Anschlag von Hanau

Opel-Mitarbeiter in Rüsselsheim gedenken der Opfer von Hanau

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Die Mitarbeiter des Opelwerks in Rüsselsheim gedenken der Opfer des rassistischen Anschlags in Hanau – die Fließbänder stehen still.

Um 12 Uhr am Mittwochmittag standen die Fließbänder im Opelwerk in Rüsselsheim still. Jeder an seinem Arbeitsplatz gedachte eine Minute lang der Opfer des rassistischen Anschlags in Hanau. Opel war wie viele andere hessische Unternehmen einem Aufruf des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Hessen-Thüringen und der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) gefolgt. Die Verbände hatten Betriebe in Hessen und Thüringen dazu aufgerufen, um 12 Uhr mittags eine Mahnminute für die Opfer einzulegen, um damit Rassismus und rechtsextreme Gewalt zu verurteilen.

Eine Stunde später laufen die Fließbänder wieder. Sungur Kartal unterbricht seine Arbeit und erzählt von der Mahnminute. „Ich habe an die gedacht, die in Hanau umgekommen sind. Das war für mich ein Schock.“ Der 54-Jährige arbeitet in der Endmontage. Er ist in der Türkei geboren, kam als kleiner Junge nach Deutschland und ist deutscher Staatsbürger. Kartal hat früher selbst lange in Hanau gelebt, deswegen fühlt er sich besonders getroffen. „Hanau ist Multikulti. So etwas darf natürlich nirgendwo geschehen.“ Seit dem Anschlag macht er sich mehr Sorgen um seinen 23-jährigen Sohn und sagt ihm, er solle nicht abends so lange in Shishabars gehen.

Mit der Mahnminute wollen sich Arbeitgeber und Gewerkschaften zusammen für eine Gesellschaft ohne Rassismus und Antisemitismus einsetzen. „In den Unternehmen sind ethnische und kulturelle Vielfalt gelebte Realität“, heißt es in dem Aufruf . „Die Betriebe geben zahlreiche Beispiele für ein gutes Zusammenleben, Respekt und Toleranz.“

Auch Sungur Kartal sagt: „Alle müssen sehen: Wir sind alle Multikulti, das gehört zum Menschsein. Wir sind alle gleich.“

Auf die offizielle Trauerfeier am Mittwochabend in Hanau angesprochen, sagt er: „Es ist schön und gut, dass die Politiker jetzt etwas sagen. Aber es darf nicht erst etwas passieren, wenn es einen Anschlag gibt. Vor allem dürfen wir das Thema nicht schon in zwei Wochen wieder vergessen. Da sind auch die Medien gefragt.“ fme

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