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Im Chor des Collegium Musicum singen Studierende und Mitarbeiter der Uni Frankfurt.

Goethe-Universität

"Das Oratorium schlechthin"

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Der Kammerchor des Collegium Musicum der Universität Frankfurt führt zusammen mit der Rheinischen Orchesterakademie Mainz Händels "Messias" auf. Ein Gespräch mit Universitätsmusikdirektor Jan Schumacher.

Seit im Jahr 1984 der Chor des Collegium Musicum an der Frankfurter Universität gegründet wurde, bereichert er die Stadt mit seinem musikalischen Repertoire. Sein neuestes Projekt ist der „Messias“ von Georg Friedrich Händel in der Fassung von Wolfgang Amadeus Mozart. Im Interview spricht der Universitätsmusikdirektor, Dirigent und Tenor Jan Schumacher über das Werk.

Nachdem Sie sich mit dem Uni-Chor im vergangenen Jahr den Kantaten von Georg Philipp Telemann gewidmet haben, steht nun Georg Friedrich Händels „Messias“ auf dem Programm. Das Werk zählt zu den am häufigsten musizierten. Was macht den Reiz aus?
Händels „Messias“ gilt als „das“ Oratorium schlechthin. Nahezu jeder hat das Werk wohl schon mal gehört – und trotzdem nimmt die Faszination dafür anscheinend nie ab. Zumal es wegen seines Auferstehungs- und Erlösungsschlusses wunderbar in die jetzige Fastenzeit passt.

Es gibt ja mehrere Bearbeitungen. Welche Fassung führen Sie auf?
Ich finde die von Wolfgang Amadeus Mozart besonders interessant. Er verehrte Händel zutiefst. In seiner Fassung, die zugleich die erste deutsche Übersetzung ist, werden unter anderem die Blasinstrumente anders eingesetzt als in Händels barockem Werk und zum Beispiel Flöten, Klarinetten, Hörner und Posaunen mitaufgenommen. Das Spannende ist, dass hier zwei Epochen aufeinandertreffen: Barock und Klassik. Für die Zuhörer, aber letztlich auch für die Sänger des Kammerchors und die Instrumentalisten bietet Mozarts Fassung eine Begegnung zwischen dem Vertrauten – dem Händelschen Opus – und dem Überraschenden der Mozart’schen Umgestaltung.

Für Amateur-Chöre ist der „Messias“ durchaus eine große Herausforderung ...
Ja, das stimmt. Quasi als Leuchtturmprojekt singen wir den „Messias“ mit dem Kammerchor der Goethe-Uni, in dem nur ausgebildete oder zumindest langjährig erfahrene Sänger auf hohem Niveau mitsingen.

Lange Zeit gab es den Kammerchor der Goethe-Universität gar nicht mehr. Warum haben Sie ihn wieder ins Leben gerufen?
Das Frankfurter Collegium Musicum zählt momentan ungefähr 80 Instrumentalisten und 120 Sänger. Das genügt, um große Werke aufzuführen, erlaubt es aber eben auch, solche Auswahl-Ensembles zu bilden – also zum Beispiel einen Kammerchor. Solche kleinen, besonders leistungsfähigen Klangkörper zu schaffen, ist eine tolle Möglichkeit, die hier in Frankfurt genutzt werden kann. Anders als beim gesamten Chor des Collegium Musicum, das ein Amateur-Ensemble ist und überwiegend aus Studenten besteht, singen im Kammerchor nur knapp 30 ausgewählte Mitglieder. Die kommen aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet.

Als Sie 2015 als Direktor der Uni-Musik nach Frankfurt gekommen sind, hatten Sie das Ziel, die Universitätsmusik in Frankfurt und der Region deutlicher vernehmbar zu machen. Würden Sie sagen, dass das bisher geklappt hat?
Ich glaube, an dem Ziel muss immer weiter gearbeitet werden, aber wir sind auf einem sehr guten Weg. Der „Messias“ ist ein Beispiel dafür. Nicht nur die Sänger kommen aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet, sondern auch die Instrumentalisten der Rheinischen Orchesterakademie Mainz. Ein weiterer Meilenstein in naher Zukunft wird ein Konzert im Juni in der Alten Oper Frankfurt sein, bei dem quasi die Collegia Musica der Unis Mainz, Frankfurt und Darmstadt gemeinsam Beethovens 9. Sinfonie aufführen.

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