Idylle unter Industriekran. Der Hafen 2 ist inzwischen etabliert, muss aber dem Neubau einer Schule weichen.
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Idylle unter Industriekran. Der Hafen 2 ist inzwischen etabliert, muss aber dem Neubau einer Schule weichen.

Offenbacher Hafenareal

Zukunft des Hafen 2 weiter unklar

  • Wiebke Rannenberg
    vonWiebke Rannenberg
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Das beliebte Kulturzentrum ist etabliert, muss aber einer Schule weichen - daran ändert auch das Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Kassel nichts. Dieses Jahr sei aber noch gesichert, sagt OB Schneider.

Kinder toben auf der Wiese, streicheln Schafe, Erwachsene trinken Bier und Kaffee, spielen Frisbee vor der Kulisse von Hafenkran und alter Ölhalle, räkeln sich in Liegestühlen. Und immer wieder fragt jemand an diesem schönen Sommertag: "Kann der Hafen 2 jetzt doch noch länger bleiben?"

Denn am 22. April hatte der Verwaltungsgerichtshof in Kassel den Bebauungsplan der Stadt Offenbach für das Hafenareal für unwirksam erklärt, weil künftige Bewohner zu wenig vor Lärm vom gegenüberliegenden Frankfurter Oberhafen geschützt wären.

Nun hofft manch Besucher, dass das vorläufige Aus ein längeres Bestehen des Hafen 2 bedeutet. Doch das ist nicht so. "Die Schule ist von dem Urteil nicht betroffen", sagt Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD). Weil im Nordend die Goetheschule aus allen Nähten platzt, soll laut Beschluss der Stadtverordneten am Rand des Hafens eine Grundschule gebaut werden. Für die Zufahrt müsste das Kulturzentrum dann wohl weichen. Wann, ist unklar. Vor einer Woche hatte der Aufsichtsrat der Mainviertel GmbH die Zukunft des Hafen 2 zwar auf der Tagesordnung, hat die Entscheidung aber verschoben.

Ein neues Domizil wäre teuer

Schneider, Vorsitzender des Aufsichtsrates, sagt: "Dieses Jahr ist gesichert." Ob der Hafen 2 an anderer Stelle ein neues Domizil bekommt, könne er nicht sagen. Zwar bestehe der grundsätzliche Wille, aber ein Betrag im "siebenstelligen Bereich" sei nötig.

Dabei ist klar, dass der Träger, der gemeinnützige Verein Süßwasser, kein Geld hat. Klar war zwar von Anfang an, dass der Hafen 2 als Zwischennutzung gilt. Die sich aber etabliert hat, längst mehr bietet als Café, Konzerte und Ausstellungen. "Wir fühlen uns hier pudelwohl", sagen Andrea Weiß und Alex Braun von Süßwasser. Sie wollen hier oder an anderer Stelle weitermachen.

Über sechs Jahre sei ein großes Netzwerk von Künstlern und Gästen entstanden, gerade jetzt laufe es sehr gut, betont Weiß: "Das darf auf keinen Fall unterbrochen werden." Deshalb planen sie auch so, "als ginge es weiter". Denn der Vorlauf für Konzerte und Ausstellungen beträgt sechs bis neun Monate. Trotzdem wünschen sie sich Planungssicherheit. Wenn sie zum Beispiel noch zwei Jahre blieben, würde sich Investitionen in die Halle für einen größeren Konzertsaal lohnen - für Bands, die jetzt die Batschkapp oder "Das Bett" in Frankfurt wählen.

Ein größerer Konzertsaal könnte ein Vorteil eines neuen Standorts sein. Ein Gelände ist in der Diskussion: etwa 800 Meter weiter westlich, neben der SG Wiking kurz vor der Kaiserleibrücke. Das hat Bäume, liegt näher am Wasser und ist über die S-Bahn-Station Kaiserlei auch für Frankfurter zum günstigen Tarif zu erreichen. Doch die Autobahn ist laut, es gibt kein Gebäude und dem Gelände fehlt der Industriebrachen-Charme.

Doch wie auch immer ein möglicher Umzug gestaltet wird, klar ist für Weiß und Braun: Funktionieren könne es nur, wenn alle Facetten des Kulturzentrum erhalten bleiben können.

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