Antje Hagel leitet das Fanprojekt der Offenbacher Kickers seit 2001.
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Antje Hagel leitet das Fanprojekt der Offenbacher Kickers seit 2001.

Interview

"Wir reagieren sofort"

Antje Hagel vom Kickers-Fanprojekt spricht mit Madeleine Reckmann über Versteckspiele im Stadion, Symbole der Rechtsextremen und ihren Kampf gegen Rassissmus und Sexismus.

Frau Hagel, laut Antifa-Gruppe hissen Fans Reichskriegsflaggen auf dem Bieberer Berg, und manche tragen Pullis mit nicht-verbotenen Nazi-Symbolen. Stimmt das ?Die Beobachtungen sind richtig. So etwas gibt es im Stadion, bei Kickers-Fans aber nicht häufiger als bei anderen. Die Symbole werden so ausgesucht, dass sie nicht verboten werden können. Das ist ja das Prinzip des Versteckspiels. Die Rechtsextremen wollen mit nicht-verbotenen Codes ihre Gesinnung zeigen.

Was kann man dagegen tun?Der Verein hat wenig Handhabe. Die Stadion-Betreiber und Vereine gehen unterschiedlich damit um. In einigen Stadien sind solche Codes durch die Stadionordnung untersagt. In Offenbach gibt es wie in 46 anderen deutschen Städten das sozialpädagogische Fanprojekt, eine Art Ansprechpartner für Fans. Wir vermitteln günstige Fahrten zu Spielen, helfen bei Problemen mit der Polizei. Wir möchten, dass alle teilnehmen können am "Feeling Bieberer Berg". Deshalb arbeiten wir auch gegen Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und Homophobie.

Wie arbeiten Sie gegen rechtsextreme Tendenzen?Wir stärken die Leute, die etwas gegen die Rechten haben und reagieren sofort, wenn einer sich zu erkennen gibt. Dabei können wir im Stadion nicht überall sein und sind darauf angewiesen, dass Leute uns darauf hinweisen. Als sich einmal Zuschauer beschwerten, dass der Mitarbeiter eines Imbissstands ein T-Shirt mit Nazi-Symbolen trug, haben wir den Verein informiert. Der entschied, dass der Mann das Shirt auszuziehen hatte. Er trug dann Arbeitskleidung für den Rest des Spiels.

Sind Rechtsextreme eine Gefahr im Stadion?Sie gehen nicht soweit, offen im Stadion Leute zu rekrutieren. Das würden sie an anderen Orten tun, die nicht so gut kontrolliert sind. Wir klären in Schulen, Jugendzentren und bei den Kickers darüber auf, woran Rechte zu erkennen sind. Man muss wissen, mit wem man es zu tun hat.

Hat Ihre Arbeit Erfolge?Ich denke schon. Es gibt eine hohe Sensibilität, auf Rechtsradikale zu reagieren. Auch bei dem Offenbacher Phänomen, die Frankfurter als "Judde" zu bezeichnen. Das ist ein antisemitisches Stereotyp innerhalb der lokalen Rivalität aus der Zeit vor 1933. Wir versuchen das Wort "Die Unaussprechlichen" dafür zu etablieren. Die meisten Leute wissen, dass "Judd" nicht okay ist und reden von den Unaussprechlichen. Aber das ist eine Arbeit auf lange Sicht.

Interview: Madeleine Reckmann

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