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Karin Hirsch mit der Schmalfilmkamera Cine Nizo ihres Großvaters Georg Hirsch. 

Offenbach

Verschollen geglaubte Filmraritäten im Offenbacher Capitol zu sehen 

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Historische Aufnahmen aus der Vorkriegszeit werden am 26. April im Vorprogramm von „Kino Variété Rhein-Main“ im Capitol gezeigt.

Immer wieder hatte Günter Hirsch seiner Tochter Karin erzählt, dass ihr Großvater ein passionierter Filmamateur gewesen sei. Mit seiner Schmalfilmkamera Cine Nizo hatte der Kaufmann Georg Hirsch seit den 1930er Jahren Szenen aus dem Offenbacher Alltagsleben aufgenommen. Lange waren die Filme verschollen. Dass sie heute wieder zugänglich sind, ist Karin Hirsch zu verdanken.

Sie erkannte den Wert der Filme, die samt Kamera und Projektor Jahrzehnte in Offenbach auf dem Dachboden einer Tante überstanden hatten. Die Enkelin, die als Psychotherapeutin in München arbeitet, ließ sie digitalisieren.

Die zufällige Wiederentdeckung der Aufnahmen gilt in der Stadt als kleine Sensation, weil sie das älteste, erhaltene Filmmaterial aus einer Zeit sind, in der Offenbach noch nicht vom Krieg gezeichnet war. Am 26. April wird die Filmrarität im Vorprogramm von „Kino Variété - eine Region entdeckt ihre lokale Filmgeschichte“ im Capitol erstmals öffentlich gezeigt.

Die Veranstaltung ist das Jubiläumsprojekt des Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main, der dabei mit Arte/ZDF und dem Deutschen Filminstitut & Filmmuseum kooperierte. Als lokaler Beitrag sind die Fastnachtsumzüge von 1934 und 1936 sowie private Aufnahmen zu sehen, die die Familie im Garten an der Blücherstraße 38 und beim Baden im Main zeigen.

Die beschwingte Film-Show wird mit einer Jonglage beginnen. Dann folgen zwischen den Kurzfilmen von Georg Hirsch und einem Werbefilm der Binding-Brauerei von 1914 Akrobatik des Duos Elabö. Nach der Pause wird die Stummfilmkomödie „Eine tolle Nacht“ von 1926 gezeigt. Dazu spielt die Pianistin Maud Nelissen mit ihrer Jazzband „The Sprockets“.

Uraufführung der Musik in Offenbach

Die Musik, eine Auftragskomposition von Arte/ZDF, erlebt nach Angaben der Veranstalter in Offenbach ihre Uraufführung. Der Geschäftsführer des Kulturfonds, Helmut Müller, sagte, Offenbach habe als jüngstes Mitglied der Organisation „den mit Abstand größten Brocken“ von den insgesamt 100 000 Euro erhalten, die sich der Kulturfonds die 2018 in Frankfurt gestartete Reihe kosten ließ.

Bürgermeister Peter Freier (CDU) dankte Karin Hirsch, weil sie die Filme „gerettet“ habe. Für Offenbach seien die Aufnahmen etwas Besonderes, weil sie das alte Offenbach zeigten. „Und das wollen wir nun im Rahmen dieser tollen Show dem Publikum präsentieren.“ Nach Angaben von Nina Goslar von der Arte-Filmredaktion im ZDF sind aus Offenbach drei alte Industriefilme nachgewiesen. Diese seien aber wohl im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Als zu Jahresanfang der Kontakt zu Karin Hirsch zustande gekommen sei, „ließ der unerwartete Fund unsere Herzen höher schlagen“. Der Leiter des Hauses der Stadtgeschichte, Jürgen Eichenauer, sprach von einer „reichen Fundgrube“, die viel Zeitgeschichte enthalte..

Hirsch war Mitglied im Filmclub Klein-Film-Freunde Offenbach gewesen. Seine Filme zeigen, dass ganz Offenbach in die Gestaltung der Karnevalsumzüge einbezogen war: die „Technischen Lehranstalten“ (heute Hochschule für Gestaltung) oder Vereine wie die Turngesellschaft.

Zu sehen sind auch kostümierte Mitarbeiter der 1848 gegründeten Seifenfabrik Kappus, die den Standort Offenbach demnächst schließen muss.

Karten für das „Kino Variété“am 26. April um 20 Uhr im Capitol sind erhältlich zu 21 Euro pro Person unter www.frankfurtticket.de.

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