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Offenbach

Offensive für Fahrradstraßen

  • Claudia Isabel Rittel
    vonClaudia Isabel Rittel
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Die Wetterstadt will auf neun Kilometern Radfahrern Vorfahrt einräumen und hat einen Projektantrag mit Vorbildcharakter eingereicht.

Als Ulrich Lemke 2011 nach Offenbach kam, um die Entwicklung des Hafenareals zu leiten, hatte er zunächst den Eindruck, die Stadt biete sich zum Radfahren nicht so recht an. Doch dann stellte er fest: „Wir haben eigentlich eine super Stadt, um Rad zu fahren.“ Grund dafür ist laut ADFC-Mitglied Lemke neben der Größe der Stadt, dass Offenbach klare Wege und Verbindungen habe, die oft auch parallel zu den großen Einfallstraßen verlaufen. „Aber es gibt noch sehr viel Luft nach oben.“ Um sich an die Regeln zu halten, müsse man an vielen Stellen absteigen und schieben.

Wie es aussieht, macht sich die Stadt gerade auf den Weg, diese Luft zu füllen. Wenn es gut läuft, könnte sie sogar eine Vorreiter-Rolle einnehmen. Grundlage dafür ist ein einstimmiger Beschluss der Stadtverordneten vom 30. März: Die Stadt solle sich um Fördermittel des Bundes zur Verbesserung des Radverkehrs bemühen, hieß es darin.

Kaum sechs Wochen später ist auf Initiative des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs Offenbach (ADFC) ein Projektantrag in Berlin eingereicht, erarbeitet hat ihn das Frankfurter Büro Radverkehr-Konzept im Auftrag der Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft (OPG). Am Mittwochabend hat der ADFC die Planungen auf Einladung der Offenbacher Grünen vorgestellt.

Die zentrale Idee: einzelne Straßen als Fahrradstraßen auszuweisen und dadurch Radfahrern auf diesen Strecken Vorfahrt zu geben. Anders als ein Radweg oder ein Radfahrstreifen am Rand einer Fahrbahn, bezieht sich die Fahrradstraße auf die komplette Fahrbahn einer Straße. Autos dürfen auf Fahrradstraßen je nach Beschilderung weiter fahren und parken. Vorfahrt sollen aber die Radfahrer bekommen. Angebunden werden sollen diese Fahrradstraßen an ein gutes Netz mit Radwegen oder Fahrradstreifen.

Als Radstraßen vorgesehen sind nach dem aktuellen Konzept rund neun Kilometer Straßen in Offenbach. Außerdem sollen die Anbindungen in die Nachbargemeinden verbessert und Lücken im Radverkehrsnetz geschlossen werden.

Konkret soll es drei Routen durch die zentralen Offenbacher Stadtteile geben: Eine Fahrradstraße soll vom Hafen durch die Taunusstraße im Nordend und weiter über die Luisenstraße zum Bahnhof führen und dann gen Süden am Klinikum vorbei zur Schumann-Straße geleitet werden, um an einen Radweg nach Neu-Isenburg anzuknüpfen. Eine zweite Fahrradstraße könnte über die Senefelder Straße von Süden nach Norden verlaufen und eine dritte vom Main kommend durch die Karlstraße im Mathildenviertel und dann über die Tempelseestraße führen, um dann an den Radweg am Hainbach entlang zur Stadthalle anzuknüpfen. Dort wiederum starten Radwege nach Dietzenbach und Heusenstamm.

Außerdem soll eine Fahrradstraße in Bieber parallel zur Bahnlinie durch das Neubaugebiet Bieber-Nord und die Germaniastraße führen. Eine fünfte Fahrradstraße ist für Bürgel vorgesehen. Hier könnte sie durch die Von-Behring-Straße führen und eine schnellere Verbindung nach Rumpenheim ermöglichen. Als Ost-West-Verdingung käme die Geleitstraße in Frage, teils als Fahrradstraße, teils als Radweg.

Neu gebaut werden soll nur rund ein Kilometer Radweg, um Offenbach und Obertshausen miteinander zu verbinden. „Derzeit fährt man da quer durch den Wald“, sagt Lemke, der die Planungen für den ADFC und die OPG vorstellte. Mit Obertshausen und auch mit Neu-Isenburg ist Offenbach bereits im Gespräch.

Kosten soll das Ganze rund 5,8 Millionen Euro. Bekommt Offenbach den Zuschlag, könnten bis zu 90 Prozent per Zuschuss gezahlt werden. Insgesamt entstünden der Stadt nach den aktuellen Berechnungen Kosten in Höhe von 1,3 Millionen Euro – inklusive Planungs- und Koordinierungskosten.

Fahrradstraßen gibt es beispielsweise in Münster, Berlin oder Essen, im Rhein-Main-Gebiet aber so gut wie nicht.

2008 bewegten sich in Offenbach laut einer Erhebung der Bundesregierung acht Prozent der Offenbacher mit dem Fahrrad fort. Derzeit werden neue Zahlen ermittelt. Werden die Fahrradstraßen ausgewiesen, wird die Uni Darmstadt das Projekt begleiten und eigene Zählungen machen.

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