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Wasserspaß: Rund 242 Kilometer misst die Lahn. Die schönsten Abschnitte des Flusses sollte man sich im Kanu erwandern.

Ferien zu Hause

Paddeln auf der Lahn: Neues hinter jeder Kurve

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Beim Wasserwandern auf der Lahn entdecken Paddler die Natur aus einer anderen Perspektive – mancher findet auch Muskeln, die er vorher nicht kannte. Wer zu viel schwitzt, springt einfach in den Fluss.

Die ersten Paddelschläge des Tages sind die schönsten. Ganz bewusst und gemächlich tauchen wir am Morgen des zweiten Tages unserer knapp dreitägigen Kanutour die Stechpaddel in das bräunlich schimmernde Wasser der Lahn. Es ist noch nicht zu heiß an diesem Hochsommertag, und die Arme sind noch ausgeruht. Wir sind die Einzigen auf dem Wasser, Stille um uns herum. Mit jedem Zug gleiten wir ein Stück weiter in unbekanntes Land.

Mein Neffe Luke sitzt vorne im Kanadier. „Ich mache kleine Tornados“, sagt der Zwölfjährige, während er mit seinem Paddel bei jedem neuen Einstich das Wasser aufwirbelt. Regelmäßig schaut er auf einen laminierten Plan, auf dem zentrale Wegmarken der Strecke verzeichnet sind wie etwa die Schleusen. Ein kleines Spiel ist es für ihn, die Markierungen am Flussufer zu entdecken, die nach jedem halben und vollen erpaddelten Kilometer hinter grünem Gestrüpp auftauchen und an denen wir uns orientieren können.

Ein Graureiher im Schilf.

Die Uhrzeit dagegen ist schon länger in den Hintergrund getreten, dafür anderes wichtiger geworden. Hinter jeder Kurve wartet Neues. Schließlich zählt der gesamte Uferbereich der Lahn zum Auenschutzgebiet. Seien es Eisvögel, Fische oder ein Graureiher, der uns mit krächzenden Lauten begrüßt und eine Weile vor uns herfliegt. Oder eine Entenmutter mit ihren drei Jungen, die uns bei einer Rast begegnet und die wohl mehr an unserem Proviant als an uns interessiert ist.

Alles, was wir dabeihaben, ist in wasserdichten Säcken im offenen Kanu verstaut, auch das Zelt, in dem wir an diesem Morgen in Weilburg auf dem Campingplatz aufgewacht sind. Am Vortag waren wir mit unseren Rädern in der Bahn nach Solms, südlich von Wetzlar, gereist, um dort unser Paddelabenteuer zu starten. Die wichtigste Frage, die Luke bei hochsommerlichen Temperaturen interessiert hatte: „Kann man in der Lahn schwimmen?“ Julien Kruse vom Kanuverleiher Lahn-Tours, der uns die Ausrüstung stellt, hatte geantwortet: „Fast überall.“ Nur in zu seichtem Wasser, das wir unterwegs aufgrund des trockenen Sommers des Öfteren sehen sollten, sowie an Stellen mit zu starken Strömungen ginge es nicht, hatte Kruse berichtet, der uns eine Einleitung und Sicherheitshinweise mit auf den Weg gegeben hatte. „Drei Tage wird das Kanu euer Zuhause sein“, hatte er gesagt. An Luke gewandt, hatte sein Kollege Thiemo Walter gescherzt: „Guck öfter mal, ob hinten auch gepaddelt wird.“

Paddeln auf der Lahn

Die Lahn misst von ihrer Quelle im Rothaargebirge bis zur Mündung in den Rhein bei Koblenz 242 Kilometer. Rund zwei Drittel des Flussverlaufs können im Kanu zurückgelegt werden.

Die erstmögliche Einstiegsstelle ist im Weimarer Stadtteil Roth, südlich von Marburg. Davor ist das Flüsschen zu flach. Hinter Limburg erreicht die Lahn dann eine Wassertiefe von etwa einem halben Meter bis zu sieben Meter.

Bundesschifffahrtsstraße ist die Lahn auch davor schon, sodass ähnlich der Straßenverkehrsordnung Rechtsfahrgebot für alle Bootsführer, auch für Kanuten, gilt. Viel Verkehr herrscht aber eher selten. Nur an Schleusen kann sich der Schiffsverkehr stauen.

Rund 20 Kanuverleiher bieten je nach Alter und Geschmack der Paddler Touren von einigen Stunden bis zu mehreren Tagen an. Auch für Kinder ab drei Jahren gibt es Angebote. Weil im Boot schnell Langeweile aufkommen kann, sollten Touren mit jüngeren Kindern jedoch nicht länger als wenige Stunden dauern. Ab acht bis zehn Jahren bieten sich auch längere Tripps an.

Besonders zu empfehlen sind Wasserschuhe aus Neopren, mit denen Groß und Klein sicheren Fußes ein- und aussteigen können. Schwimmwesten, Paddel, wasserdichte Säcke und Tonnen werden vom Verleiher gestellt.

Mehr Infos zum Wasserwandern gibt es unter www.daslahntal.de/ wasserwandern. cd

In der Tat kristalliert sich auf der Lahn heraus, dass ich nicht nur paddle, sondern vor allem mit Kurskorrekturen beschäftigt bin, indem ich das Paddel etwas gegen die Fahrtrichtung drücke. Zu Beginn haben wir beiden Paddelanfänger noch etwas Schwierigkeiten, einen gleichmäßigen Takt zu finden. Das legt sich aber.

Lange können wir bei der Hitze nicht bis zur ersten Schwimmpause warten. Also das Kanu kurz an einem Stein angeleint und ab ins Wasser. Herrlich frisch ist die Lahn, bei einer Temperatur von etwa 20 Grad – vor allem dank der Strömung. Das ist neu für Luke. Im Meer ist er schon geschwommen. Aber eine Flussströmung ist doch etwas ganz anderes: ein großer Spaß. Später, wieder im Kanu, tauchen wir ab und zu unsere Hüte ins Wasser und setzen sie uns zur Abkühlung wieder auf die Köpfe. So haben wir buchstäblich den „nasse’ Hut uff“, wie’s auf Hessisch heißt.

Von einem durchschnittlichen Paddeltempo von drei bis vier Kilometern pro Stunde hatte Julien Kruse gesprochen und uns empfohlen, Schleusen im Schlepptau anderer Kanuten zu durchfahren und von ihnen bedienen zu lassen. Wer es – wie wir – noch nie gemacht hat, dürfte sich mitunter zunächst etwas überfordert fühlen, trotz Bedienungsanleitung. Unglücklicherweise sind am Abend, als wir die erste Schleuse unserer Reise erreichen, nirgendwo Kanuten zu sehen. Ein freundlicher Stand-up-Paddler aus der Umgebung schleust uns hindurch. Und auch durch den Weilburger Schiffstunnel, ein Überbleibsel aus Zeiten des Erzabbaus, leitet uns nach unseren erfolglosen Versuchen ein Einheimischer. Dann ist endlich der Zeltplatz in Sicht und das Tagesziel erreicht. Das waren genug Abenteuer für heute.

Am zweiten Tag erleben wir einen Kontrast – Stau an den weiteren drei Schleusen. Mit mehr als einem Dutzend Kanus warten wir auf die Durchfahrt. Beim dritten Schiffshebewerk, kurz vor dem Tagesziel bei Runkel, wagen wir uns selbst – mit Unterstützung einer Familie aus Berlin – an die Schleusentore, um sie selbstständig zu öffnen. Kurz noch zum abendlichen Abkühlen mit unseren neuen Berliner Freunden von der Strömung durch die Lahn direkt am Campingplatz vorbeitreiben lassen, und der dritte Tag auf der Lahn kann kommen.

Am Nachmittag des letzten Tages erreichen wir müde, aber glücklich nach etwas mehr als 50 gepaddelten Kilometern unser Ziel unter einer Autobahnbrücke bei Limburg. Nach einer entspannten Etappe geben wir Boote und Ausrüstung zurück und schwingen uns auf unsere mitgebrachten Fahrräder – natürlich nicht, ohne uns ein letztes Mal in der Lahn zu erfrischen.

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