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Verwandlung in ein anderes Ich

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Von: Agnes Schönberger

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Maskerade: Der 14-jährige Ushawu Yakubu B. stammt aus Ghana.
Maskerade: Der 14-jährige Ushawu Yakubu B. stammt aus Ghana. © Klaus Schneider-Grimm

Schüler einer Intensivklasse haben sich an einem ungewöhnlichen Fotoprojekt beteiligt. Die Ergebnisse sind jetzt in einer Ausstellung zu sehen.

Es erfordert Mut, die eigene Eitelkeit zu unterdrücken oder die Scheu zu überwinden, um ein fremdes Ich darzustellen“, sagt Klaus Schneider-Grimm über sein Fotoprojekt, das der freischaffende Maler und Fotograf an der Offenbacher Albert-Schweitzer-Schule mit zwölf Schülerinnen und Schülern einer Intensivklasse im Herbst 2017 begonnen hatte. Der Anspruch war hoch.

Vom gewachsenen Selbstbewusstsein der aus aller Welt stammenden Teilnehmer und des „Schulkünstlers“ Schneider-Grimm zeugt auch der Titel der gestern eröffneten Ausstellung: „Milan-Fashion, London-Fashion, Albert-Fashion“ stellt eine Verbindung zwischen den berühmten Modewochen und Offenbach her. Die Fotografien maskierter, bemalter und kostümierter Jugendlicher sind zwei Wochen lang im Erdgeschoss der Schule zu sehen.

Anne Bulian, die Klassenlehrerin der Intensivschüler, lobt das Projekt. Denn es biete den Jugendlichen, die häufig ohne Deutschkenntnisse hierhergekommen seien, die Möglichkeit, sich relativ schnell in den Schulalltag zu integrieren. Bulian hat beobachtet, dass die Projektteilnehmer sich verändert hätten. „Sie sind zusammengewachsen und selbstbewusster geworden“, sagt sie. Die Jugendlichen bestätigen diesen Eindruck. Auf die Frage, ob sie sich schön fänden, antworten alle mit einem lauten „Ja“.

Schneider-Grimm berichtet, die Schüler hätten sich gegenseitig unterstützt und Tipps zum Verkleiden, Basteln der Masken oder zur Bemalung gegeben. Josip aus Kroatien überredeten sie, sein Gesicht mit roten und weißen Quadraten zu bemalen, den Farben der Flagge seines Heimatlandes. Dem Zwölfjährigen gefällt’s. „Jetzt sehe ich aus wie ein kroatischer Fußballfan.“

Die 14-jährige Frantzeska aus Griechenland hüllte sich in rosa Tüll, und die gleichaltrige Andreea aus Rumänien ließ sich eine übergroße goldene Stoffschleife über den Kopf stülpen. Ushawu aus Ghana ist besonders stolz auf ein Foto, auf dem er aussehe wie der Joker aus dem Batman-Film.

Schneider-Grimm hatte die Jugendlichen mit großen Vorbildern auf das Projekt eingestimmt: mit den Selbstinszenierungen von Cindy Sherman, den Fotografien von Annie Leibovitz, den großen Laufsteg-Inszenierungen und den „skurrilen Verkleidungen“ (Schneider-Grimm) von Lady Gaga. Das sollte den Teilnehmern Mut machen, sich auf Experimente einzulassen und beim Blick in den Spiegel „das eigene, fremde Selbstbildnis zu ertragen“.

Das Fotoprojekt war eine Aktion des „Offenbacher Brückenschlags“, den Stadt und Schulamt 2004 initiiert hatten. Die Idee: Schulen sollten sich der Gesellschaft öffnen; später wurden Künstler eingebunden. Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) lobte gestern das Projekt, weil es Kreativität und Kunst verstärkt in den Schulalltag einbringe.

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