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Der wohl verrückteste Wissenschaftler der Musicalgeschichte dürfte der Außerirdische Frank N. Furter sein (am Mikrofon) ? in der aktuellen Inszenierung spielt ihn Gary Tushaw.

Rocky Horror Show in Frankfurt

Konfetti und Klopapier in der Alten Oper

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Beim wohl coolsten Musical überhaupt ist das Publikum gefragt. Wenn die Rocky Horror Show in die Alte Oper kommt, fliegen auch in der ehrwürdigen Location Konfetti und Klopapier.

Das Schwierigste an seiner Rolle, das waren wohl die Stöckelschuhe, sagt Gary Tushaw, der in der aktuellen Inszenierung der „Rocky Horror Show“ den verrückten außerirdischen Wissenschaftler Frank N. Furter spielt. Auf High Heels über die Bühne fegen, das sei anfangs schon eine Herausforderung gewesen, erzählt der 36 Jahre alte Schauspieler. „Das hatte ich zuvor noch nie gemacht“, sagt er. Am schwierigsten sei ein Auftritt in Mailand auf einer schrägen Bühne gewesen. „Das war echt heftig!“ 

Inzwischen stand Tushaw schon mehr als 150 Mal in dieser Rolle auf der Bühne - kreuz und quer durch Europa tourt das wohl coolste Musical aller Zeiten. Und Tushaw stöckelt jetzt ganz selbstverständlich über die Bühne. „Ich kann mich mittlerweile ganz auf meine Rolle konzentrieren“, sagt er. „Eine bessere als die des Frank N. Furter könnte ich mir gar nicht vorstellen.“ Er habe sich auch längst daran gewöhnt, in Strapsen und Korsett vor 2000 Leuten zu stehen, erzählt er und lacht. Gespielt und gesungen wird auf Englisch, der Erzähler – Sky du Mont und Martin Semmelrogge wechseln sich darin ab – spricht Deutsch.

Das Stück, das von den Irrungen und Wirrungen des biederen Pärchens Brad und Janet im Labor des sexuell äußerst experimentierfreudigen Dr. Furter handelt, hat legendär treue Fans, die jede Zeile auswendig können und nicht nur mitfiebern, sondern die Handlung noch ein bisschen lebendiger machen. 

Da wird ein Regenguss zu Beginn mit Wasserspritzpistolen auch für das Publikum recht feucht, es fliegen Konfetti und auch Klopapierrollen. „Bei einer Aufführung in Bremen sah die Bühne aus wie ein Spinnennetz, als Rocky das erste Mal auftauchte“, berichtet Tushaw. Nur das Wiener Publikum überraschte ihn: Es sei ganz still und respektvoll gewesen, „aber am Ende sind die Leute ausgetickt“. 

Der Erfolg lässt sich schon an den Tourneedaten ablesen. So mancher Besucher dürfte da auch zweimal hineingehen. In München beispielsweise läuft die Rocky Horror Show drei Wochen am Stück, in Frankfurt sind zwei je einwöchige Aufenthalte im März und im Juni geplant. 
Für den Hauptdarsteller Tushaw, der erstmals auf einer Europatournee ist, haben die langen Aufenthalte einen großen Vorteil. Viele der Städte kennt der leidenschaftliche Museumsgänger noch nicht, auch nach Frankfurt kommt Frank N. Furter zum ersten Mal. Ein Städel-Besuch ist fest eingeplant. Erkennen dürften ihn dort aber nur die wenigsten: Eine gute Stunde verbringt der freundliche Brite vor jedem Auftritt in der Maske. „Das dauert schon eine Weile, aber so lasse ich den Alltag hinter mir“, sagt er.

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