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Wohnen und schlafen auf engstem Raum: Kinder der Familie Malavi.
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Wohnen und schlafen auf engstem Raum: Kinder der Familie Malavi.

Armut in Offenbach

Wenn die Not zum Dauerzustand wird

Eine neunköpfige Familie lebt in Offenbach auf armseligen 64 Quadratmetern, und die Stadt zahlt dafür monatlich 3000 Euro. Der Grund: Die Nachfrage nach Notunterkünften ist größer als das Angebot. Das treibt die Mieten in die Höhe.

Von Monica Bielesch

Eine neunköpfige Familie lebt in Offenbach auf armseligen 64 Quadratmetern, und die Stadt zahlt dafür monatlich 3000 Euro. Der Grund: Die Nachfrage nach Notunterkünften ist größer als das Angebot. Das treibt die Mieten in die Höhe.

Zwei Stundenpläne für die Schule hängen mit Tesafilm befestigt an der Wand des schmalen Flures. Sie hängen leicht schief und sehen verloren aus. Sie sind das einzige, was in den drei Räumen daran erinnert, dass hier, auf 64 Quadratmetern, sieben Kinder wohnen. Seit über einem Jahr lebt die Familie Malavi (alle Namen geändert) in dieser Notunterkunftswohnung in der Gustav-Adolf-Straße, weil ihr letzter Vermieter sie auf die Straße gesetzt hat. Und doch sieht es aus, als wenn sie erst gestern angekommen seien.

„Wir haben keine Möbel“, berichtet der Vater Sahlid. Nur ein paar wackelige Schränke, mit Klebeband notdürftig zusammengehalten, gibt es für die neun Personen. Darum ist vieles der Habe noch in Koffern. Die Schuhe der Kinder liegen in Plastiktüten im Flur. Für die neun Personen gibt es nur vier Betten, die Eltern Sahlid und Eliane schlafen auf Matratzen auf dem Boden.

Für die Jungen im Alter zwischen sieben und 14 Jahren gibt es kein Spielzeug. „Wir dürfen auch keinen Fernseher oder eine Waschmaschine haben“, berichtet der 44-jährige Familienvater. In der Küche mit den wenigen Schränken und einem kleinen Tisch befinden sich zugleich die Dusche und ein winziges Waschbecken. Für diese Behausung, in der in einem Raum die Heizung auch im Sommer permanent läuft, weil sie kaputt ist, zahlt die Stadt Offenbach an den Vermieter 3000 Euro im Monat.

Eigentlich sind solche Notunterkünfte nur für kurzfristige Notlagen gedacht. Das sagt auch Matthias Schulze-Böing, Leiter der Mainarbeit und in Offenbach zuständig für die Vergabe von Wohnungen und Notunterkünften. „Das sind keine dauerhaften Unterbringungen, sondern nur vorübergehende Lösungen.“ Eigentlich sollen von Obdachlosigkeit bedrohte Menschen schnell wieder in eine normale Wohnung ziehen. Aber, so weiß Ellen Vaudlet vom Sozialen Netzwerk Offenbach, besonders kinderreiche Familien haben am Wohnungsmarkt keine Chance.

Allein in der Gustav-Adolf-Straße leben zwei Familien schon bis zu vier Jahre. Sahlid Malavi und Eliane haben schon mehr als ein Dutzend Makler und Vermieter gefragt. „Wenn die hören, die Interessenten sind Hartz-IV-Empfänger und haben viele Kinder, dann geht nichts mehr“, so Vaudlet. Sie unterstützt die Familie seit einigen Monaten im Kampf um eine bessere Unterbringung.

Für die ehrenamtliche Helferin Vaudlet ist es unverständlich, warum die Stadt Offenbach lieber viel Geld für eine Notunterkunft zahlt statt einer viel geringeren Miete, die allerdings oberhalb der Bemessungsgrenzen läge. Das liege leider in der Logik des Systems, bedauert Sozialdezernent Felix Schwenke (SPD). Es gebe bei der Vergabe von Wohnungen an Bedürftige bestimmte Richtlinien hinsichtlich Größe und Preis, so Schwenke. „Das wurde und wird künftig auch weiter so praktiziert.“ Mit Blick auf die Allgemeinheit könne die Stadt keine Einzelfall-Ausnahmen machen. Allerdings gibt Schwenke zu: „Wir sind uns bewusst, dass so viele Personen auf 64 Quadratmetern keine gute Belegung ist.“

Organisiert wird die Vergabe der Notunterkünfte vom Evangelischen Verein für Wohnraumvergabe mit Sitz in Frankfurt. Peter Schäfer, einer von zwei Geschäftsführern dieser Diakonischen Einrichtung, bestätigt einen Belegungsvertrag für das Haus in der Gustav-Adolf-Straße im Auftrag der Stadt. Hauseigentümerin ist die Firma „K+R Liegenschaften GbR“. Weil die Nachfrage nach Notunterkünften größer sei als das Angebot, treibe das die Mieten in die Höhe, sagt Schäfer.

Familie Malavi wurde die Wohnung als „möbliert“ vermietet. „Da waren nur vier Betten und die winzige Küche drin“, erinnert sich Vater Sahlid. Schäfer weiß von den Zuständen. „Der Markt funktioniert so“, meint er lapidar. Er betont, dass der evangelische Verein nur die Logistik der Wohnraumbeschaffung für die Stadt erledige: „Mit dem Zustand der Häuser haben wir nichts zu tun.“

Auch Kapazitäten in Hotels und Pensionen werden als Notunterkünfte genutzt, so Schäfer: „Es gibt temporär immer zu wenig Platz.“ Gerade im Winter übersteige die Nachfrage das Angebot. Für Großfamilien wie die Malavis hat Schäfer wenig Hoffnung. Aber da die Nachbarwohnung der Malavis leer geworden sei, sei eine Erweiterung denkbar.

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