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Nun geht es um den Schutz der Bienenvölker. renate Hoyer

Tiere

Ortenberg: Wenn Königinnen in den Käfig müssen

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Bei mehreren Bienenvölkern  ist die Amerikanische Faulbrut aufgetreten. Nun werden aufwändige Stocksanierungen nötig.

In verschiedenen Gebieten in Hessen ist die so genannte Amerikanische Faulbrut aufgetreten. Jüngst berichtete der Wetteraukreis, dass bei acht Imkern im Bereich von Ortenberg-Gelnhaar (Wetterau) die meldepflichtige Bienenseuche festgestellt worden ist. Zum Schutz anderer Bienenvölker wurde um die betroffenen Stöcke eine Sperrzone von einen Kilometer ausgesprochen. Das Bieneninstitut Kirchhain im Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen in Kassel geht davon aus, dass die infizierten Völker noch gerettet werden können.

Das, was das Bakterium Paenibacillus larvae von der Larven in der verschlossenen Wabe zurück lässt, ist nichts weiter als in Klümpchen brauner Schleim. Eine solche Wabenzelle kann in diesem Stadium mehr als zwei Milliarden der für die Brut tödlichen Sporen enthalten. Der auch als Bienenpest bekannte Befall trägt so nicht nur zum sicheren Aussterben eines Volkes bei, sondern auch von anderen im Umkreis, durch das Einschleppen des Bakteriums etwa über den Futterhonig in Waben durch räuberische Bienen - mit erheblichen Folgen für den Imker und die Natur.

Laut Christian Dreher, Fachberater am Bieneninstitut, ist die bösartige Faulbrut bislang in Kassel (Stadt und Kreis), im Kreis Hersfeld-Rotenburg, im Rhein-Taunus-Kreis und in der Wetterau aufgetreten. „Es handelt sich um keine Einzelfälle, die Krankheit ist seit mehr als 50 Jahren bekannt“, so Dreher. Das Bakterium, das im Darm der Larve auskeimt, sei sehr resistent.

Die nur für die Bienenbrut gefährlichen Sporen existieren weltweit, die Angabe „amerikanisch“, steht lediglich für den Entdeckungsort. Die Verbreitung der Endsporen kann deshalb bereits beim Naschen der Biene am belasteten Honigglas auf dem Frühstückstisch oder im Altglascontainer ihren Anfang nehmen.

Bienenpest

Die Amerikanische Faulbrut ist in Deutschland anzeigepflichtig.

Sporen des Bakteriums keimen im Darm der Larve aus, die dabei zersetzt wird.

Knochenleimartiger Geruch beim Öffnen der „Beute“ kann ein Indiz für einen Befall sein.

Ein Sperrbezirk von mindestens einen Kilometer Radius ist bei einem Befall zwingend.

Zum Bienenschutz sollten Honiggläser vor der Entsorgung ausgespült werden. sun

Der Befall ist bei der regulären Probenuntersuchung in Kirchhain festgestellt worden, berichtet Herbert Gottschalk, Vorsitzender des Imkervereins Gedern-Burgbracht, zu dessen Gebiet auch Ortenberg-Gelnhaar gehört. Imker, die mit ihren Völkern andere Standorte aufsuchen, müssen zuvor eine Gesundheitszeugnis einholen.

Bei neun Völkern sei die Faulbrut festgestellt worden, sagt Gottschalk. In Summe gehe es um knapp 300 000 Bienen. Dem adulten Insekt könne das Bakterium nichts anhaben. Dennoch lässt sich laut Gottschalk das Problem nur in den Griff bekommen, „wenn das Volk saniert oder vernichtet wird“.

In Kirchhain geht man derzeit davon aus, dass das Veterinäramt des Wetteraukreises letzteres nicht verlassen wird. „Diese Maßnahme wird meist ergriffen, wenn ein Volk bereits stark geschwächt ist“, sagt Dreher. Die Rettung soll mit dem in den 90er-Jahren entwickelten Kunstschwarmverfahren erfolgen. „Die Bienen werden in ‚Kellerhaft‘ über Tage ausgehungert, damit sie alle Sporen im Darm ausscheiden“, erläutert Dreher. Zuvor werden aus dem Stock alle Honigwaben entfernt und verbrannt sowie die Königin in einen Käfig gesperrt. Nach einer festgeschrieben Desinfektion der Bienenunterkunft kann mit dem Neuanfang begonnen werden. Betroffene Imker gehen dann in diesem Jahr meist leer bei der Honigernte aus, heißt es. Die Kosten übernimmt die Tierseuchenkasse.

„Die Krankheit trifft nur die Honigbiene“, sagt Dreher. Für die Wildbiene, die als Solitär lebe, bedeutet das Bakterium keine Gefahr, ebenso für andere nektarsammelnde Insekten. Auch für den Menschen stellen Faulbrutsporen im Honig keine Gefahr dar - zumindest nicht direkt. „Anders als in Deutschland wird im Ausland schnell Antibiotika zur Bekämpfung der Faulbrut eingesetzt, in den USA etwa im Frühjahr oft prophylaktisch“, sagt Dreher. Geschätzt mehr als die Hälfte der weltgrößten Honigexporteure, dazu sollen USA, Südamerika und China zählen, würden so statt der aufwändigen Volksanierung verfahren.

Laut Dreher ist es ein Scheinsieg über die Bienenpest. Das Antibiotikum tötet die Bakterien nur in ihrer aktiven Wachstumsphase, zerstört aber nicht die reaktivierungsfähigen Sporen. Auch ist fraglich, was vom Antibiotikaeinsatz beim Honigkonsumenten ankommt. Vor 20 Jahren stellten Schweizer Gesundheitsbehörden Rückstände im Bienenerzeugnis fest. Seit 2017 darf in die EU nur noch Honig verkauft werden, der getestet Antibiotika-frei ist.

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