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Blicke auf Main und Skyline: Eine Penthousewohnung in diesem Neubau kostet zwei Millionen Euro.

Offenbach

Wohnungspreise steigen weiter an

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Im Offenbacher Hafengebiet gibt es mittlerweile Wohnungsangebote für zwei Millionen Euro. Experten glauben aber, dass der Zenit bei den Preisen mittlerweile erreicht ist.

An Sommertagen wie diesen kommen viele Jugendliche aus dem dicht bebauten Offenbacher Nordend an den schick hergerichteten Hafenplatz, um dort zu entspannen, sich zu unterhalten und Musik zu hören. Über den daraus resultierenden Geräuschpegel beschweren sich regelmäßig Anwohnerinnen und Anwohner. Unter vorgehaltener Hand äußern sie die Sorge, ihr erst vor wenigen Jahren erworbenes Wohneigentum könne an Wert verlieren. Doch beim Blick auf aktuelle Offenbacher Immobilienangebote lässt sich sagen: Diese Ängste sind wohl unbegründet. In Offenbach steigen die Preise für Eigentumswohnungen weiterhin an. Am Mainufer werden derzeit erstmals sogar Wohnungen für rund zwei Millionen Euro angeboten, der Quadratmeterpreis liegt dort bei mehr als 7400 Euro.

„Solche Zahlen waren in Offenbach vor zehn Jahren noch undenkbar“, sagt Dietmar Noé vom gleichnamigen Offenbacher Immobilienbüro. Noé hält die neuerdings am Hafen angesetzten Kaufpreise zwar für „übertrieben“ und sieht die real erzielbaren Preise dort eher bei 5500 Euro. Doch auch das sei deutlich mehr als noch vor ein paar Jahren, wo 3500 Euro pro Quadratmeter in Offenbach noch als teuer galten. Auch Dirk Francovich von der Offenbacher Immobilienfirma Wiegmann glaubt nicht, dass die Preise dauerhaft in solche für viele ganz und gar unbezahlbare Höhen steigen. „Der Zenit ist jetzt erreicht“, vermutet Francovich.

Dennoch beobachten die beiden Immobilienspezialisten eine wachsende Nachfrage mit steigenden Preisen – auch in Lagen fernab des Mains. Im Buchrain-Viertel etwa, das nahe des Stadtteils Frankfurt-Oberrad zwar am Waldrand, aber auch in Hörweite der Autobahn liegt, werden gerade neue Reihenhäuser für über eine Million Euro angeboten.

Dietmar Noé, der auch in der örtlichen IHK aktiv ist, sagt, die Offenbacher Lokalpolitik habe die steigende Nachfrage nach – auch gehobenem – Wohnraum durch Stadtentwicklungsmaßnahmen wie am Hafen in den letzten Jahren gezielt befördert. Francovich sieht den Grund vor allem in der Nähe zum boomenden Frankfurt. Gerade im Offenbacher Westen fühlten sich mittlerweile viele „Frankfurt zugehörig“.

Doch für diejenigen, die sich die steigenden Mieten und Kaufpreise nicht leisten können, wird in Offenbach bislang eher wenig getan, geförderter Wohnraum entsteht nur in geringen Mengen. In künftigen Baugebieten wie Waldhof-West soll der Anteil an geförderten Wohnungen aber höher liegen als bisher. Als teils nicht mehr aktuell bezeichnet Noé die Erzählung von der „Arrival City“ Offenbach, von wo diejenigen, die den sozialen Aufstieg schaffen, schnell wieder wegwollten. Stattdessen berate er regelmäßig Kinder oder Enkel von Migrantinnen und Migranten, die gut verdienten und in Offenbach Häuser und Wohnungen kauften. „Die Leute sagen, Offenbach find’ ich gut, hier bleib’ ich“, berichtet Noé. Allerdings wird genau das bei den steigenden Preisen schwieriger, zumal das Einkommen pro Kopf in keiner anderen Großstadt der Region so niedrig ist wie in Offenbach – und die Arbeitslosenquote nirgends so hoch.

Interessant: Der in Offenbach mancherorts sehr präsente Fluglärm spielt nach Ansicht der Experten beim Wohnungskauf kaum eine Rolle. Kaum jemand erkundige sich in den Beratungsgesprächen danach.

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