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Corona-Info an der Mathildenschule (Bild: Michael Schick).

Schulen in Offenbach

Wenn der Nebensitzer Corona hat

  • Jonas Nonnenmann
    vonJonas Nonnenmann
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Teils wird über Lausbefall in Offenbach besser informiert als über Corona-Fälle an den Schulen. Woran liegt das? Die FR hat nachgefragt.

Wenn in diesen Tagen ein Platz in der Klasse einer Offenbacher Schule leer bleibt, werden manche schon nervös. Wenn sie untereinander gut vernetzt sind, dann erfahren die Mitschüler:innen und die Eltern, ob der Nebensitzer gerade positiv auf Covid-19 getestet wurde, oder ob es sich nur eine Erkältung eingefangen hat. Aber was, wenn nicht? Und wer ist zuständig dafür, die Eltern zu informieren?

Die Schulen selbst, zeigen mehrere Gespräche, gehen mit den Fällen unterschiedlich um. An der Mathildenschule beispielsweise verteilen Lehrer:innen in einigen Klassen Zettel, auf denen informiert wird, dass es einen Corona-Fall gab. Bei den städtischen Behörden kommt solche Eigeninitiative aber nicht unbedingt gut an. Der FR ist ein Fall an einer Grundschule bekannt, an dem sich die Eltern eines infizierten Kindes an den Elternbeirat gewandt haben, damit die Klassenkamerad:innen und deren Familien gewarnt werden. Vom Staatlichen Schulamt Offenbach sei der Schule daraufhin untersagt worden, den Fall an die Klasse zu kommunizieren – aus Datenschutzgründen.

Corona-Fälle in Offenbacher Schulen

„Wenn ein Kind Läuse hat, werden die Klassen informiert. Bei Corona-Fällen nicht“, ärgert sich eine Mutter. Die Sache mit den Läusen hat mit dem Infektionsschutzgesetz zu tun, Paragraph 34 – das erklärt Bernhard Bornhofen, Leiter des Offenbacher Gesundheitsamtes. Auf Grundlage des Gesetzes kann das Amt anordnen, dass das Auftreten einer Erkrankung oder auch nur eines Verdachts in einer Einrichtung bekannt gegeben wird. Das Problem: unter den Krankheiten, die das betrifft, ist Covid-19 nicht aufgeführt. Aktiv wird das Gesundheitsamt deshalb in der Regel nur, wenn es in der Klasse Kinder gibt, die als „Kontaktperson 1“ gelten. Das ist in Offenbach meist nicht der Fall. Wegen der Maskenpflicht gilt das Risiko einer Übertragung als gering - allerdings nur, wenn sich die Kinder an die Regeln halten. Und viele Eltern bezweifeln, dass sie das tun.

„Mein Sohn saß auch direkt neben einer positiv getesteten Mitschülerin und musste weiter zur Schule. Die Kinder sitzen auch gemeinsam am Mittagstisch und da haben sie keine Maske auf und auch kein Abstand, großartig“, so kommentiert eine Facebook-Userin einen Text der Offenbach-Post zum selben Thema. Es gibt auf Facebook viele ähnliche Kommentare. Eine Elternbeirätin der Schillerschule berichtet, dass sie und andere erreicht hätten, dass eine achte Klasse komplett in Quarantäne geschickt wurde. Zuvor seien über drei Wochen fünf Kinder positiv getestet worden.

Inzwischen liegt der FR eine Stellungnahme der Stadt und des Staatlichen Schulamtes Offenbach vor. „Aus Datenschutzgründen sehen wir die Information durch Lehrer kritisch – da meist ja [nur] ein Kind in Quarantäne ist, outet die Information zwangsläufig eine konkrete Person“, heißt es vonseiten der Stadt. Überhaupt habe eine solche Information „keinen Mehrwert“, da die besonders gefährdeten Kontaktpersonen 1 direkt durch das Gesundheitsamt kontaktiert würden. Das Gesundheitsamt informiere Schulen und andere Einrichtungen nur, „wenn die Notwendigkeit zu Schutzmaßnahmen [..] besteht“. In den meisten Fällen sei keine Weitergabe von Daten notwendig und auch nicht gestattet. Entgegen einer früheren Version des Textes war es nicht das Schulamt der Stadt, sondern das Staatliche Schulamt des Landes Hessen, das sich gegen die Kommunikation eines Corona-Falls an Eltern gesperrt hatte. Das Staatliche Schulamt lässt nun aber mitteilen, dass es „in der momentan emotional sehr angespannten Lage [..] in Schulen großen Wert auf Transparenz“ lege. „Gegen eine Information der betroffenen Personengruppen (Lehrkräfte, Eltern, Schülerinnen und Schüler) gibt es deshalb keine Bedenken, allerdings muss diese Information aus Datenschutzgründen ohne Nennung des Namens erfolgen“, teilt das Staatliche Schulamt mit.  (Jonas Nonnenmann) (aktualisiert am 09.12.2020, 16.45 Uhr)

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