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In Offenbach gibt es viele Behinderte und Bedürftige, die dringend eine Wohnung suchen.

Offenbach

Wohnungssuche in Offenbach soll einfacher werden

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Die Koalition in Offenbach will bedürftige und behinderte Menschen beim Finden einer Unterkunft unterstützen. 

Das Thema Wohnen treibt wegen der rapide steigenden Mieten und kletternder Immobilienpreise viele Menschen um in Offenbach. Die Rathauskoalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern befand sich bei dem Thema schon oft in der Defensive – zu wenig tue das Bündnis, um Menschen vor Verdrängung zu schützen, heißt es etwa regelmäßig vonseiten der Opposition. Nun will die Koalition ein ganzes Bündel an wohnungspolitischen Maßnahmen auf den Weg bringen: Die Stadtverordneten stimmen heute Abend darüber ab.

Mehrere Maßnahmen sollen demnach vom Magistrat eingeleitet werden: Zum einen soll eine neue Anlaufstelle zur Wohnberatung an die städtische Verwaltung „angedockt“ werden. Außerdem soll geprüft werden, ob Vereinbarungen mit Wohnungsunternehmen getroffen werden können, um mehr Wohnungen gemeinsam mit dem Frauenhaus, der Obdachlosenhilfe und anderen Trägern an besonders bedürftige Menschen zu vergeben. Laut Koalition werde ein solches Modell bereits in Wiesbaden umgesetzt. Daran wolle man sich orientieren. Außerdem soll mit Blick auf die alternde Gesellschaft darauf hingewirkt werden, Belegungsrechte an barrierefreien Wohnungen zu erhalten und neu zu erwerben.

„Uns ist es wichtig den Menschen Perspektiven zu bieten, bald wieder in selbstbestimmte Wohnverhältnisse zu kommen“, sagt der grüne Stadtverordnete Tobias Dondelinger. Denn selbstbestimmt können viele nicht wohnen: Immer mehr Menschen leben in Offenbach in Notunterkünften, weil sie auf dem leergefegten Markt keinen günstigen Wohnraum mehr finden. Lebten 2010 pro Tag im Schnitt noch 222 Personen in Offenbacher Notunterkünften, waren es Mitte 2019 schon 564.

Tausende auf Wartelisten 

Ein Problem dürfte bei der Umsetzung der Pläne sein, dass allein in Offenbach Tausende auf den Wartelisten der großen Wohnungsbaugesellschaften stehen. Zudem existiert seit 2015 bereits eine Selbstverpflichtungserklärung von Baugesellschaften mit der Stadt: Darin sagen die Gesellschaften zu, pro Jahr rund 30 vom Frauenhaus und von der Wohnungslosenhilfe vorgeschlagenen Frauen „zeitnah in einer geeigneten Wohnung aus ihrem Pool“ unterzubringen. Doch es scheint Probleme bei der Umsetzung dieser Abmachung zu geben: Zumindest sagte Offenbachs Sozialdezernentin Sabine Groß (Grüne) der FR, dass sie das nächste Treffen der Baugenossenschaften besuchen wolle, um darauf hinzuwirken, dass diese sich „an die Selbstverpflichtung halten“.

Deutliche Kritik kommt von der Opposition. Der linke Stadtverordnete Sven Malsy kritisiert, dass der Antrag „viel zu spät“ komme und „nicht weit genug“ gehe. Man brauche eine „wohnungspolitische Offensive“, um weitere Verdrängung in Offenbach zu verhindern – die Linke werde deshalb einen Änderungsantrag einbringen, der weitere Maßnahmen enthalte. Malsy weist darauf hin, dass seine Fraktion schon 2017 einen Antrag zur Erweiterung der Wohnraumberatung gestellt hatte – der von der Koalition aber abgelehnt wurde. Ebenso sei es mit einem gemeinsamen Antrag mit der SPD gelaufen, in dem eine „Wohnungstauschberatung“ angeregt wurde – eine Beratung für alte Menschen, die in einer großen nicht-barrierefreien Wohnung leben, zum gleichen Mietpreis aber keine kleine barrierefreie Wohnung finden. Auch diesen Antrag hatte die Koalition vor wenigen Monaten abgelehnt.

Die Stadtverordneten tagenam Donnerstag, 19. September, ab 17 Uhr im großen Sitzungssaal des Offenbacher Rathauses, Berliner Straße 100.

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