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Die „pornografische Serie“ von Christine Metzner im Superladen in Offenbach.
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Die „pornografische Serie“ von Christine Metzner im Superladen in Offenbach.

Offenbach

Wirbel um Porno-Kunst in Offenbach

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
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Mit sexuellen Motiven veränderte Ikonen von der Frankfurter Designerin Christine Metzner verärgert die christlich-orthodoxe Gemeinde. Oberbürgermeister Felix Schwenke schaltet sich in den Streit ein und mahnt zur Mäßigung.

Seit nunmehr 20 Jahren öffnet jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit der Superladen in Offenbach seine Türen für Künstlerinnen und Künstler. In einem leerstehenden Ladenlokal, in diesem Jahr in der Frankfurter Straße 31, können sie dort ihre Werke ausstellen und verkaufen. 21 Kunstschaffende sind diesmal dabei und noch nie hat der Superladen so viel Aufmerksamkeit erregt. Das liegt an der „pornografischen Serie“ der Frankfurter Designerin Christine Metzner. Sie hat sexuelle Motive mit Bügelperlen auf Ikonen geklebt.

„Auslöser für diese Arbeit ist der sexuelle Missbrauch an Kindern in der Kirche. Die meisten veröffentlichten Fälle betreffen die katholische Kirche. Der Missbrauch zieht sich jedoch durch alle Konfessionen“, erklärt sie ihre Intention.

Die christlich-orthodoxe Gemeinde in Offenbach fühlt sich durch die Darstellungen brüskiert. Darunter auch Zacharoula Bellou. Sie ist CDU-Stadtverordnete und Friseurmeisterin und ihr Geschäft liegt direkt neben dem Superladen. Sie hat durch das Schaufenster die Werke von Metzner gesehen: „Das hat nichts mit künstlerischer Freiheit zu tun, das ist geschmacklos. Es ist despektierlich und abstoßend“, findet sie. Die Organisatorin des Superladens, Anja Hantelmann, hat die anstößigen Bilder zumindest in einen der hinteren Räume gehängt. Ganz abhängen kam für sie nicht infrage.

OB schaltet sich ein

Bei der offiziellen Eröffnung am vergangenen Samstag ist Bellou mit fünf anderen Mitgliedern der griechisch-orthodoxen Gemeinde in den Superladen gegangen, um die Künstlerin zu konfrontieren. „Wir waren friedlich, einige auch etwas laut. Aber sie hat uns keine Antwort gegeben“, sagt Bellou. „Hätte sie alle Religionen oder Kirchen genommen, hätten wir nichts gesagt.“ Aber ausgerechnet Ikonen der Ostkirche zu nehmen, wo Priester auch heiraten dürfen, zeugt aus Sicht von Bellou davon, dass sich die Künstlerin vorher nicht mit Ikonen beschäftigt habe. „Die verwendeten Ikonen sprechen nur eine Religion an, die christlich-orthodoxe. Das ist eine berechtigte Kritik. Gemeint ist jedoch die religiöse Institution im Allgemeinen“, sagt Metzner. Die Ikone stehe als Symbol für die starren, festgefahrenen Dogmen und Strukturen in der Kirche.

Weil der Streit über die Kunstwerke auch in die sozialen Medien überschwappte, sah sich Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) zu einer Stellungnahme genötigt. „Das Grundgesetz garantiert Religionsfreiheit und Kunstfreiheit“, sagte der OB. Er forderte zur Mäßigung im Tonfall auf und hält Aufforderungen zur Gewalt oder Anspielungen wie „Es wird wie bei Charlie Hebdo“ für „unerträglich“. Schwenke schickte sogar kurzfristig Stadtpolizisten vor den Superladen, die dort aber nicht lange blieben.

Bis zum 24. Dezember ist der Superladen noch geöffnet. Ohne den großen Wirbel wären die Kunstwerke von Christine Metzner einer großen Öffentlichkeit sicher nie bekannt geworden.

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