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Orkantief Ylenia fegt über Hessen

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Von: Oliver Teutsch

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Lkw und Anhänger blieben auf der A5 maximal unglücklich liegen. Foto: Patrick Sitte/5vision.Media/dpa
Lkw und Anhänger blieben auf der A5 maximal unglücklich liegen. © dpa

Lkw blockiert stundenlang A5. Beratungsstelle des Kinderschutzbund Frankfurt beschädigt.

Das Orkantief Ylenia hat am Donnerstag in vielen Teilen Hessens Behinderungen verursacht. Am stärksten blies der Sturm laut Deutschem Wetterdienst (DWD) auf der Wasserkuppe in der Rhön, wo in der Nacht zum Donnerstag Orkanböen von bis zu 121 Kilometer pro Stunde gemessen wurden. Die Auswirkungen des Sturms waren andernorts aber viel größer.

Auf der A5 zwischen Bad Homburger Kreuz und Friedberg war am Morgen gegen fünf Uhr ein Lastwagen mit Anhänger von einer Sturmböe umgeweht worden. Der Anhänger hatte laut eines Polizeisprechers Styroporplatten geladen und war damit wohl zu leicht für Orkantief Ylenia. Der 40 Jahre alte Fahrer aus dem Raum Wetzlar erlitt nur leichte Verletzungen, doch die Auswirkungen des Unfalls behinderten den morgendlichen Berufsverkehr in Richtung Frankfurt enorm. Der umgestürzte Lastwagen samt Anhänger blockierte die kompletten Fahrspuren Richtung Frankfurt. Der Verkehr staute sich bis zu zwölf Kilometer zurück, auch die Umleitungsstrecken waren überlastet. Als der vorsorglich ins Krankenhaus gebrachte Fahrer schon wieder entlassen war, standen Hunderte Menschen in ihren Autos noch immer im Stau. Kurz vor 13 Uhr waren die Bergungsarbeiten schließlich abgeschlossen, der Stau löste sich aber erst am Nachmittag auf.

Auch andernorts hielt der Sturm die Rettungskräfte auf Trab. In Südhessen blockierten bei Ober-Ramstadt (Landkreis Darmstadt-Dieburg) und Astheim (Landkreis Groß-Gerau) abgeknickte Bäume die Straßen. In der Nähe von Rüsselsheim fuhr nach Polizeiangaben ein Lastwagen in einen auf einer Kreisstraße liegenden Baum.

Wegen eines umgestürzten Baums wurde die Bahnstrecke zwischen Dreieich-Buchschlag und Langen (Landkreis Offenbach) gesperrt. Betroffen davon waren unter anderem die S-Bahn-Linien 3 und 4. Es kam den Angaben zufolge zu Verspätungen und Teilausfällen, ein Busnotverkehr wurde eingerichtet. Auch zwischen Langgöns (Landkreis Gießen) und Butzbach (Wetteraukreis) musste mit Verspätungen und Teilausfällen gerechnet werden, teilte die Bahn mit.

Das Polizeipräsidium Wiesbaden sprach von gut zwei Dutzend Einsätzen im Raum Limburg und Weilburg, im Hochtaunuskreis sowie im Rheingau-Taunus-Kreis. In drei Fällen seien Bäume auf Autos gestürzt.

Bei der Leitstelle des Polizeipräsidiums Mittelhessen in Gießen gingen rund 30 Notrufe ein. In Dillenburg stürzte ein Baum auf das Dach eines Hauses. Auf der Bundesstraße 49 zertrümmerte ein umherfliegendes Baustellenschild die Seitenscheibe eines fahrenden Autos. Auf der B255 zwischen Driedorf und Herborn rammte ein Autofahrer einen auf der Straße liegenden Baum.

In Münchhausen nördlich von Marburg fiel der Strom aus, nachdem ein Baum auf eine Oberleitung gestürzt war. In Gladenbach im Kreis Marburg-Biedenkopf stieß ein Lastwagen gegen eine umgewehte Ampel. Im Werra-Meißner-Kreis fuhr ein 61 Jahre alter Autofahrer gegen einen umgestürzten Baum. In Eschwege wurde ein Anhänger durch die Luft gewirbelt. Von einem Haus fielen Ziegel herab, an einem anderen knickte der Schornstein um.

In Frankfurt waren die Auswirkungen vergleichsweise glimpflich. Ein Feuerwehrsprecher berichtete zwar von mehr als 30 Einsätzen wegen des Sturms, es sei aber „nichts Dramatisches“ dabei gewesen. Das sieht Stefan Schäfer, Geschäftsführer des Kinderschutzbunds Frankfurts, ein bisschen anders. In den frühen Morgenstunden war eine alte Eiche im Günthersburgpark auf die Geschäftsstelle des Kinderschutzbundes in der Orangerie gefallen. Verletzt wurde niemand, aber der Baum beschädigte die Gaube des Gebäudes und machte die Beratungsräume der Hilfseinrichtung bis auf weiteres unbenutzbar. „Die Sanierungsarbeiten werden sich über ein paar Wochen hinziehen“, fürchtet Schäfer.

Die Feuerwehr erteilte ein Betretungsverbot für das Gebäude und sperrte das Gelände ab. Die weitere Arbeit oblag dann dem Grünflächenamt. Das rückte zunächst mit zu kleinem Gerät für eine Bergung an. Auch eine weitere Eiche in unmittelbarer Umgebung muss wegen Sturmschäden gefällt werden.

Glimpflicher ging es da im Frankfurter Palmengarten zu. Es habe lediglich ein paar Astbrüche gegeben, sagte Sprecher Sebastian Klimek. Der Palmengarten bliebe aber „aus reinen Sicherheitsgründen“ auch am Freitag noch für die Öffentlichkeit gesperrt, ebenso wie der Zoo.

Nachdem sich der Sturm im Laufe des Donnerstags abschwächte, kündigte der Sprecher des DWD Felix Dietzsch für Freitag schon das nächste Sturmtief an. Dieses werde seinen Höhepunkt in Hessen am späten Freitag erreichen, aber schneller wieder abziehen als Orkantief Ylenia. mit dpa

Eine alte Eiche ist auf die Räumlichkeiten des Kinderschutzbunds Frankfurt gestürzt. Foto: Monika Müller
Eine alte Eiche ist auf die Räumlichkeiten des Kinderschutzbunds Frankfurt gestürzt. © Monika Müller
FViel zu tun hatte, wer auf Brücken einen Regenschirm beherrschen wollte. Foto: Monika Müller
FViel zu tun hatte, wer auf Brücken einen Regenschirm beherrschen wollte. © Monika Müller

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