Kaum ein Block, in dem nicht gebaut wird: In der Bettinastraße entstehen 45 Mietwohnungen.
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Kaum ein Block, in dem nicht gebaut wird: In der Bettinastraße entstehen 45 Mietwohnungen.

Wohnen in Offenbach

Wohnen wird deutlich teurer

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Die Mieten in Offenbach steigen mehr als in den Jahren zuvor. Die Politik reagiert gelassen.

Die Hochschule für Gestaltung (HfG) hat zu Beginn dieser Woche einen Aufruf gestartet: Es werden dringend Unterkünfte für Gaststudierende gesucht, ist darin zu lesen. Angesichts der „äußerst angespannten Wohnraumsituation“ sei es sowieso schon „sehr schwer“ geworden, in Offenbach bezahlbare Unterkünfte zu finden. Aber bei den Gästen aus dem Ausland sei das angesichts deren temporären Aufenthalts in der Stadt mittlerweile sogar „fast unmöglich“.

Wie passt diese Beschreibung einer Wohnungsnot mit den vielen Leuten zusammen, die es unter anderem wegen günstiger Mieten und denen für WGs noch bezahlbaren Altbauwohnungen nach Offenbach zieht? Hinter dem Appell der HfG stehen konkrete Zahlen: Wie dem neuen, ab Januar gültigen Mietspiegel für Offenbach zu entnehmen ist, steigen die Bestandsmieten in der Stadt – und zwar stärker als in den Jahren zuvor. In bestimmten Wohnlagen sind die Mieten in den letzten zwei Jahren um knapp einen Euro pro Quadratmeter angestiegen.

Im Vergleich zu Städten wie Frankfurt oder Mainz sind die Mieten in Offenbach zwar noch günstig. Der Anstieg bei den Bestandsmieten, der im Mietspiegel in Form von Richtwerten erfasst wird, ist aber deutlich. Ein Beispiel: Lag die durchschnittliche Miete in einer 50-Quadratmeter-Wohnung aus dem Jahr 1965 in normaler Lage 2014 noch bei 6,70 Euro pro Quadratmeter und 2016 bei 6,95 Euro, liegt er 2018 nun plötzlich bei 7,80 Euro (kalt). „Die Richtwerte steigen unabhängig von Wohnlage und Ausstattung“, sagte Wohnungsdezernent Peter Schneider (Grüne) bei der Vorstellung des Mietspiegels. Heißt: Die wärmegedämmte Wohnung mit Mainblick wird teurer – das zugige Altbauzimmer in der Erdgeschoss-WG aber auch.

Neubauprojekte sind meist zu teuer

Die an der Erstellung des Mietspiegels beteiligten Akteure – das sind Vertreter der Mieter- und Vermieterseite sowie das Wohnungsamt – schlagen trotz der Steigerungen keinen Alarm. „Diese Steigerungen sind nachvollziehbar und im Rahmen“, sagt etwa der Geschäftsführer des Offenbacher Mieterbundes, Detlev Dieckhöfer.

Der Leiter des Wohnungsamts, Lars Uhlig, liest aus den steigenden Mieten einen „Ausdruck der steigenden Wertschätzung für den Standort Offenbach“. Und Peter Schneider sagt: „Es gibt schon noch bezahlbaren Wohnraum“. Der Grünen-Politiker verweist dabei auf die Durchschnittsmiete bei der städtischen Wohnungsgesellschaft GBO, die bei 6,30 Euro pro Quadratmeter liege. Aber er sagt auch: „Der Druck auf die Mieten nimmt aufgrund der Marktsituation zu.“

Mit der Richtlinie, dass Neubauprojekte mit über 50 Wohnungen mindestens 30 Prozent geförderten Wohnraum vorweisen sollen, sieht Schneider die Stadt gut aufgestellt. Und die GBO sei so „aktiv wie es nur geht“. Die Idee der Einführung einer Milieuschutzsatzung für Quartiere wie das Nordend, sieht Schneider kritisch: „Wenn wir das machen, werden wir die erhoffte Sanierung des Altbaubestands sofort wieder abbrechen.“

An Neubauprojekten mangelt es in der Stadt nicht: Hunderte neue Wohnungen entstehen zurzeit – auch zur Miete – vor allem in der Innenstadt und im Nordend, wo alte Industrieflächen oder Parkplätze bebaut werden. Denen, die wenig Geld haben, hilft das aber nur bedingt: Selbst die von der Baugenossenschaft Odenwaldring errichteten Wohnungen an der vielbefahrenen Sprendlinger Landstraße kosten pro Quadratmeter zehn Euro.

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