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Sorgen bereitet den Ärzten die Versorgung der Patienten mit Parkinson oder Epilepsie.

Gesundheit

Parkinson-Patienten in Hessen ohne Arznei

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Lieferprobleme auch bei Antidepressiva und Epilepsie-Mittel. Ärzte fordern die Politik zum Handeln auf.

Der Patient war verzweifelt. Drei Apotheken in Frankfurt hatte er schon abgeklappert, keine konnte ihm das Antidepressivum verkaufen, das er dringend benötigt. Dass ihm die Hadrian-Apotheke helfen konnte, war reines Glück. In einer ihrer Filialen war noch eine einzige Packung des Venlafaxin-Generikums aufzutreiben. Das sei aber definitiv die letzte gewesen, sagt Inhaberin Jelena Radtke. „Den nächsten Kunden müssen wir wegschicken.“

Die Alternative wäre ein Ersatzmittel. Doch dafür müssen Betroffene tief in die Tasche greifen; knapp 156 Euro beträgt die Zuzahlung auf das Produkt des Originalherstellers. Knapp 156 Euro statt den üblichen fünf Euro Rezeptgebühr pro Quartal. Das ist kein Pappenstiel.

Engpässe
Laut Apothekerverbandhat sich die Zahl der nicht verfügbaren Rabattarzneien in Deutschland in den vergangenen drei Jahren fast verdoppelt. Jedes 50. Mittel sei von Lieferengpässen betroffen.

BundesgesundheitsministerJens Spahn (CDU) hatte jüngst ein stärkeres Vorgehen gegen Lieferengpässe bei Arzneimitteln angekündigt. 

Das Antidepressivum Venlafaxin ist nur ein Beispiel für ein generelles Problem. „Wiederholt ist es in den letzten Monaten zu Lieferengpässen für wichtige psychiatrische Medikamente gekommen“, teilt der Berufsverband der Neurologen und Psychiater Hessen mit. Die Politik müsse die medikamentöse Behandlung der Bevölkerung endlich sichern. Für deutlich teurere Originalpräparate könnten niedergelassene Ärzte in Regress genommen werden. Oder die Patienten müssten den Aufpreis zu der festgelegten Summe, die die Kassen für ein Präparat mit einem bestimmten Wirkstoff zahlen, selbst tragen. Im Einzelfall könnten das pro Quartal mehrere Hundert Euro sei. „Hierdurch werden emotional beeinträchtigte Patienten unnötig verunsichert.“

Sorgen bereitet den Ärzten auch die Versorgung der Patienten mit Parkinson oder Epilepsie. Bei Lamotrigin-Generika gebe es derzeit massive Lieferengpässe, Betroffene müssten auf ein Präparat eines anderen Herstellers umgestellt werden. „Dieses birgt die Gefahr des Auftretens von epileptischen Anfällen aufgrund möglicher unterschiedlicher Bioverfügbarkeiten.“ Der Gemeinsame Bundesausschuss habe das Präparat deshalb auf die Liste jener Mittel gesetzt, die generell nicht gegen ein wirkstoffgleiches Produkt ausgetauscht werden dürfen. „Dies geschieht derzeit aber dennoch – zum Teil ohne Rücksprache mit dem Verordner.“

Auch hier müssten Patienten für lieferbare Alternativprodukte deutlich höhere Zuzahlungen leisten. Für Parkinsonpatienten schließlich gebe es überhaupt keinen Ersatz für Opicapon, das ebenfalls von Lieferausfällen betroffen ist. „Hierdurch kommt es in der Regel zur Verschlechterung der Symptome bis hin zu vermehrten Stürzen und gegebenenfalls stationären Behandlungen.“

Klaus Lang-Heinrich bestätigt die Probleme. „Die Ursachen sind vielschichtig“, sagt der 62-Jährige, der als Vertretung in verschiedenen Apotheken im Rhein-Main-Gebiet arbeitet. Die Globalisierung führe dazu, dass die Produktion sich auf wenige Betriebsstätten konzentriere - meist in China und Indien. Wenn dann eine Fabrik stillstehe, fehle in der ganzen Welt der Nachschub.

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