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Mit Engelshaar schmückt Eva Reiß den Baum.
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Mit Engelshaar schmückt Eva Reiß den Baum.

Rätselhafter Weihnachtsbaum

Die vergessene Symbole zu Weihnachten

Wissen Sie eigentlich, was Sie da an Ihren Baum hängen? Dass rote Kugeln für Äpfel stehen? Der Stollen an ein Wickelkind erinnern soll? All das verrät eine Ausstellung in der StadtkircheVon Angelika Ohliger

Von Angelika Ohliger

Weihnachtsbaum schon geschmückt? Silberne Kugeln oder goldene? Christbaumspitze oder nicht? In vielen Familien ist die Sache klar, der Baum wird jedes Mal so gestaltet wie in den Jahren zuvor. Oft wissen sie aber gar nicht, was sie da eigentlich an die Zweige hängen. "Apfel, Nuss und Mandelkern" heißt eine kleine, aber feine Ausstellung in der evangelische Stadtkirche, die darüber Auskunft gibt. Gemeindemitglieder haben Wissenswertes rund um Weihnachtssymbole zusammengetragen und dabei Überraschendes zutage gefördert.

Der erste urkundlich bezeugte Weihnachtsbaum stand 1539 in Straßburg. Danach sollte es aber noch Jahrhunderte dauern, bis er von Deutschland aus die ganze Welt eroberte. Wer ihn heute mit roten Kugeln behängt, kommt dem Klassiker am nächsten. Sie stellen die rotwangigen Äpfel dar, die dereinst tatsächlich als Schmuck dienten.

"Einen lebenden Baum holten und holen sich die Menschen in einer dunklen Zeit in die Wohnungen", berichtet Dekanin Eva Reiß. Nicht nur deshalb war die immergrüne Tanne gefragt, sondern auch weil sie sich in Kreuzform verzweigt. Strohsterne erinnern an den Stern von Bethlehem, das Material an den Geburtsort Jesu: Stroh aus der Krippe, gebunden und zusammengehalten mit einem Fädchen aus Lammwolle. "Ich bin das Licht der Welt", sprach Jesus. Deshalb brennen Kerzen am Baum. "Ob es wirklich Kerzen sind oder elektrisches Licht, das spielt heute keine Rolle mehr", sagt Reiß.

Manche Symbole sind erst später als christliche anerkannt worden. Vieles sei auch hineingeheimnist worden, weil die Menschen eine Form finden wollten, dieses hohe Fest zu feiern, vermutet die Dekanin. Eines dieser Geheimnis ist offenbar auch die Geschichte rund um die Nuss. Die harte Schale steht demnach für den ärmlichen Stall, den süßen Kern darin findet man erst mit Mühe.

Anis, Muskat, Lebkuchen, Piment und Kardamom - Gewürze spielen eine wichtige Rolle in der Weihnachtszeit. Sie galten als wertvolle Dinge, die aus dem Orient mitgebracht wurden. Daraus entstand Gebäck wie Lebkuchen, "der Kuchen des Lebens", denn stets geht es um den Sieg des Lebens über den Tod.

Gegessen wurden all die süßen Leckereien auf jeden Fall erst zu Weihnachten oder gar später. "Die Adventszeit war Fastenzeit. Das haben wir heute völlig vergessen", sagt Reiß. So sei der Christstollen mit der Menge an vielen guten Zutaten erst am 28. Dezember angeschnitten worden. Es ist der "Tag der unschuldigen Kinder". Er erinnert an den Kindermord in Bethlehem, den König Herodes befohlen haben soll.

Dekanin Reiß erklärt die seltsame Form des Stollens: Der Teig wird so eingeschlagen, dass der Laib an ein Wickelkind erinnert. Der Puderzuckerüberzug soll die weißen Tücher symbolisieren.

Eine Weihnachtsausstellung ohne Nikolaus wäre nur die Hälfte wert. Dass der heilige St. Nikolaus aus Kleinasien, genauer aus der Türkei stammt, hat sich herumgesprochen. "Doch in Offenbach kann man das gar nicht oft genug sagen", meint Eva Reiß. Wie sich die Figuren des Bischof von Myra, des Knecht Ruprecht und des Weihnachtsmanns vermischen, zeigt die Ausstellung ebenfalls. Früher habe der Nikolaus die Geschenke gebracht, erzählt die Dekanin. Das Christkind ist erst seit Martin Luther bekannt, der sich gegen Heiligenverehrung aussprach.

Die Mitglieder der Stadtgemeinde haben ihre Funde auf den Bänken der hohen Kirchenfenster aufgebaut. Auf der Bank, auf der auch der Nikolaus untergebracht ist, steht eine Schale mit Spekulatius. Das Gebäck ist nicht etwa zufällig dorthin geraten. Um Bischof Nikolaus ranken sich zahlreiche Legenden, unter anderem die vom Kornwunder. Sein Leben und seine guten Taten werden als Motive auf den flachen Plätzchen abgebildet. Und woher der Name kommt, weiß Eva Reiß auch. Er leitet sich von einer lateinischen Bezeichnung für den Bischof als Aufseher ab: Speculator.

Die Ausstellung "Apfel, Nuss und Mandelkern" ist bis 6. Januar in der Stadtkirche, Herrnstraße 44, zu

sehen. Geöffnet am zweiten Weihnachts-

feiertag von 14 bis 18 Uhr, am Samstag, 27.

Dezember, von 11 bis 13 Uhr, am Montag, 5.

Januar, und am Dienstag, 6. Januar, jeweils von 12 bis 18 Uhr - und immer dann, wenn die Kirchentür offen ist.

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