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Mehr als 2000 Menschen leben an Offenbachs Bismarckstraße – so viele, wie die Petition zur Umbenennung unterschrieben haben.

Diskussion um Namensänderung

Vorschlag für Haftbefehl-Straße vom Tisch: Bismarckstraße behält ihren Namen

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Die Straßennamen-AG der Offenbacher Stadtverordneten verfolgt die in einer Petition geforderte Umbenennung der Bismarckstraße - etwa in Haftbefehl-Straße - nicht weiter.

Offenbach - Die Offenbacher Bismarckstraße behält ihren Namen. Die Arbeitsgruppe der Stadtverordneten, die sich mit Straßennamen beschäftigt, habe den Vorschlag nach einem kurzen Gespräch zu den Akten gelegt, sagte der Leiter der AG, Stadtverordnetenvorsteher Stephan Färber (SPD), auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau. Aus seiner Sicht sei das Thema damit „erledigt“.

Der in Offenbach lebende Student Felix Sauer hatte in einer Onlinepetition gefordert, die zentral am Hauptbahnhof gelegene Straße wegen Bismarcks Rolle im Kolonialismus umzubenennen. In seiner Zeit als Reichskanzler habe Otto von Bismarck die Kolonisierung Afrikas mitorganisiert, so Sauers Kritik, der Politiker sei daher für die „Ermordung von Millionen von Menschen mitverantwortlich“.

Offenbach: Bismarckstraße wird nach Rapper Haftbefehl umbenannt

Sauer hatte vorgeschlagen, die Straße nach Erwin Kostedde zu benennen, einem prominenten afrodeutschen Fußballspieler, der auch für die Kickers spielte. Oder nach dem Rapper Aykut Anhan aka Haftbefehl, einem der bekanntesten Offenbacher mit Migrationsgeschichte. 2126 Personen haben die Petition unterschrieben.

Vor allem die Idee, die Straße nach Haftbefehl zu benennen, hatten in den vergangenen Monaten zu Diskussionen geführt und eine zunächst lokale und dann bundesweite Berichterstattung nach sich gezogen. Zudem wurden zwei Gegenpetitionen initiiert, eine davon von der Offenbacher AfD-Fraktion – insgesamt 324 Personen haben diese Petitionen unterschrieben.

Offenbach: Keine Umbenennung der Bismarckstraße - Kaum Beachtung für Namensvorschlag Kostedde

Politische Unterstützung hatte Sauers Vorschlag vor allem von der Offenbacher Linken erhalten. Deren Stadtverordneter Sven Malsy brachte gar eine „vollständige Sichtung“ aller Offenbacher Straßennamen ins Gespräch und schlug vor, die Bismarckstraße nach Raymonde Tillon zu benennen, einer kommunistischen Widerstandskämpferin aus Offenbachs französischer Partnerstadt Puteaux.

Doch Stephan Färber zufolge habe es bei der vergangenen Sitzung der Straßennamen-AG nicht einmal mehr eine richtige Diskussion zum Thema gegeben. Initiator Sauer ist trotzdem zufrieden: Es sei gut, dass überhaupt einmal über die Folgen des deutschen Kolonialismus und über Würdigungen involvierter Personen diskutiert werde. Verwundert zeigte sich Sauer aber darüber, dass der Namensvorschlag Kostedde in der Diskussion kaum Beachtung fand – noch nicht einmal von den Fans der Offenbacher Kickers, deren Fanmagazin immerhin nach dem Fußballer benannt worden sei.

Was bei der Bismarckstraße nicht geklappt hat, könnte beim Hugo-Eberhardt-Weg in der Nähe des Ring-Centers gelingen: Der Gründer des Deutschen Ledermuseums und damalige Direktor der Offenbacher Kunstgewerbeschule, der Vorgängerinstitution der Hochschule für Gestaltung (HfG), hat sich stark an die Nazis angebiedert. Färber zufolge werde der Ältestenrat der Stadtverordneten im September über das Thema beraten und anschließend womöglich die Straßennamen-AG. (Von Fabian Scheuermann)

Engagierte Offenbacherinnen

Die Straßennamen-AG des Offenbacher Stadtparlaments arbeitet fortlaufend an einer Liste mit Personen aus der Stadtgeschichte – vor allem Frauen –, nach denen Straßen benannt oder umbenannt werden könnten.

Vier Frauennamen kamen jüngst dazu: Arbeitsstellenvermittlerin Elisabeth Lutz (+1900), Sozialdemokratin Therese Peine (+1932), Jugendarbeiterin Elisabeth Crönlein (+1990) und Sportlehrerin Erna Meinusch (+1993). Straßen werden nur nach Verstorbenen benannt. Die Stadtverordneten müssen der Aufnahme der Namen in die Vorschlagsliste noch zustimmen. fab

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