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Eine Arbeitsplattform hängt an einem der Pfeiler der Salzbachtalbrücke.

Wiesbaden

Panne bei Brückenbau bringt Pendlern neue Engstelle

Kleine Löcher an der falschen Stelle haben an einer Autobahnbrücke bei Wiesbaden erhebliche Folgen: Die Zahl der Fahrspuren muss aus Sicherheitsgründen nochmal reduziert werden. Es drohen kilometerlange Staus.

Ein Nadelöhr im Autobahnnetz des Rhein-Main-Gebiets wird noch enger: Autofahrer müssen sich an der Salzbachtalbrücke der A66 bei Wiesbaden auf längerfristige erhebliche Verkehrsprobleme einstellen. Kontrollen hatten ergeben, dass wegen eines Baufehlers die Tragfähigkeit der Brücke in Mitleidenschaft gezogen wurde. Der Abteilungsleiter Bau der Straßenbehörde Hessen Mobil, Heiko Durth, sagte am Dienstag, nun werde der Schaden genau analysiert und wenn möglich behoben. Es sei unklar, wie lange dies dauert.

Hessen Mobil reduzierte nun aus Sicherheitsgründen die Zahl der Fahrstreifen über die Brücke von drei auf zwei. Dies sorgte im Berufsverkehr am Dienstagmorgen für kilometerlange Staus. Wegen Bauarbeiten ist es schon seit längerem eng auf der Brücke: Es gab eine Spur in jede Richtung, der dritte Streifen wurde wechselseitig geöffnet. Bereits diese Regelung hatte regelmäßig Verkehrsprobleme verursacht.

Die marode Salzbachtalbrücke soll vom Frühjahr 2019 an neu gebaut werden. Bei den Vorbereitungen montierte eine Firma eine Transportschiene falsch und beschädigte dadurch das Bauwerk, wie Hessen Mobil erklärte. „Wir können eine akute Gefährdung für die Verkehrsteilnehmer ausschließen“, betonte Durth. Es gebe aber Bedenken, was die dauerhaften Belastungen angeht. Daher sei eine der drei bisherigen Fahrspuren vorsorglich gesperrt worden.

Jede Stunde fahren rund 3000 bis 3600 Fahrzeuge pro Richtung über die Brücke, wie der Abteilungsleiter Verkehr bei Hessen Mobil, Torsten Bertram, erklärte. Es gebe weiträumige Umleitungsempfehlungen über die A671 bis zum Mainspitzdreieck bei Bischofsheim (Kreis Groß-Gerau), die A60 (Mainzer Ring) und die Schiersteiner Autobahnbrücke (A643). Der Schwerverkehr soll dauerhaft an der Salzbachtalbrücke vorbeigeleitet werden.

Nach den Worten von Durth passierte der Baufehler bei Standardarbeiten, als Löcher mit einem Durchmesser von 18 Millimetern in den Beton gebohrt werden mussten. Dabei seien Spannglieder aus Stahl an- oder durchgebohrt worden. Nach einer ersten Schätzung seien maximal 30 Prozent der Spannglieder betroffen, erklärte der Experte. Üblicherweise werde vor der Bohrung an solch sensiblen Stellen der Stahl mittels Radar im Beton lokalisiert und anschließend dokumentiert, damit die Spannglieder von den bis zu 30 Zentimeter tiefen Bohrlöchern nicht beschädigt wurden.

Als die Baufirma diesen Nachweis nicht erbrachte, habe Hessen Mobil ein Loch genauer kontrolliert und den Schaden entdeckt. Die Aufsicht über die ursprünglichen Bauarbeiten sei an ein externes Büro übertragen gewesen, sagte Durth.

Nur wenige Kilometer von der Salzbachtalbrücke entfernt rollt der Verkehr über die Schiersteiner Brücke zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz. Auch hier hatte es bei den Arbeiten für den Neubau eine Panne gegeben - mit erheblichen Folgen. Im Februar 2015 war dort ein Pfeiler abgesackt, was zu einer Sperrung der Rheinüberquerung zwischen Mainz und Wiesbaden sowie zu einem wochenlangen Verkehrschaos führte.

Die Stadt Wiesbaden forderte Hessen Mobil auf, für eine „schnellstmögliche Entwicklung und wirksame Umsetzung eines weiträumigen Umleitungskonzeptes für den Autobahnverkehr“ zu sorgen. „Es kann nicht sein und führt zum Verkehrskollaps in Wiesbaden, wenn sich Fernverkehr von den Autobahnen in der Not Umfahrungen des Staus auf der A66 durch das Wiesbadener Stadtgebiet sucht.“

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