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Der Singspielklassiker "Im weißen Rössl" aus dem Jahr 1930 wird in die heutige Zeit übersetzt.

Theater Willy Praml Frankfurt

Minarette statt Zwiebeltürme

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Im Frankfurter Theater Willy Praml wird ein echter Singspielklassiker neu inszeniert: Statt „Im weißen Rössl“ heißt es nun „Im arabischen Rössl ehemals Im weißen Rössl“.

Die Probe beginnt mit sieben Hotelangestellten. Abgesehen von Flipflops – der Bühnenboden ist sandig – tragen sie Hemd und Lederhose, der alpenländischen Tradition entsprechend. Jeder ihrer Köpfe aber wird von einem roten Fes bedeckt. Der auch Tarbusch genannte Filzhut mit Quaste war beispielsweise im osmanischen Reich weit verbreitet.

Muawia Harb gefällt das, weil einfache Stereotypen so ins Leere liefen: Es sei „nicht zuordenbar“, ob die Männer nun Araber seien oder nicht, sagt der studierte Schauspieler. Von 2009 bis 2014 war er an einem Theater in Damaskus aktiv.

Seit drei Jahren ist er bei Willy Praml in Frankfurt. Genauso lange arbeitet das Theater in der Naxoshalle schon „mit Geflüchteten und Beheimateten“ zusammen, wie es in der Ankündigung des jüngsten Resultats davon heißt: die Operette „Im arabischen Rössl ehemals Im weißen Rössl“. Anfang Januar feiert sie Premiere.

„Wir machen das ganz schludrig“, sagt Praml, der die Regie führt. Integration sei ein Thema, das oft sehr ernst diskutiert werde. „Mit Augenzwinkern“ soll es dagegen im arabischen Rössl zugehen, wenn verschiedene Kulturen zusammenwachsen. Gemeinsam mit Michael Weber, der für die Bühne zuständig ist, hatte Praml die Idee, den Singspielklassiker „Im weißen Rössl“ aus dem Jahr 1930 in die heutige Zeit zu übersetzen: „Machen wir mal was abwegiges.“

Unverändert geblieben ist die idyllische Lage des Hotels am österreichischen Wolfgangsee. Doch bei seinem Namen fängt es schon an: Das „Weiße Rössl“ heißt jetzt „Arabisches Rössl“; die Wirtin ist zum Islam konvertiert und nennt sich neuerdings Leila Bint-Aladin. Gejodelt wird zwar noch, doch anstelle von Schweinefleisch gibt es Falafel und Couscoussalat. Auch Gäste kommen weiterhin – jedoch keine „Piefkes“ aus Berlin mehr, sondern Multimilliardäre aus Saudi-Arabien. Zum Beispiel Abdulla al-Opec, gespielt von Harb. Im weißen Gewand reist er mit seiner Frau Jamila an, um Schnitzel Wiener Art zu essen. „Danke, wir sprechen Deutsch“, sagte er zum Kellner, als dieser ihm zunächst eine arabischsprachige Karte reicht.

Opec, Aladin: Allein schon die gewählten Figurennamen lassen erahnen, wie das Stück mit Klischees spielen will. Dass es in seiner Zuspitzung so manch rechten bis sehr rechten Zeitgenossen an seine schlimmsten Albträume erinnern könnte, kann sich Praml gut vorstellen: „Manche gehen vielleicht verärgert raus.“ Für ihn ist das arabische Rössl eine „humorvolle Antwort“ auf vermeintliche Unterwerfungsszenarien, etwa vom französischen Schriftsteller Michel Houellebecq.

Und so träumt die Wirtin von Minaretten anstatt Zwiebelkirchtürmen oder lässt Angela Merkel hochleben. Lediglich beim Fluchen hapert es noch: „Kruzifix… Dschihad wollte ich sagen!“ Ihre Darstellerin, Birgit Heuser, war schon vor 20 Jahren dabei, als das Theater Willy Praml die Originaloperette in Bad Vilbel aufgeführt hat. Jetzt, für das arabische Rössl, trägt sie Schleier, zusätzlich zum Dirndl. Eine Brechung – wie das Outfit der Hotelangestellten.

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