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(Fast) immer einen Besuch wert: das Schauspiel Frankfurt

Schauspiel Frankfurt

Frankfurter Rendezvous

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Das Schauspiel lädt in der kommenden Saison zu mehr als 25 Premieren und ins neue Regie-Studio ein. Wirtschaftlich geht es dem Haus gut. Das Einnahmesoll für die laufende Saison ist bereits erfüllt, die Zahl der Abonnenten steigt.

Das Schauspiel lädt in der kommenden Saison zu mehr als 25 Premieren und ins neue Regie-Studio ein. Wirtschaftlich geht es dem Haus gut. Das Einnahmesoll für die laufende Saison ist bereits erfüllt, die Zahl der Abonnenten steigt.

Nun könne er zwar, sagte der Frankfurter Schauspiel-Intendant Oliver Reese, nicht behaupten, sein Haus sei das beste der Welt – anders als Bernd Loebe von der Oper nebenan, die in London gerade als solche ausgezeichnet wurde. Aber es freue ihn doch, dass kommende Woche die Frankfurter „Medea“ das Berliner Theatertreffen eröffnen wird. Dass Frankfurter Inszenierungen bei den Ruhrfestspielen und den Mülheimer Theatertagen zu sehen sein werden. Dass Andrea Breth nach ihrer Ibsen-Inszenierung „glücklich abgereist ist und versprochen hat, wiederzukommen“. Dass die Zahl der Abonnenten seit Reeses Amtsantritt um 110 Prozent gewachsen ist (auf jetzt mehr als 5600). Dass das Einnahmesoll für die laufende Saison bereits erfüllt ist.

Und dass er dank der Verlängerung seines Vertrages bis 2019 jetzt längerfristig planen könne, so Reese.

Und zum Beispiel in seiner fünften Frankfurter Saison 2013/14 ein Regie-Studio gründet – einmalig im deutschsprachigen Raum, wie dessen Leiterin Clara Topic-Matutin sagte. Drei junge Regisseure werden derzeit aus der nicht unflotten Bewerberzahl von 150 herausgelesen. Anders als die Mitglieder des Schauspiel-Studios sollen sie nicht bei Produktionen mitmischen. Stattdessen bespielen sie künftig die Box, erarbeiten den dortigen Spielplan (!) und machen je zwei Inszenierungen. Eine Chance im „geschützten Raum“, nannte Reese das.

Für die großen Bühnen verkündete Dramaturgin Sibylle Baschung das Thema Gemeinschaft und Individualität als roten Faden, aber es ist nicht so einfach, ein Stück zu finden, das nichts damit zu tun hat. Jedenfalls läuft es darauf hinaus: Friedrich Hebbels „Nibelungen“ eröffnen am 13. September die Saison im Schauspielhaus, Jorinde Dröse führt Regie. Für den 14. serviert Reese eine Überraschung: Jürgen Kruse, Frankfurtern wohlbekannt, ist wieder da – „nach Breth die zweitgrößte Herausforderung für ein Haus“ (Reese) – und inszeniert in den Kammerspielen Borcherts „Draußen vor der Tür“.

Repräsentatives weiterhin im Schauspielhaus: Günter Krämer nimmt sich Molières „Der Menschenfeind“ vor, welcher von Wolfgang Michael gespielt wird, Stephan Kimmig präsentiert Dostojewskis „Der Idiot“, gespielt von Nico Holonics.

Oliver Reese selbst bringt die autobiografischen Bücher Thomas Bernhards unter dem Titel „Wille zur Wahrheit“ als Uraufführung auf die Bühne. Im Mozart-Saal der Alten Oper – eine neuartige Kooperation – wird er ein zweites biografisches Projekt angehen, das sich um den großen Tänzer und Choreographen dreht: „Ich bin Nijinsky. Ich bin der Tod“.

Opernexpertin Andrea Moses zeigt Gorkis „Kinder der Sonne“, Robert Schuster Frischs „Biedermann und die Brandstifter“, Karin Henkel Lars von Triers „Dogville“, Michael Thalheimer Kleists „Penthesilea“ und Amélie Niermeyer, noch eine Rückkehrerin, „Gefährliche Liebschaften“. Dann ist schon Juni 2014. Dass man denken könnte, Thalheimer hätte „Penthesilea“ längst gemacht, bestätigt, dass der Spielplan nicht verblüffend, aber plausibel ist.

Neues und Aufsehen Verheißendes kommt von Lothar Kittstein, der in „Der weiße Wolf“ versuchen wird, eine Geschichte des NSU aufzuschreiben. Regie: Christoph Mehler.

Eine weitere Uraufführung in den Kammerspielen ist die Dramatisierung von Anita Augustins Erfolgsroman „Der Zwerg reinigt den Kittel“, Bettina Bruinier inszeniert. René Pollesch begibt sich diesmal ins wieder ausführlich benutzte Bockenheimer Depot, „Je t’Adorno“ heißt sein neues Projekt, bei dem unklar blieb, ob man das a klein schreiben soll. Denn das Spielzeitheft kennt bei Titeln nur Großbuchstaben, enthält aber fabelhafte Schauspielerporträts, die mit der Taschenlampe ausgeleuchtet wurden.

Zu den Angeboten für Jugendliche gehört Simon Stephens’ „Punk Rock“ im Depot. Der Jugendclub, berichtete Theaterpädagogin Martina Droste, hat in diesem Jahr 270 Mitglieder und wird wie immer zwei eigene Produktionen machen. Die Gesprächsreihen werden fortgesetzt. Unter den sechs neuen Ensemblemitgliedern entdecken Einheimische wohlwollend Verena Bukal aus dem Mainzer Staatstheater. Und in mehr als einem Jahr lädt der Musiker Schorsch Kamerun zum „Frankfurter Rendezvous“ auf dem Willy-Brandt-Platz ein.

www.schauspielfrankfurt.de

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