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Zugeparkt: Die Wiesenstraße im Frankfurter Stadtteil Bornheim.

Park(ing) Day in Frankfurt

Was ein Parkplatz in Frankfurt wert ist

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Beim Park(ing) Day in Frankfurt und weiteren deutschen Städten geht es um die Flächengerechtigkeit in der Stadt.

Das klingt zunächst wie ein großer Spaß. Für einen Tag im Jahr, dem Park(ing) Day im September, machen es sich Menschen in Frankfurt und mehr als 30 weiteren deutschen Städten auf Parkplätzen gemütlich – die Autos müssen weiterfahren.

Die Teilnehmer stellen derweil Liegestühle auf, picknicken, lesen – und informieren interessierte Passanten und genervte Parkplatzsucher über die Aktion. Auch am heutigen Samstag von 10 bis 17 Uhr auf der Töngesgasse in der Frankfurter Innenstadt.

Der Aktionstag hat aber auch seinen Ernst. „Deutschland behandelt seinen öffentlichen Raum wie Ramsch“, sagt Burkhard Stork, der Bundesgeschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Die Autos – 46 Millionen in Deutschland, 425 000 in Frankfurt – parkten „fast überall kostenfrei oder zu Spottpreisen“, sagt er. Bei immer dichter werdenden Städten und steigenden Wohnkosten sei das doch „eine Sünde“. „Öffentlicher Raum ist mehr wert“, sagt Burkhard Stork.

Was ist der öffentliche Raum in Form eines Parkplatzes denn wert? Frage an das Amt für Straßenbau und Erschließung in Frankfurt. Zunächst der Wert in Form der Kosten. Rund 1700 Euro koste der Bau eines Längsparkplatzes wie auf der Töngesgasse; rund 1800 Euro koste ein Schrägparkplatz wie auf der Bornheimer Landstraße, sagt die Amtsleiterin Michaela Kraft. Rund elf Quadratmeter sei ein Längsparkplatz groß, ein Schrägparkplatz sei einen Quadratmeter größer. Die Kosten für den Unterhalt lägen bei 4,60 Euro – im Jahr. 4,60 Euro, das hört sich nicht nach viel Geld an.

Der Berliner Thinktank Agora Verkehrswende geht von einer anderen Summe aus. Für bewirtschaftete Parkplätze, wie sie flächendeckend in der Frankfurter Innenstadt und in weiteren Stadtteilen zu finden sind, kämen zusätzlich zu den Baukosten noch Kosten für die Überwachung und Ahndung von Regelverstößen dazu, außerdem für die Planung und Regulierung des Parkraums sowie für die Entwässerung, Reinigung und Beleuchtung. Die Kosten für einen bewirtschafteten Parkraum in Berlin belaufen sich demnach auf rund 220 Euro im Jahr, heißt es im Faktenblatt „Umparken – den öffentlichen Raum gerechter verteilen“ (2018) von Agora Verkehrswende. Zahlen für Frankfurt werden nicht genannt.

„Die Autofahrer müssen sich stärker an den Kosten für den ruhenden und den fließenden Verkehr beteiligen“, fordert Heiko Nickel, der Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) in Hessen. „Wenn ich mir eine Tischtennisplatte kaufe, gehe ich auch nicht davon aus, dass die Stadt mir einen Raum bereit- stellt, wo ich sie kostenlos abstellen kann – aber Autofahrer gehen ganz selbstverständlich davon aus, wenn sie ein Auto erwerben.“

In Frankfurt sind laut Ordnungsamt rund 425 000 Autos gemeldet. Die meisten parken kostenlos am Straßenrand oder auf privatem Grund. In zahlreichen Stadtteilen, welche die Innenstadt als Ring umgeben, gibt es das Bewohnerparken: Ein Bewohnerparkausweis kostet 50 Euro für zwei Jahre, das sind 25 Euro im Jahr, also 7 Cent pro Tag. Teurer ist es am Fahrscheinautomat und im Parkhaus – dort kostet Parken jeweils bis zu drei Euro pro Stunde.

„Wir machen es dem Auto zu leicht, Unmengen öffentlichen Raums quasi gratis zu besetzen“, sagt Burkhard Stork vom ADFC. Mit einer Ausweitung der Parkgebühren, der sogenannten Parkraumbewirtschaftung, ließen sich Einnahmen und Platz für den Nah- und Radverkehr schaffen. „Das brauchen wir, sonst ist der Verkehrskollaps nicht zu vermeiden.“

Auch das Verwaltungsgericht Wiesbaden hatte in seinem mündlichen Urteil zum Dieselfahrverbot in Frankfurt vorgegeben, dass die Bewirtschaftung des Parkraums in der Stadt ausgeweitet werden soll. Gegen das Urteil will das Land Hessen Rechtsmittel einlegen.

Rund 80 Prozent des öffentlichen Raumes in Frankfurt würden von Straßen und Parkplätzen dominiert, sagt Heiko Nickel vom VCD Hessen. „Natürlich ist das nicht gerecht.“ Der ruhende Verkehr verursache Kosten für Bau und Unterhalt; der fließende Verkehr, vor allem Lastwagen, schädige die Straßen, so dass sie für viel Geld erneuert werden müssten. Nickel fordert neben der stärkeren Bewirtschaftung des Parkraums auch dessen Verknappung – der frei werdende Platz soll Fußgängern und Radfahrern, Aufenthaltsflächen und Nahverkehr zugute kommen. „Es tut Autofahrern natürlich ein bisschen weh, den kostenlosen Parkplatz vor der eigenen Haustür zu verlieren. Aber die Stadt gewinnt dadurch auch unglaublich viel.“

„Wenn weniger Autos in der Stadt parken, ist viel mehr Leben auf den Straßen. Die Stadt blüht auf“, sagt Nickel, und verweist auf das blühende Leben in Barcelona, London, Amsterdam. „Die Städte sind nicht für die Autos da, die Städte sind für die Menschen da.“

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