Felix Schwenke (SPD)

Offenbach

Vollzeit-Papa für dreimal vier Wochen

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Zu Hause im Kinderland: Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke nimmt Elternzeit.

Als Wiesbadens Oberbürgermeister Achim Exner (SPD) 1991 nach der Geburt seiner Tochter ein halbes Jahr Erziehungsurlaub nehmen wollte, galt er als Paradiesvogel. Dass ein Spitzenpolitiker vermeintlich seine Karriere aufs Spiel setzte, um sich seinem Kind zu widmen, war damals außergewöhnlich. Die Medien rannten ihm die Bude ein. Was selbstverständlich auch damit zu tun hatte, dass er ein Mann ist.

Weil Exner mit der Mutter der gemeinsamen Tochter nicht verheiratet war, war er nicht sorgeberechtigt und hatte keinen Anspruch auf Erziehungsurlaub. Er beantragte Teilzeitarbeit und regierte die Stadt sechs Monate überwiegend von zu Hause aus.

Politikerinnen, die einen Tag in der Woche zu Hause bleiben oder auch mal um 16 Uhr bei ihren Kindern sein wollten, erlebten dagegen, wie man heute sagt, einen Shitstorm. „Wie faul darf eine Ministerin sein?“, titelte 1992 die „Bild“-Zeitung über die dreifache Mutter und Familienministerin Brigitte Unger-Soyka, die es gewagt hatte zu verkünden, in der Politik „kein Männerleben“ führen zu wollen.

Als Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) jüngst ankündigte, ab 17. Mai dreimal vier Wochen Babypause für sein zweites Kind zu nehmen, war das kein großer Aufreger mehr. Das wäre vielleicht anders gewesen, wenn er ein halbes Jahr Auszeit am Stück genommen hätte. So folgen auf die vierwöchigen Pausen jeweils zwei Monate im Amt.

„Auf diese Weise können wir alles in der Verwaltung gut organisieren. Und ich kann sowohl meiner Familie als auch meinem Amt gerecht werden“, sagt Schwenke, der für die Babypause auf sein Gehalt verzichtet. Seine Vertretung sei im Dezernatsverteilungsplan geregelt, sagt er.

CDU und FDP unterstützen ihren Kollegen von der SPD

Seine männlichen Magistratskollegen Peter Freier (CDU) und Paul-Gerhard Weiß (FDP) nennen den Wunsch Schwenkes, Zeit mit seiner jungen Familie verbringen zu wollen, „völlig nachvollziehbar“. Sie wollen seine Entscheidung unterstützen, „indem wir drei Monate lang eine Schippe drauflegen“.

Wird sich der OB komplett aus der Politik raushalten? Schwenke zögert mit der Antwort. „Ich will versuchen, echte Elternzeit zu machen. In Notfällen bin ich natürlich erreichbar.“ Eine Botschaft verbindet er nicht mit der Elternzeit. Das sei eine private Entscheidung. „Ich mache es wegen meiner Kinder.“

Wie stellt er sich den Alltag mit sechsmonatigem Sohn und fast dreijähriger Tochter vor? „Ich will einfach mal meine Kinder sehen, mit ihnen in den Zoo gehen, spielen und vorlesen.“ Und Windeln wechseln? „Das auch. Klar kann ich das.“ Allein muss er den Alltag übrigens nicht bewältigen. Seine Frau Viola ist auch noch da.

Felix Schwenke ist auch am Wochenende viel unterwegs

Bisher sieht Schwenke Tochter und Sohn eher selten. Selbst an Wochenenden ist er meistens unterwegs. Seit seinem Amtsantritt im Januar 2018 habe er fünf Wochenenden freigehabt. „Das ist die Antwort auf Ihre Frage, warum ich Elternzeit nehme.“

Die Tochter freut sich schon riesig auf ihren Papa. Sie hat klare Vorstellungen, wie sie ihn beschäftigen will. „Dann spielen wir den ganzen Tag“, hat sie klargestellt. Schon lange bringt Schwenke die Tochter morgens in den Kindergarten. Das lässt sein Job zu. Abends kommt er selten vor 22 Uhr nach Hause.

Auch beim ersten Kind war er drei Monate zu Hause. Das war 2016 allerdings kein lang vorbereiteter Plan, sondern den politischen Verhältnissen geschuldet. Vier Wochen vor der Geburt der Tochter war er von der Koalition als Kämmerer abgewählt worden. Aus dieser unerfreulichen Erfahrung hat er dann das Beste gemacht und sich dem Baby gewidmet, bevor er einen Job bei Ernst & Young übernahm. (mit som)

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