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OPG-Geschäftsführerin Daniela Matha schätzt Diskussionen und Meinungsvielfalt.

Stadtentwicklung in Offenbach

"Wir können die Gunst der Stunde nutzen"

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Widerstände bei der Hafenbebauung in Offenbach: Planerin Daniela Matha über die Schwierigkeiten bei der Verwirklichung eines Immobilienprojekts.

Das Frauen-Team der Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft OPG ist in Berlin der „Women in Real Estate“-Award 2018 verliehen worden. Im Interview spricht OPG-Geschäftsführerin Daniela Matha über die Gründe für den Erfolg, das Verhältnis zu Frankfurt und die Bedeutung des Immobilienpreises.

Im Radio lief heute Morgen der Song „This is a woman’s world“. Trifft das Ihrer Ansicht nach zu?Nein. Wir sind noch ganz weit davon entfernt, auch wenn sich in den vergangen Jahren einiges verändert hat.

Wie sieht es in der Immobilienbranche aus?
Da sind Frauen in Führungspositionen eher die Ausnahmen.

Wie kam es dazu, dass an der OPG-Spitze Frauen stehen?
Das ist eher Zufall. Bei Einstellungen lege ich Wert auf Diversität. Dabei geht es nicht nur um Mann und Frau, sondern vor allem darum, welche Fähigkeiten und Leistungsbereitschaft jemand einbringen kann. 

Haben Frauen einen anderen Führungsstil?
Das weiß ich nicht. Den Führungsstil bei der OPG würde ich auch nicht in die Kategorie männlich/weiblich einordnen. Das ist mir zu plump. Uns ist wichtig, dass wir kooperativ führen und einen hohen Kommunikationsaufwand betreiben. Wir schätzen Diskussionen und Meinungsvielfalt.

In der Laudatio wurde hervorgehoben, Sie und Ihre beiden Kolleginnen hätten sich „gegen viele Widerstände“ bei der Hafenbebauung durchgesetzt. Was ist damit gemeint?
Die Anforderung bestand im Jahr 2001 darin, das Image eines Ortes zu prägen, der damals noch gar nicht als Ort für hochwertiges Wohnen und Arbeiten erkennbar und auch nicht akzeptiert war. Wir mussten jeden einzelnen Investor davon zu überzeugen, nach Offenbach zu kommen.

Den Investoren fehlte anfangs wohl die Phantasie, dass aus der Industriebrache ein attraktives Stadtviertel werden könnte.
Das kann man so sagen. Aber wir konnten sie überzeugen.

Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung?
Ich finde sie so wertvoll, weil der Preis zeigt, dass wir als Team hervorragend funktioniert und Innovationskraft sowie Weitblick und Mut bewiesen haben.

Verliehen wurde Ihnen der Preis für die Revitalisierung des früheren Industriehafens. Damit hätten Sie starke Impulse für den Kreativ- und Wirtschaftsstandort geliefert und dafür gesorgt, dass Offenbach nicht mehr im Schatten Frankfurts stehe, hieß es. Stimmt das überhaupt? Offenbach wäre ohne die Nähe zu Frankfurt doch nur halb so attraktiv, oder?
Natürlich spielen die steigenden Immobilienpreise in Frankfurt eine Rolle, ebenso die Ansiedlung und die Zinspolitik der EZB. Doch man darf nicht vergessen: Wenn Offenbach nicht in Infrastruktur, Versorgung und Lebensqualität investiert hätte, dann würden die Leute heute nicht nach Offenbach ziehen. Denn günstige Mieten gab es hier schon vor zehn Jahren. Hätte die Stadt die Voraussetzungen für das Wachstum nicht geschaffen, könnten wir heute nicht die Gunst der Stunde nutzen.

Investoren werben mit Frankfurt als Standort, selbst wenn ihr Projekt wie die „New Frankfurt Towers“ auf Offenbacher Gemarkung liegt. Kränkt Sie das?
Nein. Das wäre genauso bescheuert, wie wenn Frankfurt nicht auf die Region verweisen würde. Frankfurt funktioniert doch nicht ohne das Rhein-Main-Gebiet und das Rhein-Main-Gebiet nicht ohne Frankfurt, den Flughafen, den Spessart, den Odenwald und den Taunus. Zu glauben, dass wir ein Stadtteil von Frankfurt werden, ist doch Quatsch. Jede Stadt hat ihre Qualitäten und Stärken. Und die sollten wir gemeinsam mit den anderen ausspielen. Nur so werden wir als Region stark.

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