Bundeswehrsoldat:innen verstärken inzwischen das Offenbacher Gesundheitsamt.
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Bundeswehrsoldat:innen verstärken inzwischen das Offenbacher Gesundheitsamt.

Offenbach

Weniger Kontaktpersonen müssen in Quarantäne

  • Jonas Nonnenmann
    vonJonas Nonnenmann
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Die Zahl der Menschen in Quarantäne im Verhältnis zu den Infizierten ist in Offenbach stark gesunken.

Je mehr Menschen sich mit dem Coronavirus infizieren, umso mehr Kontaktpersonen müssen in Quarantäne, könnte man meinen. In Offenbach gibt es eine umgekehrte Entwicklung – während die Infektionszahlen auf einem Allzeithoch sind und die Sieben-Tages-Inzidenz bei 342 Fällen pro 100 000 Einwohner, ist die Zahl der Offenbacher:innen in Quarantäne im Verhältnis zu den Infizierten stark gesunken.

Das zumindest legt eine stichprobenartige Überprüfung der Zahlen der vergangenen Wochen nahe, welche die Stadt täglich mitteilt. Am 15. Juni standen fünf Corona-Infizierte in einem Verhältnis zu 61 Kontaktpersonen in Quarantäne. Am 15. September dann: 33 Infizierte und 163 Menschen in Quarantäne. Die aktuellen Zahlen vom Donnerstag, 12. November, ergeben ein komplett anderes Bild. Bei 689 akut Infizierten befinden sich lediglich 379 Kontaktpersonen in häuslicher Isolation, der Wert vom Vortag ist ähnlich. Wie lässt sich das erklären?

Laut Stadtsprecherin Kerstin Holzheimer hängen die gesunkenen Zahlen wohl mit neuen Vorgaben des Landes Hessen zusammen. Kontaktpersonen gelten nur als gefährdet, wenn sie länger als 15 Minuten in der Nähe eines oder einer Infizierten waren und bei weniger als 1,5 Meter Abstand keine Maske getragen haben. Das hat zur Folge, dass bei einer Infektion im Büro oder in einer Schulklasse in der Regel davon ausgegangen wird, dass die Anderen sich nicht angesteckt haben – ob das dann auch stimmt, weiß keiner mit Sicherheit. Insbesondere an Schulen sorgt das für Diskussionen. Infizierte Kinder sind bekanntlich oft symptomfrei, und das städtische Gesundheitsamt hätte derzeit wohl nicht die Kapazitäten, die Kinder aller betroffenen Klassen zu testen. Laut Stadt werden nur noch „wichtige“ Kontakte verfolgt, darunter Menschen, die mit Infizierten im selben Haushalt leben. Die 90 Mitarbeiter:innen und Helfer:innen im städtischen Gesundheitsamt arbeiteten am Limit, heißt es. Sie haben unter anderem die Aufgabe, möglichst einmal pro Tag mit den Menschen in häuslicher Isolation zu telefonieren.

Dazu kommt, dass sich offenbar einige der in Quarantäne geschickten Personen nicht an die Vorschriften halten. Wie Hessenschau.de berichtet, stellte die Stadtpolizei innerhalb von wenigen Tagen 51 Quarantäne-Verstöße fest. Bleibt die Frage, wo sie denn nun sind, die Menschen, die morgen merken werden, dass sie sich heute mit dem Coronavirus angesteckt haben. Dass sich viele davon in offiziell angeordneter Quarantäne befinden, ist angesichts der Zahlen dann doch eher unwahrscheinlich.

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