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Eine Bundestagswahl in zwei Wahlkreisen und dazu auch noch eine Landratswahl: Vor dem Kreishaus in Dietzenbach sind die Laternenmasten reich mit Plakaten bestückt.
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Eine Bundestagswahl in zwei Wahlkreisen und dazu auch noch eine Landratswahl: Vor dem Kreishaus in Dietzenbach sind die Laternenmasten reich mit Plakaten bestückt.

Bundestagswahl 2021

Offenbacher Landkreisbürger wählen in zwei unterschiedlichen Wahlkreisen

  • Annette Schlegl
    VonAnnette Schlegl
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Der Landkreis Offenbach ist bei der Bundestagswahl zweigeteilt: fünf Kommunen gehören zum Wahlkreis 187 Odenwald, acht zum Wahlkreis 185 Offenbach. Die Wahlkreise im Porträt.

Ein Landkreis, aber zwei verschiedene Wahlzettel: Der Kreis Offenbach nimmt bei der Bundestagswahl 2021 wieder eine Sonderstellung ein, weil er geteilt ist. Acht Kommunen gehören mit der kreisfreien Stadt Offenbach zum Wahlkreis 185 Offenbach, fünf Kommunen zählen zum Wahlkreis 187 Odenwald. Die jeweiligen Bürger:innen wählen also verschiedene Politiker.

Es sind die östlich gelegenen Städte und Gemeinden Rodgau, Rödermark, Hainburg, Seligenstadt und Mainhausen, die schon vor vielen Jahren dem Wahlkreis 187 zugeschlagen wurden. Neben diesen fünf Ostkreiskommunen zählt auch der frühere Landkreis Dieburg mit den Kommunen Babenhausen, Fischbachtal, Groß-Bieberau, Groß-Umstadt, Groß-Zimmern, Dieburg, Otzberg, Reinheim und Schaafheim sowie der gesamte Odenwaldkreis dazu. Mühlheim am Main, Obertshausen, Heusenstamm, Dietzenbach, Dreieich, Neu-Isenburg, Langen und Egelsbach gehören dagegen zusammen mit der Stadt Offenbach zum Wahlkreis 185.

Wahlkreis 185: Verkehrsmäßig bestens erschlossen

Unterschiedlicher könnten die beiden Wahlkreise kaum sein. Der Wahlkreis 185 ist eine Wachstumsregion, die Kommunen prosperieren, liegen im Speckgürtel von Frankfurt. Vor allem Neu-Isenburg ist eine reiche Stadt, macht regelmäßig Schlagzeilen als Gewerbesteuer-Krösus. Nur Dietzenbach fällt aus dem Raster der wirtschaftsstarken Kommunen: Die Stadt, die wie die Stadt Offenbach einen hohen Ausländeranteil hat, ist seit Jahren in einer finanziell prekären Situation.

Der Wahlkreis 185 ist dicht besiedelt, 1521 Einwohner pro Quadratkilometer zählte man zum 31. Dezember 2019. Mittlerweile dürfte diese Zahl nach oben korrigiert worden sein. In den Städten entstehen nämlich immer mehr Neubausiedlungen, es wird ständig nachverdichtet, immer mehr junge Familien entdecken die Vorzüge der Kommunen im Wahlkreis 185 für sich.

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Die Nähe zu Frankfurt und zum Flughafen, die sehr guten Verkehrsanbindungen und die noch halbwegs erschwinglichen Mieten lassen viele Menschen aus dem teuren Frankfurt in die neun Wahlkreis-Kommunen abwandern. Die Autobahnen A5, A3 und A661 sowie gut ausgebaute Bundesstraßen sorgen dafür, dass man schnell in der Mainmetropole ist. Alle Städte auch per S-Bahn erschlossen, meist sogar mit mehreren Stationen. Die Regionaltangente West (RTW) soll Neu-Isenburg, Dreieich und Langen ab dem Jahr 2026 mit dem Frankfurter Flughafen verbinden. Radschnellwege sind geplant und zum Teil schon im Bau. Bis 2023 soll der erste Radschnellweg durchs Rhein-Main-Gebiet von Darmstadt nach Frankfurt fertig sein, der über Egelsbach, Langen, Dreieich und Neu-Isenburg führt.

Wahlkreis 187: Dünn besiedelt im Süden

Wie sehr divergiert der angrenzende Wahlkreis 187 mit seinen 340 Wahlbezirken davon! Er ist nur dünn besiedelt, mit gerade einmal 290 Einwohner:innen pro Quadratkilometer leben hier fünfmal weniger Menschen als im Wahlkreis 185. Und das, obwohl er flächenmäßig viel größer ist: Er umfasst 1115 Quadratkilometer, der Wahlkreis 185 dagegen „nur“ 241 Quadratkilometer. Die größte Stadt des Kreises Offenbach liegt sogar darin: Rodgau wird dank eines riesigen Neubaugebietes in den kommenden Jahren auf 50 000 Einwohner anwachsen.

Nicht nur die Nord-Süd-Ausdehnung des Wahlkreises 187 ist mit 85 Kilometern zwischen Main und Neckar gewaltig, sondern auch das Nord-Süd-Gefälle. Der Norden hat eine viel größere Steuerkraft als der landwirtschaftlich geprägte Süden. Im Norden liegen die fünf Kommunen des Kreises Offenbach mit Zuwanderungsgewinnen, im Süden die Stadt Oberzent mit der drittgrößten Fläche nach Frankfurt und Wiesbaden, aber mit nur 10 200 Einwohnern. Die Stadt existiert erst seit 1. Januar 2018, sie ist ein Zusammenschluss der Orte Beerfelden, Hesseneck, Rothenberg und Sensbachtal. Die Fusion erfolgte notgedrungen: Immer mehr Arbeitsplätze fielen dort weg, die Bevölkerung ging immer mehr zurück.

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Solche Probleme sind den Bürgern und Bürgerinnen des Kreises Offenbach fremd. Sie sind Teil der internationalen und pulsierenden Metropolregion Rhein-Main, leben im wirtschaftlich drittstärksten Kreis in Hessen. Laut einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung hat hier jeder Einwohner rechnerisch ein Haushaltseinkommen von 23 449 Euro – etwas über dem Bundesniveau mit 22 900 Euro.

Kreis Offenbach: Innerhalb von acht Jahren fast 20000 Einwohner mehr

Seit 2013 entwickelt sich die Bevölkerungszahl des Kreises Offenbach stetig nach oben. Aus 338 000 Einwohnern sind mittlerweile 357 000 Landkreisbürger geworden, und die Prognosen sprechen von einem weiteren Wachstum in den kommenden Jahren. Der Breitbandausbau schreitet rasant voran, rund 96 Prozent der Haushalte sind schon mit mindestens 100 Megabit pro Sekunde versorgt. Der Zukunftsatlas 2019 sieht den Kreis Offenbach als „Ort mit hohen Zukunftschancen“, deutschlandweit belegt er Platz 37 von 401 Landkreisen und kreisfreien Städten.

Dieses Privileg bringt aber auch Probleme mit sich: Es gilt, zahlreiche ausländische Mitbürger:innen erfolgreich zu integrieren, die Infrastruktur muss mit dem Zuzug Schritt halten, Wohnungen müssen gebaut, Schulen vergrößert und aufgestockt, Kitaplätze für junge Familien geschaffen werden. Wie schnell die Betreuungssituation hinter der Einwohnerentwicklung hinterher hinken kann, erfährt die Stadt Langen gerade leidvoll: Dort fehlen aktuell rund 500 Plätze in der Kinderbetreuung.

Kreis Offenbach: Grundstücke und Immobilien sind doppelt so teuer wie vor zehn Jahren

Die Baulandreserven im Kreis schrumpfen, in Neu-Isenburg entsteht auf dem letzten größeren zusammenhängenden Areal gerade ein neues Stadtquartier. Die Immobilien- und Bodenpreise im Kreis Offenbach haben sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt, obwohl der Wohnungsbestand laut einer Studie des Landes Hessen im Jahr 2018 acht Prozent über dem Bestand des Jahres 2000 lag.

Die Beliebtheit des Kreises Offenbach überrascht um so mehr, als der Landkreis stark vom Fluglärm betroffen ist. Hauptsächlich die Kommunen im Westen und in der Mitte des Kreisgebiets liegen unter dem Lärmteppich – allen voran die Stadt Neu-Isenburg in direkter Nähe zum Flughafen.

Kreis Offenbach: CDU ist seit Jahren tonangebend

Politisch hat seit 2004 die große Koalition im Kreistag das Sagen - auch wenn deren Übermacht bei der vergangenen Kommunalwahl stark geschrumpft ist. Die CDU ist im Kreistag seit Jahren stärkste Kraft, die SPD musste ihren zweiten Platz im März jedoch an die Grünen abgeben, die 22 Prozent aller gültigen Stimmen holten.

Die Christdemokraten sind seit Jahren sowohl im Wahlkreis 185 als auch im 187er bei der Bundestagswahl dominierend, gefolgt von der SPD. In beiden Wahlkreisen schnitten die Grünen im Jahr 2017 schwach ab: Sie wurden bei den Zweitstimmen von der FDP und der AfD überholt.

Kreis Offenbach: Fünf Abgeordnete saßen bisher in Berlin

Fünf Abgeordnete haben den Kreis Offenbach in der ablaufenden Legislaturperiode in Berlin vertreten: Patricia Lips (CDU), Björn Simon (CDU), Jens Zimmermann (SPD), Wolfgang Strengmann-Kuhn (Grüne) und Christine Buchholz (Linke).

Patricia Lips hat bei der Wahl am 26. September wieder beste Chancen, den Wahlkreis 187 zu gewinnen. Die Rödermärkerin ist der Politprofi unter den Kandidat:innen, sitzt seit 2002 im Bundestag, hat seit 2005 den Wahlkreis stets direkt gewonnen. Der Sozialdemokrat Zimmermann hat nun seine zweite Legislaturperiode in Berlin hinter sich. Er steht auf Platz sieben der SPD-Landesliste, was wahrscheinlich den Einzug in den Bundestag bedeutet – selbst wenn er das Direktmandat verfehlt.

Auch im Wahlkreis 185 könnte ein CDU-Mitglied wieder an der Spitze landen: Björn Simon holte 2017 mit 36,4 Prozent der Erststimmen das Direktmandat und tritt erneut an. Der Sozialdemokrat Tuna Firat schaffte es bei der Wahl trotz 24,9 Prozent nicht nach Berlin, will es nun erneut wissen. Strengmann-Kuhn tritt erneut an, nachdem er vor vier Jahren mehr als deutlich abgeschlagen über die Landesliste in den Bundestag einzog. Auch Buchholz, die seit 2009 Bundestagsabgeordnete ist, strebt eine weitere Amtszeit an.

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