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Ostermarsch Frankfurt: Mit Musik, Pinsel und guter Laune

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Von: Oliver Teutsch

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Meri Asryan will am Ostermontag in Frankfurt demonstrieren. peter jülich
Meri Asryan will am Ostermontag in Frankfurt demonstrieren. peter jülich © Peter Jülich

Meri Asryan nimmt mit dem DGB-Jugendblock am Ostermarsch teil und will dabei lautstark sein.

Mit welcher Losung unter dem Kinn Meri Asryan am Ostermontag durch Frankfurt zieht, weiß sie noch nicht. Erst am Karfreitag wird sich der Nachwuchs der Gewerkschaftsjugend zusammensetzen und sich einen flotten Spruch überlegen, der dann auf ein Banner gepinselt werden soll. „Irgendetwas, das catchy ist“, hofft die 24-Jährige mit ihren Mitstreiterinnen zu finden.

Dass Asryan mal bei der Gewerkschaftsjugend landen würde, hätte sie vor einigen Jahren wohl selbst nicht gedacht. Als Zweijährige kam sie mit ihrer Mutter aus Armenien nach Deutschland, zunächst nach Gera, dann nach Erfurt. Für ihr Studium der Politik zog sie nach Frankfurt und hat beim Anblick des gediegenen Campus Westend schwer gestaunt. „In meiner Familie hat vorher niemand studiert und ich fand das sehr luxuriös.“ Für ihr Studium hatte sie sich bei der Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) um ein Stipendium beworben. Nicht, weil sie mit Gewerkschaften bis dahin viel anfangen konnte, sondern weil sie die Themen Chancengleichheit und Mitbestimmung besonders ansprachen. „Von zu Hause aus habe ich in der Schule wenig Unterstützung erfahren, Zugang zu Büchern oder Nachhilfe hat es nicht gegeben“, erinnert sich Asryan.

Von ihrer Mutter bekam sie aber mit auf den Weg, sich dankbar zu zeigen für den Schutz und die Sicherheit, die sie nach ihrer Ankunft in Deutschland erfuhren. „Ehrenamtliches Engagement ist für mich ein Weg, etwas zurückzugeben.“ Das tat Asryan schon von klein auf: als Klassensprecherin, als Streitschlichterin im Schülerrat oder auch nach der Schule mit einem freiwilligen sozialen Jahr in der Gedenkstätte Buchenwald. Bei so viel Engagement war es nicht verwunderlich, dass sie das Stipendium der Stiftung bekommen hat. Die Arbeit in der Gewerkschaftsjugend war dabei für sie deutlich mehr als nur Mittel zum Zweck. „Wir sind eine sehr heterogene Gruppe und ich habe mich dort sehr viel wohler gefühlt als an der Uni. Die Gewerkschaftsarbeit ist für mich wie ein Zufluchtsort.“

Daher ist es nicht verwunderlich, dass Asryan ihre Arbeit in der Gewerkschaft fortgesetzt hat, obwohl sie ihr Politik-Studium bereits mit einem Bachelor abgeschlossen hat. Beim Vorstand der IG Metall hat sie im Ressort Migration und Teilhabe ein längeres Praktikum absolviert und unterstützt die dortige Arbeit derzeit auch noch als studentische Hilfskraft. In der Bezirksjugend von Verdi ist sie im Vorstand und hilft regelmäßig bei der Organisation von Podiumsdiskussionen oder in der Jugendbildungsarbeit. „Ich mache immer irgendwas, das Nein-Sagen fällt mir schwer, das muss ich noch lernen“, gesteht die 24-Jährige gutgelaunt.

Im Winter will sie mit einem Masterstudiengang Wirtschaftssoziologie beginnen, auch wieder in Frankfurt, wo sie sich längst heimisch fühlt. „Ich empfinde die Stadt als sehr schön“, sagt die Deutsch-Armenierin. Das liege nicht zuletzt daran, dass sie hier ganz entspannt ist, kaum auffällt, anders als in Erfurt, wo sie die vielen Blicke stören. Gerade hat sie mit einer Freundin zusammen eine neue Wohnung im Norden der Stadt gefunden.

Am Freitag freut sich Meli Asryan schon auf die „Zelebration“ der Vorbereitung für den Ostermarsch. Mit Musik, Pinseln und guter Laune. Es ist nicht ihr erster Ostermarsch am Montag, aber in diesem Jahr sei der Gedanke daran aufgrund der aktuellen Ereignisse viel präsenter. „Es ist diesmal eine bewusstere Entscheidung, weil ich meine Solidarität mit der ukrainischen Zivilbevölkerung zum Ausdruck bringen will.“ Mit welcher Losung der Jugendblock der Gewerkschaft von Bockenheim Richtung Römerberg ziehen wird, weiß Asryan zwar noch nicht. „Wir sind aber auf alle Fälle lautstark“, verspricht sie.

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