Offenbach

Das wahre Offenbach

  • Silvia Bielert
    vonSilvia Bielert
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Schweitzer-Schüler sollen ihre Stadt hör- und sichtbar machen. Kunstprojekt hat Fördergelder beantragt.

Das wahre Gesicht der Stadt Offenbach wollen Schüler der Albert-Schweitzer-Schule in einem großangelegten fachübergreifenden Projekt musikalisch wie literarisch aufarbeiten. „Offenbach is almost interesting“ haben es die betreuenden Lehrer Sebastian Krämer, Elena Tsatsa und Gaetano Biccari genannt. In Anlehnung an den Slogan bei der Architekturbiennale 2016: „Offenbach is almost right.“

Das Projekt soll Offenbach hörbar und sichtbar machen. Warum? Weil „kaum eine andere deutsche Stadt in diesen Tagen so polarisiert wie Offenbach“, schreiben die Lehrer in ihrer Bewerbung um Fördergelder an den Regionalfonds Frankfurt Rhein-Main. Schließlich wurde die Stadt auf der Architekturbiennale 2016 als herausragendes Beispiel gelungener Integration gefeiert, obwohl seine Kritiker nur ein „Nebeneinander von Parallelgesellschaften“ im Schatten der Mainmetropole Frankfurt sehen wollen.

Initiator Sebastian Krämer findet seine Schule prädestiniert dafür. „Wir unterrichten bei uns 100 Nationen und sind als Schule ohne Rassismus ausgezeichnet.“ Der Regionalfonds ist überzeugt und fördert das Schulprojekt mit 5000 Euro als eines von 20 hessenweit im Rahmen seines Programms „Kunstvoll“.

Bei seiner Vorrecherche stieß Krämer auf zahllose Anekdoten und Artefakte im Haus der Stadtgeschichte. Sie sollen die Schüler der 6. bis 8. Klassen und der Oberstufe in den Fächern Musik, Deutsch, Theater und Geschichte inspirieren, um Texte, Theaterszenen und eigene Klang- und Songkompositionen zu Offenbach zu erschaffen. Außerhalb des Schulbetriebs sind Schreibworkshops mit Autorin Silke Scheuermann und eine Theater- und Schreibfahrt geplant.

Doch nicht nur das heutige, auch das alte Offenbach sollen die Schüler aufarbeiten. Das im Grünen gelegene Dorf nämlich, das im 18. Jahrhundert Wirkungsort für Sophie von la Roche oder Goethe war. Hinzu kommen zahlreiche Querverweise in der Stadtgeschichte zu Mozart, Büchner und anderen alten Bekannten. Und auch das Offenbach am Ende des Zweiten Weltkrieges, das seinen historischen Stadtkern durch Abriss verlor und als Industriestadt neu erfunden wurde, soll bedacht werden. Am Ende, so stellt es sich Krämer vor, soll die Stadt in ihrer historischen Entwicklung bis zur modernen Arrival City, wie sie sich selbst nennt, nachzuvollziehen sein.

Im Frühjahr 2018 wollen die Schüler das Ergebnis der Öffentlichkeit vorstellen.

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