_201012bundeswehr_of02_1310
+
Soldaten des Aufklärungsbataillons 7 aus Ahlen unterstützen die Mitarbeiter des Offenbacher Gesundheitsamtes vom heutigen Dienstag an bei der Kontaktnachverfolgung von Infizierten. Im Hintergrund OB Schwenke.

Offenbach

Offenbacher Krisenstab lehnt neue Einschränkungen ab

  • Agnes Schönberger
    vonAgnes Schönberger
    schließen

Offenbach überschreitet erneut die höchste Corona-Warnstufe. Stadt will abwarten, wie sich bereits beschlossene Kontaktbeschränkungen auswirken. Die Zahl der Toten steigt auf elf.

Offenbach ist erneut zum Corona-Hotspot in Hessen geworden. Am Sonntag wurde die höchste Warnstufe des Landes mit 80,6 nachgewiesenen Infektionen pro 100 000 Einwohner überschritten. Auch gestern lag der sogenannte Inzidenzwert noch bei 77,5 Fällen. Trotz der zugespitzten Situation - seit Freitag gab es 36 Neuinfektionen - hat der Krisenstab am Montag keine weiteren Einschränkungen beschlossen.

Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) begründete dies mit den neuen Kontaktbeschränkungen, die erst am 9. Oktober in Kraft getreten seien. Die Stadt will 10 Tage abwarten, ob diese Maßnahmen wirken.

Aktuell gibt es in Offenbach 139 Menschen, die mit dem Corona-Virus infiziert sind. Vier befinden sich im Krankenhaus, bei einem Patienten sei der Zustand kritisch, heißt es. Am Sonntag sei eine 51-jährige Person mit multiplen Vorerkrankungen gestorben, sagte ein Sprecher. Damit stieg die Zahl der Corona-Todesfälle auf elf.

In häuslicher Quarantäne befinden sich 675 Menschen, die meisten davon, weil sie Kontakt zu einem Infizierten gehabt hatten oder aus einem Risikogebiet zurückgekehrt waren. Sorge bereitet der Stadt, dass trotz aufwändiger Befragungen der positiv Getesteten sich die Quelle der Ansteckung immer häufiger nicht mehr ermitteln lässt. Aktuell ist in 36 Prozent der Fälle die Infektionsquelle nicht bekannt. Das ist problematisch, weil diese Menschen sich frei bewegen und möglicherweise andere anstecken.

Offenbachs Gesundheitsdezernentin Sabine Groß (Grüne) erklärte, im Kampf gegen das Virus sei es unerlässlich, die Infektionsketten zu unterbrechen. Das sei auch der Grund dafür, „dass wir unsere Maßnahmen auf Kontaktbeschränkungen ausgerichtet haben“. OB Schwenke sagte, es gehe darum, den Abstand zwischen den Menschen wieder zu vergrößern.

In Offenbach dürfen im öffentlichen Raum maximal fünf Personen in einer Gruppe oder Angehörige aus zwei Haushalten sein. Das gilt auch für die Gastronomie. Private Feiern in gemieteten Räumen sind auf 25 und Veranstaltungen auf 100 Personen begrenzt. Beim Hallensport sind Zuschauer vollständig verboten.

Schwenke zufolge nimmt das Infektionsgeschehen überall im Land weiter zu. Offenbach sei mit dieser Entwicklung nicht allein, „aber leider voll dabei“. Neu ist nach seinen Worten, dass sich viele Menschen inzwischen innerhalb der Region infizierten. In Offenbach seien es 18 Prozent, die sich im Umland angesteckt hätten. Allein im Paketzentrum in Obertshausen hätten sich seit Ende September 35 Offenbacher infiziert, sagte er.

Weil das Gesundheitsamt trotz 14 neuer Stellen am Limit arbeitet, wird die Behörde von heute an von 16 Soldaten und drei Sanitätern der Bundeswehr bei der Kontaktnachverfolgung und bei Testabstrichen unterstützt. Die Stadt hatte sie am Wochenende angefordert.

Die Stimmung in Offenbach ist trotz des dramatischen Anstiegs der Coronavirus-Infektionen relativ entspannt. In den Lokalen rund um den Wilhelmsplatz saßen gestern Mittag trotz Regens etliche Gäste im Freien. In der Fußgängerzone war viel los. Vereinzelt trugen Passanten Masken, obwohl es keine Pflicht ist.

Trotzdem leide der Einzelhandel. Auch auf dem Wochenmarkt sei weniger los als früher, sagte Stadtrat Paul-Gerhard Weiß (FPD). Dabei stelle das Einkaufen kein Risiko dar, wenn man sich vorsichtig verhalte.

Beim Corona-Bürgertelefon landen Anrufer schon seit vergangener Woche in der Warteschleife. Nach Angaben von Angelika Samarelli, Leiterin der Hotline, bimmelt das Telefon ununterbrochen. Reiserückkehrer erkundigten sich nach Quarantäne und Tests, verunsicherte Eltern wollten nach Schließung einer Kita wegen eines positiven Corona-Falls wissen, wie sie sich verhalten sollen. Ruhig geht es dagegen im Freiwilligenzentrum zu, das Einkäufe für Menschen in Quarantäne organisiert. Eine Mitarbeiterin sah’s positiv. Die Hilfe durch Nachbarn und Bekannte funktioniere wohl.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare