, bekannte Ida Kerkovius 1964 in einem Zeitungsinterview und umriss damit wohl sehr treffend, was das Wesen ihrer Kunst ausmacht: Überbordende Farbenpracht, die Emotionen weckt, und den Betrachter unmittelbar in ihren Bann zieht.

Das Stadtmuseum Hofheim zeigt jetzt eine Sonderausstellung mit 80 Arbeiten der Künstlerin, die, 1879 in Riga geboren, den größten Teil ihres Lebens in Stuttgart verbrachte. Am Bauhaus in Weimar hatte Ida Kerkovius in den 1920er Jahren studiert. Sie erlernte die Kunst des Webens und eignete sich die Kunstlehren von Johannes Itten, Wassily Kandinsky und Paul Klee an. Später war sie Meisterschülerin von Adolf Hölzel an der Stuttgarter Akademie und gehörte bald zur Avantgarde der deutschen Kunstszene.

Einem Künstlerkreis wollte sich die kleine Frau mit den blauen, wachen Augen dabei niemals anschließen, bekannte sich auch zu keiner bestimmten Kunstrichtung. „Ich bin immer bestrebt, wie am Anfang meiner Entwicklung den Gefühlen, die in mir leben, Gestalt, Qualität und Ausdruck zu verleihen“, schrieb sie 1949.

Die Ausstellung, die in Hofheim zu sehen ist, hat das städtische Museum Engen im Landkreis Konstanz zusammengestellt. Sie vereinigt Gemälde von Ida Kerkovius aus vier Jahrzehnten, die größtenteils private Leihgeber zur Verfügung gestellt haben. Einige der farbenprächtigen Bilder haben dicke, goldene Rahmen, die nicht unbedingt museal wirken, aber in den privaten Wohnzimmern wohl ihre Wirkung entfalten.

Das Stadtmuseum Hofheim lässt die Bilder von Ida Kerkovius in speziell aufeinander abgestimmten Konstellationen miteinander in Dialog treten. „Wir wollten so die große Bandbreite des künstlerischen Schaffens von Ida Kerkovius zeigen, ihre unterschiedlichen Herangehensweisen an Themen im Laufe der Jahrzehnte, die keinem bestimmten zeitlichen Plan folgen“, sagt Museumsleiterin Eva Scheid. Gegenständliche Motive und abstrakte Kompositionen stehen in der Ausstellung nebeneinander. Der offene Werkcharakter von Kerkovius wird so deutlich.

Thema ist auch ihr undogmatisches Kunstverständnis, das ihr unter Kritikern den Ruf einer „naiven“ Malerin eintrug, die vor allem der weiblichen Intuition folge. Beispiele ihrer „Kinderkunst“ werden ebenso gezeigt wie Stillleben, Zirkusbilder und farb-intensive Reisepastelle vom Lago Maggiore, aus der Bretagne und aus Riga.

Aus dem Bestand des Hofheimer Stadtmuseums stammt ein Porträt der Künstlerin Hanna Bekker vom Rath sowie eine Ansicht aus dem Garten ihres „Blauen Hauses“. Dort war Ida Kerkovius häufig zu Gast, denn mit Hanna Bekker vom Rath verband sie eine lebenslange Freundschaft. Die Frankfurter Mäzenin, die in Hofheim wohnte und Künstlern eine Bleibe und Ateliers zur Verfügung stellte, hatte in den Kriegswintern 1915 bis 1918 privaten Mal- und Zeichenunterricht bei Ida Kerkovius in Stuttgart genommen. Später förderte sie ihre Freundin und sammelte deren Bilder. Die beiden Frauen gingen gemeinsam auf Reisen, hatten einen regen Briefwechsel. „Ich denke so oft an Sie und die lieben Hofheimer“, schrieb Ida Kerkovius 1928 an Hanna Bekker vom Rath und zeichnete den Brief mit „Ihre Kerkovi“. Das Blatt ist ebenso in einer Vitrine im Stadtmuseum ausgestellt wie Fotografien aus den 1960er Jahren, die die beiden Frauen beim Tischtennisspiel zeigen. Präsentiert wird in der Ausstellung auch eine Fernsehdokumentation über „Die Malerin Ida Kerkovius“ aus dem Jahr 1966. Der SWR hat sie während einer Reise der Künstlerin nach Venedig gedreht.

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