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Bloß nicht die Geduld verlieren: Die jungen Schauspielerinnen Martha (l.) und Lena proben eine Kaffeehausszene.

Bockenheimer Depot

Oper der neuen Generation

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Die Rock-Pop-Inszenierung "Mina" feiert Premiere im Bockenheimer Depot.

An Lampenfieber möchte Lena (14) in diesem Moment noch nicht denken. An diesem Samstagnachmittag sitzt die Schülerin auf einem Stuhl auf der Probebühne 1 der Frankfurter Oper. Die Requisiten verwandeln den Raum an diesem Tag in ein Kaffeehaus. Zusammen mit ihrer Partnerin Martha (15), die eine Kellnerin des Cafés spielt, übt sie eine Szene aus der Rock-Pop-Oper „Mina“.

„Mina“, das ist der Titel des neuen Bühnenwerks der Oper Frankfurt, welches von Jugendlichen im Alter von 13 bis 20 Jahren entwickelt wurde. Es ist ein bundesweit einmaliges Projekt im Rahmen von „Jetzt! Oper für dich“, dem Kinder- und Jugendprogramm der Städtischen Bühnen. Das besondere an „Mina“ ist, dass Text, Musik und Schauspiel des Stücks von den Jugendlichen selbst inszeniert werden.

Für Lena begann alles vor einem Jahr, als sie an den Castings der Jugendoper teilnahm. „Eine frühere Gesangslehrerin hat mich auf das Projekt aufmerksam gemacht“, erinnert sich die 14-Jährige. Erfahrung im Schauspiel hatte sie damals nicht. „Jeder durfte einen Song vor einer Jury performen“, sagt Lena. „Ich habe einfach ein paar verrückte Sachen auf der Bühne gemacht.“ Sie überzeugte und bekam die Hauptrolle.

Ein Jahr Probearbeiten liegt hinter den rund 50 Jugendlichen, die an „Mina“ mitgewirkt haben. Weil die Schüler nicht nur aus Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet, sondern auch aus Kassel, Fulda oder Aschaffenburg anreisten, fanden die Treffen während der Schulzeit an den Wochenenden statt. In den Ferien probten die jungen Theaterbegeisterten unter der Woche täglich.

Zunächst konzipierte das Schreibteam unter Anleitung der Schriftstellerin Sonja Rudorf die Handlung der Jugendoper. „Die Texte durften schon etwas Schräges haben“, sagt Rudorf. In nächtlichen Skype-Konferenzen ließen die sechs Gruppenmitglieder ihrer Kreativität freien Lauf.

Über die Figurenkonstellationen wurde besonders viel diskutiert. Neben einer Haupterzählung brauchte jede Rolle eine Vorgeschichte. „Man muss bedenken, dass die Figuren leben und Persönlichkeit haben“, sagt Rudorf.

Parallel zu den Schreibern verfasste das Kompositionsteam unter Anleitung des Dirigenten Uwe Dierksen die passende Musik für das Bühnenwerk. Violinen, Celli und Trompeten, aber auch E-Gitarre, Schlagzeug und Keyboard bilden das Orchester der Rock-Pop-Oper. In seinen Sitzungen fordert Dierksen von seinen Schülern volle Konzentration. Aus der Mitte eines Halbkreises heraus achtet er auf jeden Seufzer der Streicher. Jede Anmerkung wird von den jugendlichen Musikern direkt mit einem Bleistift im Notenheft vermerkt.

„Der Vorsatz ist, dass das Bühnenwerk in das Repertoire der Oper Frankfurt aufgenommen wird“, sagt Dierksen. Die Schüler, so der Dirigent, würden diesen ambitionierten Prozess mittragen. „Sie wollen auf ein hohes Niveau kommen. Das macht das Arbeiten für mich sehr angenehm“, sagt Dierksen.

Auf der Probebühne 1 brauchen Lena und Martha viel Geduld. Jede einzelne Handbewegung, jedes Augenzwinkern wird von Regisseurin Ute M. Engelhardt angesprochen. „Die Einzelheiten zu verinnerlichen, ist schon eine große Herausforderung für mich“, sagt Lena.

Sie reibt sich dabei nervös über ihre Oberschenkel. „Das“, meint Engelhardt streng, „wollen wir auf der Bühne nicht sehen.“ Sie habe schon viel Erfahrung mit entnervten Schauspielern gesammelt, sagt die Spielleiterin. „Die Arbeit mit Jugendlichen ist auch immer eine Geduldsfrage.“ Manchmal, so Regisseurin Engelhardt, sorge eine unbewusste Bewegung für einen faszinierenden Augenblick im Stück. In dem Moment wirft Martha ihren Schal in die Luft. Engelhardt schnipst begeistert mit ihren Fingern.

Mehr als 15 Mal lässt Engelhardt die jungen Schauspielerinnen die Szene im Kaffeehaus wiederholen. Dann kann Lena endlich ihre Haferlatte mit einer extra Portion Sahne bestellen -, oder war es doch ein Karamell-Zimt-Cappuccino?

In einigen Wochen stehen Lena und Martha dann gemeinsam auf der Bühne im Bockenheimer Depot. Am 2. Februar feiert die Jugendoper „Mina“ ihre Premiere. Sie ist bereits ausverkauft.

An Lampenfieber möchte Lena trotzdem nicht denken. „Wenn ich auf der Bühne stehe“, sagt sie, „dann bin ich ein anderer Mensch.“

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