Zu den "Lebensräumen" gehört auch die Integrationsfirma Esswerk in Dietzenbach. Sie kocht in Kantinen und Schulen:
+
Zu den "Lebensräumen" gehört auch die Integrationsfirma Esswerk in Dietzenbach. Sie kocht in Kantinen und Schulen:

Lebensräume Offenbach

Verein gibt Verantwortung ab

  • Wiebke Rannenberg
    vonWiebke Rannenberg
    schließen

Der Verein Lebensräume überträgt sein Vermögen einer Stiftung. Diese übernimmt auch die Aufgaben: Die Betreuung von psychisch Kranken in Stadt und Kreis. Von Wiebke Rannenberg

Der Verein Lebensräume organisiert sich neu. Die 75 Mitglieder haben beschlossen, Wohnheime, Beratungsstellen, Freizeitangebote, Integrationsfirmen, andere Aktivitäten und Vermögenswerte, die bisher unter Vereinsägide stehen, in die "Stiftung Lebensräume Offenbach am Main" zu überführen. Lebensräume kümmert sich um Menschen mit psychischen Erkrankungen und psychosozialen Beeinträchtigungen in Stadt und Kreis Offenbach.

Im Mai sei die Stiftung vom Regierungspräsidium anerkannt worden, am Mittwochabend tagte der Aufsichtsrat zum ersten Mal und derzeit würden die Vermögenswerte übertragen, teilte die Stiftung mit. Der Verein bleibt bestehen, verfügt aber nur noch über die Mitgliedsbeiträge.

Im Grunde vollziehe der Verein damit die gesellschaftliche Entwicklung nach, sagt Geschäftsführer Klaus-Dieter Liedke. Ging es vor 30 Jahren noch darum, gegen die damalige Anstaltspsychiatrie zu protestieren, stehen heute die Menschen mit psychosozialen Problemen im Vordergrund. "Heute gibt es ganz andere Krankheitsbilder", sagt Liedke.

Denn aus dem kleinen Wohnheim für psychisch Kranke neben dem Offenbacher Klinikum ist ein mittelständischer Betrieb mit 200 Angestellten und zahlreichen Außenstellen geworden. Außer in Offenbach gibt es gemeindepsychiatrische Zentren in Langen, Neu-Isenburg, Obertshausen und Seligenstadt, dazu die Integrationsfirmen Esswerk (kocht in Kantinen und Schulen) und L-Werk (Versanddienstleistungen). Zwar gibt es hauptberufliche Geschäftsführer und Betriebsleiter, doch die Verantwortung lag bei dem älter werdenden Verein.

Und das war auch unter den Vereinsmitgliedern umstritten. Immer wieder kam die Frage auf, ob Betriebe wie das Esswerk noch mit der Kernkompetenz des Vereins zu vereinbaren sind. Andererseits zogen sich die Diskussionen über die Gründung der Stiftung über mehr als ein Jahr hin. Und manch Angehöriger hatte Befürchtungen, dass die Schwerkranken gegenüber den leichter Beeinträchtigten hinten hinunterfallen könnten. Diesen Bedenken wird Rechnung getragen in der Verfassung der Stiftung, in der es heißt, die "Belange chronisch psychisch Kranker und ihrer Angehörigen sind in besonderem Maße zu berücksichtigen".

Mit der Stiftung gibt der Verein Verantwortung ab, verliert aber auch Einflussmöglichkeiten. Dennoch hat Professor Ansgar Klimke (bisher Vereinsvorsitzender, jetzt Chef des Aufsichtsrats) für die Stiftung gekämpft. Denn im Verein könnten relativ leicht durch Mehrheitsvoten Ziele geändert und Vermögen verschoben werden, sagt der Chefarzt der Psychiatrie und Psychotherapie. Die Satzung der Stiftung lasse sich nicht so einfach ändern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare