OB_SchwenkeFR04_101020
+
„Das Gesundheitsamt ist kurz davor, die Kontaktnachverfolgung nicht mehr leisten zu können“, sagt Offenbachs OB Schwenke.

Offenbach

„Die Leute treffen sich zu viel“

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
    schließen

Offenbachs OB Felix Schwenke verteidigt die Corona-Strategie der Stadt, die in manchen Punkten lockerer als in Frankfurt ausfällt - und in anderen Punkten härter.

Warum gilt in Frankfurt vielerorts ein Alkoholverbot, in Offenbach trotz der höheren Corona-Infektionsquote aber nicht? „Jede Stadt trifft die für sich passenden Maßnahmen“, antwortet Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) auf die Frage, ob die Stadt mit ihrer in diesem Punkt zurückhaltenden Anti-Corona-Strategie noch auf dem richtigen Weg sei. Schwenke zufolge gebe es in Offenbach derzeit schlicht keine größeren Ansammlungen von feiernden Gruppen im öffentlichen Raum, deshalb sei auch kein Alkoholverbot nötig.

Der Oberbürgermeister wies im Gespräch mit der FR die Einschätzung zurück, Frankfurt habe trotz geringerer Infektionsdichte härtere Maßnahmen als Offenbach ergriffen. So sei es in Frankfurt etwa weiterhin erlaubt, sich zu zehnt im öffentlichen Raum zu treffen, in Offenbach liege die Grenze bei fünf Personen. Allerdings nicht bei Feiern in angemieteten Räumen, dann sind wie in Frankfurt 25 Personen erlaubt. Bei Veranstaltungen gilt in Offenbach eine Beschränkung auf 100 statt auf 250 Personen. Eine Maskenpflicht in Einkaufsstraßen gibt es wiederum nur in Frankfurt.

„Es ist ein Abwägungsprozess, die nötigen Maßnahmen zu treffen, aber der Wirtschaft so wenig wie möglich zu schaden“, sagt Stadtsprecher Fabian El Cheikh zu der weiterhin gültigen Strategie. Schwenke sagt, er sei „der Erste“, der neuen Regeln zustimme – wenn sie denn nötig seien.

Ein strukturelles Problem habe Offenbach durch die schlechte finanzielle Situation der Stadt. So habe man vor Corona im Gesundheitsamt auf die Bevölkerung umgerechnet nur halb so viele Ärztinnen und Ärzte beschäftigt wie Frankfurt, auf Ausschreibungen meldete sich niemand. „Hier wird Offenbachs Armut mal wieder konkret“, so der OB.

Dieser Nachteil strahle auch auf die aktuelle Lage aus, wo die Gesundheitsämter gar nicht gut genug besetzt sein könnten. Zu Beginn der Pandemie habe man in Offenbach bei Corona-Fällen im Schnitt vier Kontaktpersonen ermitteln müssen, zuletzt waren es laut Stadt „oft mehr als 80“. „Die Menschen treffen in zu kurzer Zeit viele Menschen zu eng“, so Schwenke. Das Amt sei „kurz davor, die Kontaktnachverfolgung nicht mehr leisten zu können“. Deshalb habe man große Veranstaltungen – wie Flohmärkte – auch wieder verboten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare